Auw
Auw soll ländlich bleiben: Steingärten werden verboten, Solaranlagen bleiben aber erlaubt

In der Gemeinde Auw steht die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsplanung an – zehn Jahre nach der eigentlichen Frist. Am Montag hat das öffentliche Mitwirkungsverfahren begonnen.

Melanie Burgener
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Die bäuerlichen Häuser und die Kapelle St. Josef in Rüstenschwil und Auw machen das Ortsbild speziell und sollen erhalten bleiben.

Die bäuerlichen Häuser und die Kapelle St. Josef in Rüstenschwil und Auw machen das Ortsbild speziell und sollen erhalten bleiben.

Melanie Burgener

Eigentlich müssen die Gemeinden im Kanton Aargau ihre Nutzungspläne rund alle 15 Jahre überprüfen und anpassen. In Auw wurde die letzte Revision jedoch 1996 durchgeführt, der aktuelle Bau- und Nutzungsplan ist also 25 Jahre alt. Diese Pflicht wurde in der Gemeinde aber nicht etwa einfach vernachlässigt.

Während der vergangenen vier Jahre wurde in Auw eine Planungskommission gegründet, die an einer Gesamtrevision gearbeitet hat – und diese spielt den Ball nun der Bevölkerung zu. Denn nun sind die Einwohnerinnen und Einwohner am Zug, sich die Ergebnisse der Planung anzusehen und ihre Anliegen im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung einzubringen.

Zwei Dinge, die Auw wichtig sind: Dorfcharakter und Ortsbild

«Unser Ziel ist es, mit der Revision die Weichen zu stellen, damit unsere Gemeinde ein modernes Planungsinstrument bekommt», sagte Auws Vizeammann Philipp Rebsamen an der Infoveranstaltung am Montagabend. Dafür seien verschiedene Ziele gesetzt worden. Ein Hauptschwerpunkt liegt auf dem Ortsbild der Gemeinde.

Dieses wird besonders vom Charakter der bäuerlich-ländlichen Häuser und der historischen Gebäude ausgemacht. Für die Bevölkerung sind sie von grosser Bedeutung – aber nicht nur für sie. Auch der Kanton Aargau sieht die Wichtigkeit dieses Dorfbildes. Er hat Auw im kantonalen Raumkonzept den ländlichen Entwicklungsräumen zugeordnet und die Gemeinde dazu verpflichtet, das Ortsbild, aber auch die Dorfkernentwicklung weiterhin zu schützen.

Die Dorfkernentwicklung in Auw ist auch nach kantonalem Raumkonzept schützenswert.

Die Dorfkernentwicklung in Auw ist auch nach kantonalem Raumkonzept schützenswert.

Melanie Burgener

So soll der Dorfcharakter beispielsweise mit Gärten und Bäumen gestärkt werden. Bauerngärten sollen gefördert, Stein- und Ziergärten mit nicht einheimischen Pflanzen verboten werden. Auch über die Installation von Solaranlagen habe man diskutiert, wie Adrian Duss vom Planungsbüro KIP aus Wohlen, Mitglied der Planungskommission, erklärte. Diese würden sich auf das Dorfbild auswirken. «Auw ist aber eine Energiestadt. Deshalb wurde entschieden, dass Fotovoltaikanlagen erlaubt sein sollen, jedoch unter Einhaltung gewisser Vorgaben», so Duss.

Der Weiler Rüstenschwil wird komplett umgezont

Ein Teil des Auwer Dorfbildes macht auch der nördlich gelegene Weiler Rüstenschwil aus, der seit der Gründung des Kantons Aargau 1803 zusammen mit Auw eine Einwohnergemeinde bildet. Hier finden sich mit alten, ebenfalls rustikalen Gebäuden historische Zeitzeugen der Region. Damit diese Umgebung nicht verloren geht, sollen alle Bauzonen im Weiler einheitliche Vorgaben erhalten. Im neuen Plan werden deshalb die Flächen der Wohnzone 2 und der Wohn- und Gewerbezone Rüstenschwils in die Dorfzone umgezont.

Auch landwirtschaftliche Betriebe, die sich am Rand einer Bauzone befinden, sollen sich im Einklang mit dem Ortsbild entwickeln. So lautet ein weiterer Schwerpunkt im neuen Nutzungsplan. In Auw sollen drei ehemalige landwirtschaftliche Betriebe in die Dorfzone umgezont werden. Dafür müssen gewisse Kriterien erfüllt werden. Zum Beispiel, wenn ein vorliegendes und bewilligbares Projekt besteht. In Auw betrifft das die Betriebe an der Alikonerstrasse, an der Bergstrasse sowie in Rüstenschwil die Parzelle 88/892.

Zehn Bauten gelten neu als schützenswerte Objekte

In der Gemeinde bedeuten Bauten wie ländliche Wohnhäuser, die Kapelle St. Josef oder Bauernhöfe der Bevölkerung viel. Und auch national gelten diese als schützenswert. Auw wurde gemäss dem Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als regional bedeutend eingestuft. So muss in der Gesamtrevision auch das Inventar schützenswerter Bauten aktualisiert werden. Das bestehende Inventar sei bis auf ein paar Änderungen grösstenteils übernommen worden, wie Adrian Duss erklärte. «Neu wurden zusätzliche zehn Gebäude zu den kommunalen Substanzschutzobjekten aufgenommen», so Duss.

Adrian Duss vom Planungsbüro KIP aus Wohlen, Vizeammann Philipp Rebsamen und Frau Gemeindeammann Marlis Villiger (von links) sind Mitglieder der Planungskommission und informierten am Montag zum Mitwirkungsverfahren.

Adrian Duss vom Planungsbüro KIP aus Wohlen, Vizeammann Philipp Rebsamen und Frau Gemeindeammann Marlis Villiger (von links) sind Mitglieder der Planungskommission und informierten am Montag zum Mitwirkungsverfahren.

Melanie Burgener

Im 76-seitigen Planungsbericht werden die einzelnen Schwerpunkte der Gesamtrevision genau erläutert. Darunter befinden sich auch Änderungen zur Entwicklung des Maria-Bernarda-Heimes, das weitere Alterswohnungen bauen möchte, oder weitere Angaben zu Energie, Gewässerraum oder Verkehr der Gemeinde. Auch Ausführungen zur Mehrwertabgabe finden sich darin. Sie betrifft Parzellen, die neu eingezont werden und in Zukunft beispielsweise durch den Verkauf und den Bau von Wohnraum einen Mehrwert bieten. Dieser wird dann durch eine Abgabe ausgeglichen, die mindestens 20 Prozent betragen muss. Auw hat diese auf die maximal erlaubten 30 Prozent angehoben.

Das Mitwirkungsverfahren zur Gesamtrevision der Nutzungs- und Bauplanung in Auw läuft noch bis am 16. November. Am Donnerstag, 21. Oktober, bietet die Planungskommission eine offene Sprechstunde und am 30. Oktober eine Fragestunde auf Voranmeldung an. «Es ist uns wichtig, dass dieses Angebot besteht und genützt wird», sagt Vizeammann Philipp Rebsamen an der Infoveranstaltung.

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