Schinznach-Bad
Zustimmung zur Fusion war das Highlight für den zurücktretenden Vizeammann

Vizeammann René Fiechter blickt zurück auf die strengste Zeit im Gemeinderat – und sagt, weshalb er aufhört

Michael Hunziker
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Schinznach-Bads Vizeammann René Fiechter (rechts) hat mit Bruggs Stadtammann Daniel Moser viele Gespräche geführt über die Fusion. jam

Schinznach-Bads Vizeammann René Fiechter (rechts) hat mit Bruggs Stadtammann Daniel Moser viele Gespräche geführt über die Fusion. jam

Janine Müller (jam)

Schinznach-Bads Vizeammann René Fiechter hat ein intensives Jahr erlebt: Im Frühling sprang er in die Bresche für Gemeindeammann Oliver Gerlinger, der krankheitshalber zurücktrat. Es war in der Folge an Fiechter, die Verhandlungen rund um die aufgegleiste Fusion mit Brugg zu führen. Ende Jahr wird der Vizeammann sein Amt abgeben, bei den Gesamterneuerungswahlen ist er nicht mehr angetreten.

Es sei sicher die strengste Zeit gewesen in seinen acht Jahren im Gemeinderat – davon vier als Vizeammann –, blickt Fiechter auf 2017 zurück. Mit dem Rücktritt des Gemeindeammanns seien dessen Ressortarbeiten unter den verbliebenen Gemeinderäten aufgeteilt worden. Gerlinger habe den Gemeinderat zwar über seine gesundheitliche Situation orientiert und es sei nach Möglichkeiten für eine Entlastung gesucht worden. «Es zeigte sich aber, dass dies zu wenig war», stellt Fiechter fest. Der Gemeindeammann habe schliesslich die Notbremse gezogen. «Als Vizeammann war mir bewusst, was auf mich zukommt.» Konkret habe er die repräsentativen Aufgaben übernommen, was eine grosse zeitliche Beanspruchung darstellte.

Diskussionspartner auf Augenhöhe

Bruggs abtretender Stadtammann Daniel Moser findet lobende Worte für Schinznach-Bads scheidenden Vizeammann René Fiechter. Dieser habe das Steuer der Gemeinde übernommen in einer anspruchsvollen und fordernden Zeit. «Er ist durch seine ruhige, überlegte, zielorientierte und unkomplizierte Art sehr gut mit der Situation klargekommen», stellt Moser fest. Auf die Frage nach der Zusammenarbeit antwortet Moser, dass Fiechter mit seiner klaren Haltung ein Diskussionspartner auf Augenhöhe sei, «ein Teamplayer, wie man sich eben einen wünscht». (mhu)

Freizeit blieb auf der Strecke

Im Beruf – Fiechter ist als Projektleiter tätig in einem Ingenieurbüro – seien seine Abwesenheiten recht gross gewesen, fährt er fort. Sein Arbeitgeber sei ihm aber so weit entgegengekommen, dass er viele Termine während der Arbeitszeit habe wahrnehmen können. «Natürlich musste ich dann meine Aufgaben gegen Abend oder am frühen Morgen erledigen.» Ganz klar auf der Strecke geblieben seien die Freizeit sowie die Tätigkeiten im Garten und Haus.

Neben der Fusion mit Brugg betreute der Vizeammann zusätzlich die Grossprojekte «Abschluss ARA-Ersatzlösung Umiken» für 3,1 Mio. Franken sowie «Sanierung Regenbecken» für 1 Mio. Franken. Den Fokus gelegt habe er aber auf das Zusammenschlussprojekt. Mit der Gründung der Komitees für und gegen eine Fusion sei viel Leben in die Gemeinde gekommen, fügt er an, «was an und für sich ja nichts Schlechtes ist».

Vor Abstimmung stieg Nervosität

Schwierig gewesen seien die drei öffentlichen Anlässe, räumt er ein und erwähnt die Informationsveranstaltung im Juni, die Podiumsdiskussion im November sowie schliesslich die ordentliche Gemeindeversammlung. «Natürlich muss man sich als Gemeinderat im Vorfeld das Eine oder Andere anhören, ohne dass man entsprechend reagieren kann», hält er fest. «Wichtig für mich war, dass alle Veranstaltungen in einem sachlichen und fairen Rahmen über die Bühne gingen.»

Er habe stets darauf hingewiesen, dass hart um die Sache gerungen werden darf, nicht aber auf Personen gespielt werden soll. Kurz vor der Gemeindeversammlung sei dann die Nervosität in beiden Lagern gestiegen. Mittlerweile habe sich diese Anspannung wieder gelegt, Gegner wie Befürworter pflegen einen respektvollen Umgang, so Fiechter. Derzeit biete auch die allabendliche Eröffnung eines Adventsbilds eine gute Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen. «Nun kann die Bevölkerung in Schinznach-Bad und in der Stadt Brugg im kommenden März an der Urne definitiv entscheiden.»

Aus der Bevölkerung habe er durchweg erfreuliche Rückmeldungen erhalten, sagt der Vizeammann. «Nach der Informationsveranstaltung wurde ich im positiven Sinne von vielen Mitbürgern angesprochen und unterstützt. An der Gemeindeversammlung wurde mir nach meinen Ausführungen mit spontanem Applaus gedankt.» Die Zustimmung an der Gemeindeversammlung bezeichnet er denn auch als Highlight in seiner Amtszeit. Über die gesamte Dauer herausragend gewesen seien weiter das ARA-Projekt, die Schwimmbadsanierung sowie die Realisierung der Überbauungen Birräcker und Oelermatt.

Berufliche Belastung ist Grund

Trotz grossem Aufwand könne er eine durchweg positive Bilanz ziehen, betont Fiechter. «Ich verlasse den Gemeinderat Schinznach-Bad mit einem guten Gefühl. Meine Arbeiten konnte ich fast alle abschliessen.» Zudem hätten bei den Gesamterneuerungswahlen alle freien Plätze im ersten Wahlgang besetzt werden können.

Als Grund für seinen Rücktritt nennt der 61-Jährige die zeitliche Belastung im Beruf. «Wir bereiten den Generationenwechsel in meiner Abteilung vor. Hier werde ich in den nächsten zwei, drei Jahren zusätzlich gefordert sein.» Und selbst wenn die Amtsperiode – vorausgesetzt, die Fusion mit Brugg kommt zustande – nur zwei Jahre dauern würde: «Bei der Entscheidung diesen Sommer, weiterzumachen oder nicht, war eine zweijährige Amtszeit für mich kein Thema. Man kann nur für eine ganze Amtsperiode kandidieren und dazu fehlen mir einfach die zeitlichen Ressourcen», fasst er zusammen. Er ist sich bewusst, dass es den richtigen Termin wohl nicht gibt für einen Rücktritt. «Wahrscheinlich ist es in solchen Situationen immer der falsche Zeitpunkt zum Aufhören.»

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