Buttwil
Bruchlandung eines Flugschülers: Experten rüffeln Fluglehrer

Ein Flugschüler legte im Februar 2013 eine Cessna beim Ausrollen aufs Dach – nachdem ihm die Landung selbst noch geglückt war. Nun liegt der Schlussbericht der Untersuchungsstelle zum glimpflich verlaufenen Unfall vor. Er beinhaltet eine Kritik des Fluglehrers.

Toni Widmer
Drucken
Teilen
Die Cessna F152 wurde beim Überschlag im Februar 2013 stark beschädigt, der Pilot kam mit dem Schrecken davon.

Die Cessna F152 wurde beim Überschlag im Februar 2013 stark beschädigt, der Pilot kam mit dem Schrecken davon.

key

Die Witterungsbedingungen zum Unfallzeitpunkt, der Zustand von Piste und Flugzeug und nicht zuletzt die Verfassung des Piloten – all das wird detailliert überprüft, wenn die darauf spezialisierte Sust (Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle) nach den Ursachen eines Flugunfalles forscht.

Der Unfall: Pilot nach Überschlag unverletzt

Ein 23-jähriger Flugschüler, der kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung stand, hatte am 14. Februar 2013 auf dem Flugplatz Buttwil ein letztes Mal vor der Prüfung verschiedene Manöver geübt. Er flog Volten über dem Platz, simulierte mehrere Landeanflüge mit Durchstarten und führte auch zwei gelungene Landungen aus. Auch die geplante letzte Landung nach über einer Stunde Flug gelang vorerst. Beim Ausrollen kam seine Cessna allerdings von der schneebedeckten Graspiste ab und überschlug sich im tieferen Schnee. Der junge Pilot wurde nicht verletzt, das Flugzeug jedoch stark beschädigt. Der Flugschüler hat seine Prüfung kurz nach dem Unfall dennoch erfolgreich absolviert. (to)

Am 14. Februar 2013 war die Graspiste auf dem Flugplatz Buttwil zwar mit hartem Schnee bedeckt, ein sicheres Landen aber durchaus möglich. Auch das Wetter liess sichere Flugmanöver zu, die eingesetzte Cessna 152 war technisch in Ordnung und auch beim Piloten gab es keinerlei Anzeichen für eine Einschränkung seiner Flugtüchtigkeit.

Unfall zwei Tage vor Prüfung

Dennoch hat der damals 23-jährige Flugschüler die Cessna nach einer vorerst geglückten Landung beim Ausrollen aufs Dach gelegt (siehe Box). Und das nur zwei Tage vor der Prüfung, die er am 16. Februar 2013 – trotz des Unfalls zwei Tage zuvor – auch problemlos bestanden hat.

Die Sust schreibt den Vorfall im Schlussbericht der fehlenden Routine des Piloten zu. Er hätte zwar Erfahrung mit Landungen auf Schnee gehabt und auf seinem letzten Übungsflug auch zwei solche erfolgreich absolviert. Bei der dritten Landung habe er jedoch die Kontrolle über die Maschine verloren.

Den schwarzen Peter schiebt die Sust nun jedoch weniger dem Flugschüler zu, der mit der Maschine alleine unterwegs war. Der Fluglehrer, so ist im Untersuchungsbericht festgehalten, hätte seinen Flugschüler vom Boden aus überwachen und mit ihm in Funkkontakt stehen sollen. Damit, vermutet die Sust, hätte der Überschlag allenfalls verhindert werden können.

Es gibt einen Grund dafür, weshalb der Fluglehrer an jenem Morgen nicht am Pistenrand stand: Als Schlusstest für den Flugschüler war ein Solo-Navigationsflug von Buttwil nach Grenchen und zurück geplant gewesen. Dieser wurde wegen ungünstiger Witterung abgesagt, worauf sich Fluglehrer und -schüler auf ein Solo-Landtraining in Buttwil einigten. Das Programm erhielt der Schüler schriftlich, weil der Lehrer zum Zeitpunkt des Trainings mit einem zweiten Schüler unterwegs war.

Konsequenzen gezogen

Die betroffene Flugschule hat die Konsequenzen aus dem glimpflich abgelaufenen Überschlag gezogen. In Absprache des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) wird als Folge des Unfalls – unter anderem – ein verstärktes Augenmerk auf das Betriebsreglement der Flugschule gelegt. Dieses Reglement war schon zum Unfallzeitpunkt am 14. Februar 2013 gültig.

Im Kapitel 2.6.1.5 ist schwarz auf weiss nachzulesen: «Während jedes Solofluges in der Platzrunde muss der überwachende Fluglehrer am Boden Sichtkontakt und Funkverbindung mit dem Schüler halten, um einzugreifen, falls eine unsichere Situation auftritt.»

Aktuelle Nachrichten