Wohlen
7000 Franken Schaden bei jedem verhagelten Auto

Hagel hat zahlreiche Schäden an Gebäuden und auch an Autos hinterlassen. In Wohlen gibt es mit dem Auto-Drive eine Adresse, wo Autobesitzer die Schäden gleich den Versicherungsexperten präsentieren können. 120 Kunden werden so bedient.

Jörg Baumann
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Experte Andreas Müller (rechts) beobachtet, wie Autotechniker Dennis Ames einen Hagelschaden beseitigt.

Experte Andreas Müller (rechts) beobachtet, wie Autotechniker Dennis Ames einen Hagelschaden beseitigt.

Jörg Baumann

Hagelkörner, so gross wie Nüsse oder Tennisbälle, verbeulten im Juli Tausende von Autos. Auf über 100 Millionen Franken schätzt der Schweizerische Versicherungsverband die Elementarschäden, die der Hagel allein an Autos angerichtet hat. «Das ist aber erst eine vorläufige Bilanz. Die Versicherungsgesellschaften haben noch nicht alle Schäden aufgenommen», betont Selma Frasa-Jodok, die Mediensprecherin des Verbandes.

Autoversicherungen sind gefordert

Wenn Hagelkörner aufs Autodach und die Motorhaube fallen, wird es teuer. Andreas Müller, Autoexperte bei den Vaudoise Versicherungen, rechnet vor: «Im Durchschnitt erwarten wir einen Schaden von 6000 bis 7000 Franken pro Auto.» Hagelschäden an 120 Autos rechnete die Versicherungsgesellschaft diese Woche allein in Wohlen ab. Die Vaudoise-Experten schlugen ihre Zelte in der Autocarrosseriewerkstatt Neeser auf und erfassten die Schäden im Auto-Drive im Halbstundentakt.

«Unsere Experten sind erfahren», erklärt Müller. «Eine halbe Stunde genügt, um einen Fall abzuschliessen.» Für die Erfassung der Schäden steht ihnen eine Datenbank zur Verfügung, die anzeigt, wie viel jeder Fall kostet. Die Kunden können das Auto entweder reparieren lassen oder sich das Geld für den Schaden auszahlen lassen. «Welchen Weg er wählt, überlassen wir dem Kunden. Es kann ja sein, dass jemand mit den Hagelschäden leben kann und das Geld brauchen will, um später ein neues Auto zu kaufen», sagt Autoexperte Müller. «Im anderen Fall lässt er es sofort reparieren.»

Versicherungsbetrüger gewarnt

Müller warnt findige Versicherungsbetrüger: «Wer die Hagelschäden nur vortäuscht und die Schäden mit einem Hammer angebracht hat, den erwischen wir. Einer, der besonders schlau sein wollte, liess es quasi von innen hageln. Er beschädigte das Autodach, indem er von innen ans Dach klopfte, bis dieses verbeult war. Das ist Versicherungsbetrug. Wir haben den Sünder schnell überführt.»

Selten, nur bei einem Totalschaden, werden heute noch vom Hagel beschädigte Autoteile ausgewechselt. Die Carrosseriespengler nehmen stattdessen häufig einen feinen Hammer zur Hand und bringen mit subtilen Hammerschlägen die Beulen zum Verschwinden. Das hat einen grossen Vorteil: «Der Originallack der Autos wird bei dieser Methode nicht beschädigt und sie spart auch Geld», betont Müller.

Autotechniker aus Deutschland

Der Autotechniker Dennis Ames zeigt, wie das geht. Er klopft mit dem Hammer auf einen kleinen Kunststoffmeissel. Man kann zuschauen, wie die Beule verschwindet. Ames ist extra aus dem Ruhrgebiet in die Schweiz gereist, um die Hagelschäden zu flicken. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland wie Ames wären viele Schweizer Carrosseriewerkstätten nach einem schweren Hagelunwetter wie im Juli schnell überfordert.

Andreas Müller kann den Hagelschäden einen positiven Aspekt abgewinnen: «Die Werkstätten bekommen Arbeit. Es fliesst Geld in die Wirtschaft. Das ist doch gut so.»

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