Wohlen
Bruno soll die Stimme der Migrantenkinder sein

Der Sternensaal Wohlen feierte am Samstag die Uraufführung des eigenen Theaterstücks «Bruno aus Bovolino». Nicht nur bei den Kindern – egal welcher Nationalität – kam der kleine Bruno sehr gut an.

Susanna Vanek
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Keine Schminke, keine komischen Kleider: Jörg Bohn alias Bruno zieht Kinder und Erwachsene mit seiner Erzählkunst und kleinen charmanten Ideen beim einfachen Bühnenbild in seinen Bann. Susanna Vanek

Keine Schminke, keine komischen Kleider: Jörg Bohn alias Bruno zieht Kinder und Erwachsene mit seiner Erzählkunst und kleinen charmanten Ideen beim einfachen Bühnenbild in seinen Bann. Susanna Vanek

Susanna Vanek

Ein Mann, Jörg Bohn, steht mit wenigen Requisiten auf der Bühne und erzählt eine Geschichte. Er ist nicht lustig geschminkt, und was er berichtet, ist manchmal nachdenklich, traurig. Dennoch hören ihm die Kinder gebannt zu, raten mit, diskutieren mit ihm. Klarer Fall: Die Premiere von «Bruno aus Bovolino» ist bestens gelungen. Bruno ist eine Figur, mit der der Schauspieler Bohn seit 20 Jahren unterwegs ist. Es ist nicht immer die gleiche Person, die in seinen Stücken als «Bruno» auftaucht, es gibt aber einige Gemeinsamkeiten. So ist Bruno etwa erwachsen, hat sich aber eine kindliche Begeisterungsfähigkeit bewahrt. Und er ist ein grosser Erzähler.

Die Geschichte eines Jungen

Das ist er auch bei «Bruno aus Bovolino». Bruno berichtet den Kindern, er habe soeben einen Jungen gesehen, der von anderen Kindern ausgelacht wurde, bis er zuletzt mitlachte. Obwohl ihm nicht danach zumute war, wie Bruno beobachtete. Das habe ihn auf die Idee gebracht, den Kindern seine Geschichte zu erzählen. Dass er nämlich nicht in der Schweiz geboren wurde, sondern in einem fernen Land hinter dem schwarzen Meer, in einem Dorf namens Bovolino. Eines Tages musste er sich mit der Mutter auf den Weg in die Schweiz machen, wo sein Vater arbeitete. Bruno wollte nicht Oma und Opa verlassen, musste aber. Immerhin bekam er vom Grossvater eine Ziehharmonika.

Unterwegs versucht der Junge, dem Instrument eine Melodie zu entlocken, bis ein Zöllner ihn auf die Ziehharmonika anspricht. In diesem Moment glauben insbesondere die erwachsenen Theaterzuschauer, dass der Zöllner dem Jungen die Ziehharmonika wegnehmen wird. Stattdessen bringt er ihm das Spielen bei. Allerdings ist es nicht so, dass für Bruno in der Fremde alles glatt läuft. Der kalte Schweizer Winter mit Schnee macht ihm zu schaffen, für das Verkaufspersonal sind er und seine Mutter unsichtbar, und häufig ist der kleine Junge allein zu Hause, weil Vater und Mutter arbeiten.

Trost findet er bei einem Plüschesel, der ihn an seinen Esel daheim erinnert, und bei der Musik, die er auf der Ziehharmonika spielt. Er getraut sich nicht, den Esel mit ins Klassenzimmer zu nehmen, sondern versteckt ihn. Eines Tages sehen ihn die Mitschüler trotzdem mit dem Spielzeug und lachen ihn so lange aus, bis er mitlacht und den Esel fortwirft. Natürlich sucht er den Esel, sobald er wieder allein ist, aber er findet ihn nicht. Nun wird Bruno krank. Allein sitzt er zu Hause, spielt auf der Ziehharmonika. Eine Klassenkameradin hört ihn und bietet ihm an, am Schulfest aufzutreten. Wider Willen tut das Bruno. Und diesmal lachen die anderen Kinder nicht, sie klatschen begeistert.

Wie von Zauberhand

Bohn erzählt, dass er mit seiner Figur Bruno in vielen Klassen und Schulen auftritt. Dabei ist ihm aufgefallen, wie viele Migrantenkinder es in einigen Gemeinden gebe. Diesen wollten er und Regisseur Paul Steinmann, mit dem er den Text erarbeitet hat, sowie Urs Heller, der für die Dramaturgie verantwortlich ist, eine Stimme geben. Für die Geschichte musste Bohn Ziehharmonika spielen lernen. Fredi Spreng, verantwortlich für die Musik, brachte es ihm bei. Für den Bühnenbau ist André Boutellier zuständig, der zudem dafür sorgt, dass hin und wieder eine scheinbare Zauberei die Kinder in den Bann zieht.

Dass sie auch sonst ganz in die Geschichte vertieft sind, beweisen sie, als Bruno ein Foto zeigt, das er auf der Reise in die Schweiz aufgenommen hat. Nicht das Sujet verwundert sie, sondern der Umstand, dass es ein Farbfoto ist. «Als du ein Kind warst, gab es doch nur Schwarz-Weiss-Bilder», rufen gleich mehrere. Die Geschichte des Migrantenjungen berührt, wie auch die anderen Bruno-Geschichten, auch die Erwachsenen.

Das Stück ist eine Co-Produktion des Sternensaals Wohlen mit ThiK Baden, Theater PurPur Zürich, Gofechössi Lichtensteig und Arosa Kultur. Nach der Premiere in Wohlen wird Bohn mit dem Stück in den nächsten Wochen und Monaten in der ganzen Schweiz unterwegs sein. Bis Januar 2015 sind schon Vorstellungen geplant. Wenn dem Stück der gleiche Erfolg beschieden ist wie den vorhergehenden, wird es weitergehen. Die Begeisterung des Publikums nach der Premiere legt jedenfalls nahe, dass «Bruno aus Bovolino» noch lange in der Schweiz unterwegs sein wird.

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