Berikon
Adventskränze, Plastiksäcke und Kaffeekapseln: Kompostieranlage Gunzenbühl droht Gemeinden

Plastikfetzen, Verpackungen und Einkaufstaschen: Diese Dinge gehörten nicht ins Grüngut. In den vergangenen Monaten fand Thomas Stutz, der Anlagenbetreiber der Kompostieranlage Gunzenbühl in Berikon, vermehrt Plastik in den Lieferungen. Er erzählt, was das mit Corona zu tun hat und welche Massnahmen nun ergriffen werden.

Nathalie Wolgensinger
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Das geschredderte Grüngut setzt während des Kompostierungsprozesses Energie frei. Anlagenbetreiber Thomas Stutz steht vor einer der sogenannten Mieten.

Das geschredderte Grüngut setzt während des Kompostierungsprozesses Energie frei. Anlagenbetreiber Thomas Stutz steht vor einer der sogenannten Mieten.

Nathalie Wolgensinger

Mystisch mutet die Stimmung in der Kompostieranlage Gunzenbühl an: Dampf steigt aus den beiden langen, braunen Bahnen, die sich über das Areal schlängeln, auf. Die Entsorgungsstelle liegt mitten im Beriker Wald. Beim näheren Betrachten der Mieten sieht man, dass es sich um geschreddertes Grüngut handelt, das den Kompostierungsprozess durchläuft und dabei Energie freisetzt. Im Winter wird diese Energie sichtbar in Form von Wasserdampf.

Anlagenbetreiber Thomas Stutz steht nebenan in einer überdachten Halle. Er stochert mit einer Heugabel in einem hohen Holzhaufen und fischt mit jedem Hieb Plastiksäcke und Verpackungen hervor. Er kommentiert: «Dieses Holz sollte eigentlich verheizt werden. Mit diesen Verschmutzungen können wir das nicht weitergeben. Der ganze Haufen geht deshalb in die Kehrichtverbrennungsanlage.» Zwar wird ein Teil des Plastiks bereits beim Zerkleinern des angelieferten Materials herausgeholt. Doch kleinere Stücke passieren die Maschine und müssen von Hand aussortiert werden.

Verunreinigungen im Grüngut.

Verunreinigungen im Grüngut.

zvg

Dass Haushaltsabfall mit dem Grüngut entsorgt wird, das ist nichts Neues. In den vergangenen Jahren stellt Stutz aber eine besorgniserregende Zunahme fest. Während der Coronapandemie, das haben ihm auch die Mitarbeitenden der Grüngutabfuhr bestätigt, habe die Unsitte deutlich zugenommen. In der Absicht, die Abfallgebühren einzusparen, werden die Composäcke mit Haushaltsabfall gefüllt und klammheimlich im Grüngut entsorgt.

Ein Grossteil der acht Gemeinden (unter anderem Berikon, Rudolfstetten, Widen, Oberwil-Lieli, Oberlunkhofen und Islisberg), die ins Gunzenbühl liefern, erheben keine Grüngutgebühr. Stutz ist sich sicher:

«Wenn man auf Grüngut ebenfalls Gebühren bezahlen müsste, hätten wir das Problem nicht in diesem Ausmass.»

Bald gar keine Entsorgung mehr?

Kürzlich machte die Gemeinde Rudolfstetten in ihren Gemeindenachrichten einmal mehr auf das Problem aufmerksam und kündigte an, dass die Sammlung bei jenen Liegenschaften eingestellt werde, bei denen man regelmässig Verschmutzungen feststelle. Stutz erzählt: «Je grösser die Gemeinden sind, desto grösser ist das Problem. Wo sich mehrere Parteien einen Container teilen, werden sehr oft Haushaltsabfälle auf diese Weise entsorgt.»

Stellt man keine Besserung fest, wird die Abfuhr eingestellt. Dies sei bei einigen der grösseren Überbauungen im Einzugsgebiet bereits der Fall, bestätigt er.

Thomas Stutz zeigt, wie er die Fremdstoffe in mühseliger Handarbeit aus dem Grüngut trennen muss.

Nathalie Wolgensinger

Seit Jahren schlagen sich Betreiber von Grüngutanlagen mit diesem Problem herum. Weil sich die Lage aber in den vergangenen Jahren zusätzlich verschärft hat, schlägt Stutz nun Alarm. Was die Maschine nicht herausfiltern kann, muss er in mühsamer Kleinarbeit aus dem angelieferten Material herausklauben. Will er seinen Kompost weiterhin an Biobetriebe liefern, muss er hohe Auflagen einhalten. Er erzählt:

«Wir werden regelmässig kontrolliert. Wenn zu viele Fremdstoffe festgestellt werden, können wir den Kompost nicht mehr weitergeben.»

Er fügt hinzu: «Ich stehe im engen Austausch mit der Firma, die das Grüngut einsammelt. Ihre Mitarbeitenden haben den Auftrag, die Container vor dem Leeren zu überprüfen. Wenn sie Fremdstoffe feststellen, weisen sie mit einem Zettel darauf hin und stellen den ungeleerten Container zurück.»

Dies alles gehört nicht ins Grüngut und muss separat entsorgt werden.

Dies alles gehört nicht ins Grüngut und muss separat entsorgt werden.

zvg

Doch trotz all dieser Massnahmen stellt sich keine Verbesserung ein. So könne es nicht weitergehen, warnt Stutz. Denn er möchte tunlichst verhindern, was in einigen Gemeinden der Schweiz bereits der Fall ist: Dort wurde nämlich wegen der hohen Verschmutzung die Grüngutsammlung ganz eingestellt.