Ernte
Den Erdbeeren ist es zu nass – trotzdem gibt es Hoffnung auf eine gute Saison

Kaum Sonne, viel Regen: Das ideale Wetter für die roten Beeren lässt auf sich warten. Die Temperaturen liegen seit Tagen unter 20 Grad. Wir haben in Muhen, Schafisheim und Seengen bei den Bauern nachgefragt, was das für sie bedeutet.

Cynthia Mira
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Die Erdbeeren warten auf Sonnenstrahlen: Das schlechte Wetter verzögert die Ernte auf den Feldern der Region. Im Bild: Familie Zubler in Schafisheim mit den Kindern Pius und Eva (Archivbild 2018).

Die Erdbeeren warten auf Sonnenstrahlen: Das schlechte Wetter verzögert die Ernte auf den Feldern der Region. Im Bild: Familie Zubler in Schafisheim mit den Kindern Pius und Eva (Archivbild 2018).

Chris Iseli

«Wir sind im Seich», sagt Hans-Ulrich Lüscher auf seinem Hof in Muhen am Telefon. Er stehe gerade im Erdbeerenfeld und es regne schon wieder. Das ideale Wetter für die roten Beeren lässt auf sich warten. Die Temperaturen liegen seit Tagen unter 20 Grad. Zudem schätzen die Beeren zwar feuchte Verhältnisse, aber es sollte auch wieder abtrocknen. Lüscher sagt:

«Die Nachfrage ist da, aber die Beeren brauchen einfach länger, bis sie reif sind.»

Das Feld, auf dem die Früchte bei ihm für gewöhnlich selber gepflückt werden können, ist noch zu. «Die Leute wollen sich ins Feld setzen und gleich mit der Ernte beginnen», sagt er. Wenn die Königin der Beeren stattdessen zuerst gesucht werden müsse, dann schmälere dies den Spass. Zudem sei nicht nur die Reife ein Problem, sondern auch das Aroma falle weniger kräftig aus, wenn sich die Sonne nie zeige. Aber:

«Das Wetter bessert sich ja in den nächsten Tagen und dann kann man sich rasch auf wunderbare Beeren freuen.»

Bis dahin hilft ihm jene Fläche der insgesamt 1,6 Hektaren, die dank einer Abdeckung gegen die Witterung geschützt ist, dass genügend Früchte vorhanden sind. «Für die Belieferung der Läden in der Region reicht die Ernte knapp aus.» Sie seien täglich auf der Suche nach den besten Früchten. Für Lüscher sind solche Bedingungen aber nicht neu, kultiviert er doch seit 1988 Erdbeeren. Er sagt: «Wir haben schon alles erlebt.»

Die speziellen Bedingungen begünstigen Fäulnis

Noch nicht ganz so weit und reif sind die Erdbeeren auf dem Betrieb der Familie Zubler in Schafisheim. «Wegen dem Spätfrost und der Lage sind die Beeren noch zu wenig reif», sagt Stefan Zubler. Auch bei ihnen verzögert sich somit die Ernte auf ihren rund 80 Aaren, die sie bewirtschaften. Es sei aber geplant, dass in der kommenden Woche begonnen werde. «Die Pflanzen werden sich nicht so leicht von diesen Bedingungen erholen», so Zubler. Zudem begünstige dieser Start, dass die Fäulnis schneller einsetze. Etwas mehr Hoffnung geben die Sorten, die generell später gepflückt werden: «Bei diesen fällt die Ernte wahrscheinlich im üblichen Rahmen aus», sagt er. Auf dem Hof der Familie Zubler werden seit 2001 Erdbeeren angebaut. Er sagt:

«Es ist schon speziell, dass eine solche lange Regenphase gerade in der Blütezeit und damit zum Saisonstart einsetzte.»

Pflanzenschutzmittel wird rasch weggewaschen

Just an diesen Tagen startet Robert Meyer in Dintikon mit seiner Ernte. Aber auch er betont: «Es ist eine Katastrophe.» Das sei kein gutes Jahr für die roten Früchte. Aber immerhin: «Es gibt Erdbeeren.» Auch bei ihm sei die Qualität jener Beeren, die im geschützten Anbau gedeihen, hervorragend. Im Moment seien es rund 400 Kilo, die er täglich pflücken könne. Im Direktverkauf gibt es eine Schale mit 500 Gramm für 5.50 Franken zu kaufen. Über den Grossverteiler gibt es für dasselbe Gewicht nur noch 3.55 Franken für die Bauern. Der Preis verharrt somit trotz dieser schwierigen Saison auf vergleichbarem Niveau. Zudem kommt ein weiteres Problem hinzu. Meyer sagt:

Die Zubler-Erdbeeren in Schafisheim sind heuer noch nicht ganz so saftig (Archivbild 2018).

Die Zubler-Erdbeeren in Schafisheim sind heuer noch nicht ganz so saftig (Archivbild 2018).



Chris Iseli
«Mit Pflanzenschutzmitteln gegen Fäulnis anzukämpfen, bringt wenig, weil das mit diesem Regenwetter bis am nächsten Tag schon wieder weggewaschen ist.»

Aber auch für Biofans besteht noch Hoffnung: «Bioerdbeeren werden unter Witterungsschutz kultiviert, zum Beispiel unter Tunnels, und waren in den letzten Wochen gut vor den Niederschlägen geschützt», sagt Christian Wohler, Leiter Spezialkulturen Gemüse und Beeren im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. «Die Witterungsbedingungen waren im Mai nicht optimal für die Erdbeerproduktion und die Mengen blieben auf einem niedrigen Niveau, obwohl sie langsam steigen», sagt er. «Sobald die steigenden Temperaturen und der Sonnenschein einsetzen, wird die Erdbeersaison richtig Fahrt aufnehmen.»

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