Boswil
300 Jahre alte Balken im Haus der Musik: Das Künstlerhaus Boswil hat seine neuen Räumlichkeiten eingeweiht

Mit den rund 300 Jahre alten Holzbalken bleibt ein Teil des ehemaligen Sigristenhauses im neuen Künstlerhaus erhalten. Wie sich ein Konzert in den neuen Räumlichkeiten anhört, durften die Gäste an der Eröffnungsfeier am Mittwochabend erleben.

Melanie Burgener
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Das ehemalige Sigristenhaus wurde zum neuen Künstlerhaus von Boswil. Die alten Mauern des ehemaligen Bauernhauses, das um 1700 errichtet worden ist, bleiben erhalten.

Das ehemalige Sigristenhaus wurde zum neuen Künstlerhaus von Boswil. Die alten Mauern des ehemaligen Bauernhauses, das um 1700 errichtet worden ist, bleiben erhalten.

zvg

Fröhliche Klarinetten- und Geigenklänge schwingen durch die heimelig beleuchteten Räume und aus dem unteren Stockwerk tönen angeregte Stimmen und klirrende Gläser herauf. Am Mittwochabend herrscht eine ausgelassene Stimmung im ehemaligen Sigristenhaus. Das frisch sanierte und umgebaute Haus ist nun offiziell das neue Boswiler Künstlerhaus.

Diese Eröffnung des historischen, einst baufälligen Gebäudes, haben die anwesenden Gäste lange herbeigesehnt. Am Mittwochabend gehörten sie zu den ersten, die in den neuen Räumlichkeiten ein Konzert genossen und die Probe- und Büroräume sowie die Gästezimmer besichtigen konnten. Begeistert über das Ergebnis der Arbeiten zeigte sich unter anderem Regierungsrat Alex Hürzeler. «Es sind sehr schöne Zimmer geworden. Da möchte man sich doch gleich einmieten», sagte er auf seinem Rundgang.

Regierungsrat Alex Hürzeler brachte in seiner Eröffnungsansprache seine Freude über das neue Künstlerhaus zum Ausdruck.

Regierungsrat Alex Hürzeler brachte in seiner Eröffnungsansprache seine Freude über das neue Künstlerhaus zum Ausdruck.

Melanie Burgener

Diese Freude brachte der Vorsteher des Departementes Bildung, Kultur und Sport kurz zuvor bereits in seiner Ansprache zum Ausdruck. Er bezeichnete das Künstlerhaus Boswil als Kultur-Leuchtturm des Aargaus. Ganz besonders freute ihn, dass es gelang, die alten Holzelemente in den Neubau zu integrieren. «Diese 300 Jahre alten Balken sprechen Geschichte und könnten sicher einiges darüber erzählen, was sie in diesen Räumen alles erlebt haben», sagte er.

Eindrücke von der Eröffnung des Künstlerhauses Boswil.

Melanie Burgener

Mit dem Sigristenhaus schenkte der Kanton der Stiftung eine Chance

Die Unterstützung des Kantons machte diesen Umbau überhaupt erst möglich. Stiftungspräsident des Künstlerhauses Boswil, Stefan Hegi, erzählt:

«2006 haben wir uns vom Ort der Kultur zum Ort der Musik verändert. Dank der Beiträge des Kantons erhielten wir die Chance, das hier machen zu dürfen.»

Das Haus sei aber nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Herausforderung gewesen, so Hegi. Es hätten sich die Fragen gestellt, ob es der Stiftung überhaupt dienen und deren Ausrichtung zur Musik unterstützen würde.

Das neue Künstlerhaus ist ein Haus der Musik. Unter dem Dach befindet sich neu ein Proberaum mit einer für die Proben optimalen trockenen Akustik.

Das neue Künstlerhaus ist ein Haus der Musik. Unter dem Dach befindet sich neu ein Proberaum mit einer für die Proben optimalen trockenen Akustik.

zvg

Im Vorfeld hat sich eine Arbeitsgruppe den Fragen angenommen, was mit dem Gebäude passieren und wie es in Zukunft am sinnvollsten verwendet werden soll. Für die Umsetzung der Pläne war Architekt Gian Salis zuständig. Er hat die Stiftung bei zwei verschiedenen Projektwettbewerben mit seinen Plänen überzeugt.

Die 300 Jahre alten Balken stehen auch im neuen Künstlerhaus

Im Gespräch mit dem kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer erzählte Salis, dass auch er während seiner Arbeit in Boswil viel dazulernen konnte. «In diesem Saal hier braucht es für die Musikproben eine spezielle Akustik», erklärte er. Herausfordernd sei für ihn vor allem die Struktur des alten Hochstudhauses gewesen. Er sagte:

«Als ich dann gesehen habe, dass in diesem archaischen Bau alles zusammenhängt, hat mich das sehr fasziniert.»

Die alte Balkenstruktur, die die Räume im Haus miteinander verbindet, liess er stehen. Sie sind gut 300 Jahre alt – eine bauarchäologische Untersuchung hat ergeben, dass das Holz für die Balken um das Jahr 1698 geschlagen und das ehemalige Bauernhaus demnach um 1700 erbaut wurde. Sie verleihen dem neuen Künstlerhaus seinen besonderen Charakter.

Architekt Gian Salis (rechts) erzählte im Gespräch mit dem kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer den anwesenden Gästen von seinen Herausforderungen beim Umbau des ehemaligen Sigristenhauses.

Architekt Gian Salis (rechts) erzählte im Gespräch mit dem kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer den anwesenden Gästen von seinen Herausforderungen beim Umbau des ehemaligen Sigristenhauses.

Melanie Burgener

Gian Salis hat aus dem ehemaligen Sigristenhaus ein Haus der Musik gemacht. Er erzählt:

«Ich habe schon sehr positive Rückmeldungen der Musikerinnen und Musiker erhalten. Das freut mich wahnsinnig.»

Einige befürchten, sie würden den Holzboden zerkratzen. «Ihnen sagte ich: Ich hoffe sogar, dass dieser Boden Kratzer erhält. Dieses Haus soll genutzt werden und es soll klingen.»

Am Mittwochabend wurde das neue Künstlerhaus offiziell eingeweiht. Mit der Öffentlichkeit feiert die Stiftung am Samstag, 23. Oktober, bei einem Tag der offenen Türe.

Am Mittwochabend wurde das neue Künstlerhaus offiziell eingeweiht. Mit der Öffentlichkeit feiert die Stiftung am Samstag, 23. Oktober, bei einem Tag der offenen Türe.

Melanie Burgener

Während des Boswiler Sommers und der Proben des grössten Jugendsinfonieorchesters im August ist bereits Leben ins neue Künstlerhaus Boswil eingekehrt. Die offizielle Einweihung feiert die Stiftung am Samstag, 23. Oktober, mit einem Tag der offenen Türe.

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