Dottikon
«Ab hier können Sie pflücken, so viel Sie möchten»: unsere Reporterin auf dem Erdbeerfeld

Unsere Reporterin begab sich in Dottikon selber aufs Feld, um selber Erdbeeren zu pflücken. Corona hielt sie und viele Kunden nicht auf.

Melanie Burgener
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Auf dem Erdbeerfeld der Familie Wietlisbach können die Kundinnen ihre Erdbeeren selber pflücken.
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Auf dem Bild die Betriebsleiterin Mirjam Wietlisbach.
Zuerst leer wägen, dann voll. So ergibt sich der Preis.
Der Vater von der Betriebsleiterin Mirjam, Josef Wietlisbach, hat selbst jahrelang den Betrieb geleitet.
Frau Strebel musste dem Erdbeerfeld gesundheitshalber für 2 Jahre fernbleiben - nun freut sie sich umso mehr, ihre Erdbeeren wieder selber pflücken zu können.
Reporterin Melanie Burgener beim Erdbeer-Pflücken.

Auf dem Erdbeerfeld der Familie Wietlisbach können die Kundinnen ihre Erdbeeren selber pflücken.

Britta Gut

Ein weisser Pfeil mit der roten Aufschrift «Erdbeeren» weist mir den Weg durch die Quartierstrassen von Dottikon. Mein Ziel: Das Erdbeerfeld auf dem Wietlisbach-Hof, auf dem man seine Früchte selbst pflücken darf. Ausgerüstet mit einer grossen Schüssel, laufe ich vom Hofladen Richtung Feld. Auf der Landstrasse kommt mir Josef Wietlisbach entgegen und weist mir den Weg: «Hier kommen zuerst die Randen, aber ganz hinten, neben den Gersten, findet ihr das Feld zum Selberpflücken.»

Vor den grossen weissen Tunnel, die das Feld überdachen, begrüsst uns Mirjam Wietlisbach. Gemeinsam erklären sie den Kunden die Regeln und helfen beim Wiegen. Auch ich muss zuerst meine leere Schüssel auf die Waage stellen: 286 Gramm. Dann weist mir Mirjam Wietlisbach eine Reihe zu: «Ab hier können Sie pflücken, so viel Sie möchten.» Ich betrete den kleinen Weg zwischen den Pflanzen. Das Stroh raschelt unter meinen Füssen. Die reifen Erdbeeren leuchten rot zwischen den vielen Blättern hervor. Es ist noch früh am Nachmittag, das Feld hat eben erst geöffnet und die Reihen neben mir sind noch fast leer.

600 Kilogramm Erdbeeren wurden gepflückt

Am Pfingstmontag habe das noch etwas anders ausgesehen. Dann hat die Pflücksaison auf dem Wietlisbach-Hof begonnen und es habe einen grossen Ansturm gegeben. «Rund 600 Kilogramm Erdbeeren wurden gepflückt», erzählt Josef Wietlisbach begeistert. Wenn es so viele schöne Früchte habe, könne man halt einfach nicht aufhören. «Und vielleicht hat Corona da auch noch etwas beigetragen.» Seine Schwiegertochter Mirjam stimmt zu: «Viele Kunden erzählen mir, dass sie froh sind, etwas anderes machen zu können, als nur spazieren und Velo fahren.» Und vielleicht ist es für viele, genau wie für mich, auch eine Tradition, die seit der Kindheit zum Sommer dazugehört. Genau wie die Raketenglace oder ein Besuch in der Badi.

Meine Schüssel füllt sich immer mehr. Die Anstrengung der gebückten Haltung und die Hitze, die sich unter dem Tunnel angestaut hat, sind schnell vergessen. Auch die Regeln sind einfach zu befolgen. Nur die reifen Früchte abnehmen, aufpassen, dass man nicht auf Beeren tritt, und am wichtigsten: «Zwischendurch auch mal eine in den Mund nehmen», sagt Josef Wietlisbach und grinst. Stolz blickt er über Reihen, die sich nach und nach auch mit Kindern füllen. Seine Augen leuchten. «Es ist eine wahre Freude. In den vergangenen Jahren sind nicht so viele Menschen gekommen. Aber ich habe das Gefühl, heuer wird es anders.»

«Ich musste einfach kommen, es hat mich richtig hergezogen»

Die Abstandsregeln des BAG sind beim Pflücken kein Hindernis. «Wenn wir den Kunden eine Reihe zuweisen, können wir die Abstände etwas planen. Das funktioniert gut», so Wietlisbach.

In einer Reihe neben mir hat sich unterdessen Margaretha Strebel aus Tägerig mit einem kleinen Stuhl und einem Körbchen eingerichtet. Es ist heute ihr erstes Mal seit zwei Jahren, dass sie wieder in Dottikon auf dem Erdbeerfeld ist. «Ich komme schon seit vielen Jahren hierher. Doch in letzter Zeit ging es mir gesundheitlich nicht so gut.» Umso mehr freut sie sich, dass sie ihre Erdbeeren heute wieder selbst pflücken kann: «Ich musste einfach kommen, es hat mich richtig hergezogen.»

Mit der Ernte will Margaretha Strebel Glace für ihre Enkelkinder machen. Was aus meinen Erdbeeren werden soll, habe ich mir noch nicht überlegt. Gut möglich, dass sie es gar nicht bis nach Hause schaffen und ich dem Erdbeerfeld bald einen zweiten Besuch abstatte.