Bremgarten-Mutschellen
Über 3 Millionen Franken: Das neue Regenklärbecken ist zwar wasserdicht, aber auch teurer als erwartet

Der Kredit für den Neubau bei der ARA in Bremgarten wird um mehr als 8 Prozent überschritten.

Walter Christen
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Das neue Regenklärbecken bei der ARA in Bremgarten: Abwasserverbandspräsident Pius With (links) präsentiert das Bauwerk vor der Eröffnung den Gemeindevertretern.

Das neue Regenklärbecken bei der ARA in Bremgarten: Abwasserverbandspräsident Pius With (links) präsentiert das Bauwerk vor der Eröffnung den Gemeindevertretern.

Walter Christen

Das neue Regenklärbecken auf dem Areal der Abwasserreinigungsanlage Kessel in Bremgarten ist erstellt – und es ist wasserdicht, wie die entsprechende Probe gezeigt hat, sodass die definitive Inbetriebnahme nach Abschluss von weiteren Tests demnächst erfolgen kann.

Kostenpunkt: 3,1 statt 2,8 Millionen Franken

Die dem im Jahr 1972 gegründeten Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen angehörenden Gemeinden Berikon, Bremgarten, Eggenwil, Widen und Zufikon haben an den Rechnungsgemeindeversammlungen 2019 ihre erforderlichen Kostenanteile an das Bauwerk im Betrag von total rund 1,8 Millionen Franken bewilligt. 1 Million konnte dem Eigenkapital des Abwasserverbandes entnommen werden.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, wird das Regenklärbecken allerdings nicht auf die veranschlagten 2,8 Millionen Franken, sondern auf etwa 3,1 Millionen zu stehen kommen. Dies entspricht einer Überschreitung des Gesamtkredits um voraussichtlich etwa 235'600 Franken oder gut 8,2 Prozent.

Vertreter der ARA-Verbandsgemeinden im neuen Bauwerk.

Vertreter der ARA-Verbandsgemeinden im neuen Bauwerk.

Walter Christen

Bei der Präsentation der Anlage erläuterte Verbandspräsident Pius With einer Gemeindedelegation die Gründe für die Mehrausgaben:

«Die Baumaterialien sind teurer geworden und es waren Änderungen bei der Vorgehensweise der Konstruktion in Form von Spriessungen erforderlich. Dazu kamen viele Kleinigkeiten, die in ihrer Zahl am Schluss einen grossen Betrag ausmachen.»

Für die Entlastung der ARA bei starken Regenfällen

Weshalb musste überhaupt ein neues Regenklärbecken gebaut werden, obschon es in den Verbandsgemeinden bereits deren elf gibt? Nun, das von 2013 bis 2015 erarbeitete Entwässerungskonzept hat gezeigt, dass ein weiteres Regenklärbecken bei der Kläranlage in Bremgarten erforderlich ist, weil die ARA nicht für die grossen Abwassermengen bei Regen ausgelegt ist.

Das neue Regenklärbecken bei der ARA in Bremgarten im Bau.

Das neue Regenklärbecken bei der ARA in Bremgarten im Bau.

Walter Christen

Zudem werden bei Niederschlägen die Kanalisationsleitungen durchgespült und der während der Trockenperiode abgelagerte Schmutz angeschwemmt. Künftig wird dieses anfallende Abwasser vorübergehend im Regenklärbecken gespeichert und mechanisch gereinigt. Sobald wieder genügend Reinigungskapazität besteht, wird das Abwasser aus dem Becken zur Behandlung in die Kläranlage gepumpt.

Das neue Regenklärbecken wurde direkt bei der ARA erstellt, um einen künftigen Ausbau der Kläranlage nicht zu behindern. Es musste kein Grundstück erworben werden und der Wald wurde nicht tangiert. Das Bauwerk ist vollständig unter Terrain erstellt und somit nicht sichtbar. Da über das Bauobjekt eine Strasse führt, wurde die Konstruktion für die zu erwartenden Belastungen konzipiert.

Die Konstruktion ist auch für Havariefälle (Löschwasser, Brennstoffunfälle) ausgelegt und umfasst zwei Kammern zu je 500 Kubikmeter Inhalt. Wie Verbandspräsident Pius With ausführte, wurden für den Bau 750 Kubikmeter Beton benötigt, 145 Tonnen Armierungsstahl verbaut und 2000 Quadratmeter Schalungen erstellt. Der erforderliche Aushub der Baugrube belief sich auf etwa 4000 Kubikmeter.

Die ARA in Bremgarten.

Die ARA in Bremgarten.

Walter Christen

Im Jahr 2020 wurden 2,9 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt

Was in Toiletten, Waschbecken, Bodenabläufen und Einlaufschächten beseitigt wird, gelangt durch kilometerlange Leitungen in die Abwasserreinigungsanlage Kessel in Bremgarten. Durch Kanäle und Rohre flossen der ARA im Jahr 2020 insgesamt 2,9 Millionen Kubikmeter Abwasser zu, welches 23'342 Tonnen Frischschlamm beinhaltete.

Zwei Kläranlagen lieferten 4351 Tonnen Faulschlamm zur Entwässerung. Die Kläranlage Bremgarten arbeitete mit einem durchschnittlichen Reinigungseffekt von 94,4 Prozent. Wie dem Jahresbericht 2020 entnommen werden kann, läuft die Anlage bezüglich Stickstoffanfall nach wie vor an der Belastungsgrenze.

Die wichtigste Sanierung war im Berichtsjahr die Erneuerung der elektrischen Unterverteilung für die biologische Reinigungsstufe. Zudem stellten viele kleinere und grössere Reparaturen den Betrieb der ARA sicher.

Ein Blick ins neue unterirdische Bauwerk der ARA Bremgarten.

Ein Blick ins neue unterirdische Bauwerk der ARA Bremgarten.

Walter Christen

Im Jahr 2020 wurden 314'705 Kubikmeter Klärgas produziert, welches hauptsächlich für Raum- und Faulturmheizung verwendet werden konnte. In der Abrechnungsperiode Oktober 2019 bis September 2020 hat der Waffenplatz Bremgarten für Raumheizung und Warmwasseraufbereitung 41'330 Kubikmeter bezogen. Dadurch konnten 26'496 Liter Heizöl mit erneuerbarer Energie ersetzt werden.

Für 2020 ein Aufwandüberschuss von 54'250 statt 100'000 Franken

2020 steuerten die Verbandsgemeinden rund 1,29 Millionen Franken zur Deckung der Betriebs- und Unterhaltskosten der Abwasserreinigungsanlage Bremgarten bei. Die Rechnung 2020 schloss mit einem Aufwandüberschuss von gut 54'250 Franken ab. Budgetiert waren Mehrausgaben von 100'000 Franken.

Der Grund für diese positive Abweichung waren Minderkosten beim Gebäudeunterhalt und diverse Kosteneinsparungen. Der Überschuss wurde dem Eigenkapital belastet, welches per 31. Dezember 2020 einen Stand von rund 1,4 Millionen Franken aufwies. Die Rückstellungen für Anlagenerneuerungen der Entwässerung betrugen 341'600 Franken. Die grössten Ausgaben wurden mit 192'000 Franken für die Sanierung der Unterverteilung der Biologie getätigt.

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