Bremgarten
Kaum verscheucht, schon wieder da: Warum die Krähenplage am Obertor nur schwer in den Griff zu bekommen ist

Erst im vergangenen Herbst wurden alle Nester von den Bäumen beim Obertorplatz geholt. Doch die Saatkrähen haben sich längst zahlreich und lautstark zurückgemeldet. Aus ihrem Revier vertreiben lassen sie sich kaum.

Lukas Scherrer
Drucken
Teilen
Weder zu übersehen, noch zu überhören: In den Platanen beim Obertorplatz haben sich die Saatkrähen breitgemacht.

Weder zu übersehen, noch zu überhören: In den Platanen beim Obertorplatz haben sich die Saatkrähen breitgemacht.

Lukas Scherrer

Franziska Wyler hat es satt. Mit dem Einkehren des Frühlings sind auch die Saatkrähen in die Platanen am Bremgarter Obertorplatz zurückgekehrt – und sorgen nicht nur für Lärm, sondern hinterlassen auch eine regelrechte Sauerei rund um Wylers Kiosk. «Das Gekrähe höre ich schon fast nicht mehr», sagt sie.

«Aber der Vogelkot überall nervt gewaltig.»

Seit elf Jahren betreibt Wyler ihren Kiosk am Obertor – sieben davon als Valora-Kiosk, vier Jahre als selbstständige Unternehmerin. Doch so schlimm wie jetzt sei die Krähenplage noch nie gewesen. «Mein Sonnenstoren ist erst dreijährig, aber schon völlig verdreckt», erklärt Wyler. «Auch der Teppich hier im Kiosk sieht schlimm aus, weil ich den Dreck mit den Schuhen reintrage.»

Hat genug von den Krähen: Franziska Wyler in ihrem «Fränzi's Kiosk».

Hat genug von den Krähen: Franziska Wyler in ihrem «Fränzi's Kiosk».

Lukas Scherrer

Es gebe gar Kunden und Passanten, die ihren Unmut über die Verschmutzung rund um den Kiosk an ihr auslassen. «Ich höre dann Kommentare wie ‹das ist doch eklig, mach doch mal etwas dagegen›», so Wyler. «Aber warum muss ich etwas dagegen tun, das ist Sache der Stadt.»

Zwar wurden die Krähennester letzten Oktober allesamt von den Bäumen geholt und einige Äste zurückgeschnitten. Wyler ist aber überzeugt: «Das ist den Krähen völlig egal, die haben ihre Nester in kürzester Zeit wieder aufgebaut.»

Die Platanen auf dem Bremgarter Obertorplatz werden derzeit von den Saatkrähen belagert.

Lukas Scherrer

Einmal niedergelassen kaum mehr loszuwerden

Wie schwierig es ist, Saatkrähen aus ihrem Revier zu vertreiben, weiss Johannes Jenny. Der promovierte Biologe war 24 Jahre lang Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. 2016 sorgte er für Aufsehen, als er sich für die gezielte Jagd auf Krähen aussprach und seine Argumente mit dem Verteilen von Krähensuppe in Baden untermauerte.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt Jenny:

«Anders als Rabenkrähen sind Saatkrähen Koloniebrüter. Sie verteidigen ihr Revier gemeinsam, wodurch Fressfeinde kaum eine Chance gegen sie haben.»

Haben sich Saatkrähen einmal niedergelassen, müsse man sie schon massiv bekämpfen, um sie wieder loszuwerden. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Tiere etwa mit Spiegeln oder gezieltem Lärm zu stören, so Jenny. Weil Krähen aber sehr intelligente und neugierige Vögel seien, würden solche Vertreibungsversuche oft durchschaut.

Johannes Jenny.

Johannes Jenny.

Marc Ribolla

Das alljährliche Entfernen von Nestern hält auch Jenny für nutzlos: «Die Krähen müssen dann einfach ein wenig mehr arbeiten im Frühling, das hält sie aber nicht von einer Rückkehr in ihr Revier ab.» Am einfachsten sei es, die Bäume zu fällen, dies berge aber natürlich immer Interessenkonflikte. Im Januar letzten Jahres wurde etwa beim Kantonsspital Aarau eine rund 100-jährige Buche gefällt, weil sie von Krähen belagert wurde. Auch eine Demonstration und die Bildung einer Menschenkette konnte die Fällung des Baums nicht verhindern.

Gesetzliche Schonzeit verhindert Massnahmen

Beim Bremgarter Obertorplatz kommt eine Fällung der Bäume nicht infrage, wie Stadtschreiber Beat Neuenschwander auf Anfrage festhält. Überhaupt sind der Stadt derzeit die Hände gebunden. Denn zwischen dem 16. Februar und dem 31. Juli gilt es, die gesetzlich festgeschriebene Schonzeit für wildlebende Vögel einzuhalten.

Danach will die Stadt Massnahmen durchführen, welche die weitere Ausbreitung der Saatkrähen verhindern soll. Wie Neuenschwander gegenüber dieser Zeitung verrät, werden aber wohl auch dieses Jahr lediglich Nester von den Bäumen geholt und Äste selektiv zurückgeschnitten – womit der Krähenplage am Obertorplatz wohl auch im nächsten Jahr kein Ende bereitet wird.

Aktuelle Nachrichten