Bezirksgericht Muri
Chef um fast eine halbe Million betrogen: «Es tut mir unendlich leid»

Das Bezirksgericht verurteilt einen ungetreuen Mitarbeiter zu 36 Monaten Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt. Er hat seinen Arbeitgeber um fast eine halbe Million Franken betrogen.

Eddy Schambron
Drucken
Teilen
Zwischen 2002 und 2015 hat der Mann gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen. (Symbolbild)

Zwischen 2002 und 2015 hat der Mann gesamthaft über 400'000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen. (Symbolbild)

Elena Monti

Nach der Gerichtsverhandlung gab der ehemalige Chef seinem ungetreuen Arbeitnehmer die Hand – eine Geste, die für Sebastian (Name geändert) offensichtlich wichtig war. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass Sebastian seinen Arbeitgeber, eine bekannte Freiämter Unternehmung, im Laufe der Jahre um fast eine halbe Million Franken betrogen hat. Er stand wegen gewerbsmässigem Betrug vor dem Bezirksgericht Muri.

Hinzu kamen für den knapp 40-jährigen ehemaligen Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung mehrfache Urkundenfälschung, Fahren unter Alkohol und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Das Urteil für das Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Simone Baumgartner war klar, weil es im abgekürzten Verfahren schon festgelegt und vom Beschuldigen akzeptiert worden war: 36 Monate Freiheitsstrafe, davon 6 Monate unbedingt bei einer Probezeit auf 4 Jahre sowie einer Übertretungsbusse von 100 Franken wegen Alkohol am Steuer und einem Joint in der Wohnung. Hinzu kommen Verfahrens- und Gerichtskosten und natürlich die Rückzahlung der ertrogenen Summe – abgemacht sind 1000 Franken pro Monat.

Jetzt arbeitslos

Nur: Das kann Sebastian – zumindest vorderhand – nicht erfüllen. Er ist arbeitslos und gesundheitlich angeschlagen, muss neun Tabletten pro Tag einnehmen, um einigermassen funktionieren zu können, wie er vor Gericht ausführte. Strom zu Hause bekommt er nur über einen Münzzähler. «Momentan ist es sehr prekär bei mir», räumte er vor Gericht ein. Aber er betonte auch, dass er den ertrogenen Betrag zurückzahlen will, sobald das möglich ist. «Mein Handeln tut mir leid», führte er aus. Er habe bei seiner früheren Arbeitgeberfirma immer gern gearbeitet, «aber ich habe einfach Scheissdreck gemacht.» Und er richtete sich direkt an seinen früheren Vorgesetzten im Gerichtssaal: «Du hast mich 17 Jahre gefördert und unterstützt, Türen aufgemacht. Es tut mit unendlich leid.»

3000 Franken pro Monat

In der Anklageschrift steht, dass Sebastian, seit 1998 im Betrieb, in 143 Transaktionen zwischen 2002 und 2015 gesamthaft über 400 000 Franken auf sein Privatkonto überwiesen hatte, indem er Kreditorenrechnungen doppelt erfasste und mittels falsch im System erfassten Kontoverbindungen oder ausgetauschten Einzahlungsscheinen seinen Vorgesetzten in die Irre führte, sodass dieser die falschen Transaktionen freigab. Weitere sieben Transaktionen brachten ihm gut 25 000 Franken auf sein Konto. Insgesamt schädigte er das Unternehmen im Umfang von 489 744 Franken. Allenfalls frühere Taten sind verjährt. «Er beging die Tat um sich unrechtmässig zu bereichern, indem er sich mit dem erbeuteten Geld einen höheren Lebensstandard finanzierte, als er sich hätte leisten können.» Sebastian bezog durchschnittlich gut 3000 Franken pro Monat aus der Kasse.

Das abgekürzte Verfahren konnte gewählt werden, weil der Beschuldigte ihm zugestimmt hatte, ebenso dem in Aussicht stehenden Urteil. Nochmals von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner mit den Beschuldigungen konfrontiert, bestätigte er den Sachverhalt ohne Einschränkungen. Sebastian hofft, wieder eine Arbeit zu finden, gerne auch im sozialen Bereich, den er durch seine Klinikaufenthalte kennen gelernt hat. Er wird dabei vom RAV unterstützt. Er will auch entsprechende Weiterbildungen absolvieren. «Hoffen wir», sagte Baumgartner, «dass daraus bald etwas wird.»

Aktuelle Nachrichten