Brugg
Unihockey boomt bei Behinderten – doch es fehlen Hallen und Trainer

1974 wurde der Verein Behindertensport Region Brugg gegründet – heute ist der Andrang manchmal fast zu gross.

Ruedi Burkart
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Die Vindonissa Panters (gelbes Dress) beim Sieg gegen die Bielerstürmer. Trotzdem ist Fairness wichtiger als gewinnen.

Die Vindonissa Panters (gelbes Dress) beim Sieg gegen die Bielerstürmer. Trotzdem ist Fairness wichtiger als gewinnen.

Ruedi Burkart

Rang vier für die «Vindonissa Tigers» in der stärksten Kategorie A, Turniersieg für die «Vindonissa Panters» in der Kategorie E: Der Abstecher letztes Wochenende ins Freiamt an das Unihockeyturnier von Special Olympics in Wohlen hat sich für die beiden Teams des Behindertensports Region Brugg resultatmässig gelohnt. «In unserer ersten Mannschaft haben noch ein, zwei gute Spieler gefehlt», so Trainerin Cornelia Rust, «mit denen wären wir noch stärker gewesen.»

Sie ergänzt sogleich, dass ihr «die Fairness von Spielern und Zuschauern wichtiger ist als ein Sieg». Aber klar: «Wenn wir ein Tor mehr schiessen als der Gegner, ist das für alle natürlich wunderbar.» Und wenn es auf dem Feld einmal nicht so läuft wie gewünscht, dann können die Emotionen bei geistig Behinderten schnell kippen. «Da ist Fingerspitzengefühl gefragt», schmunzelt Rust. In Wohlen war in dieser Beziehung alles im grünen Bereich.

Pionierarbeit in Brugg

Clemens Rust, Cornelias Vater, war schon dabei, als in Brugg vor über 25 Jahren die ersten Behinderten mit Kunststoff-Stock und Plastikball zu spielen begannen. Man gehörte damit zu den Pionieren. Der Schweizer Unihockeyverband wurde 1985 gegründet, also nur zwei Jahre bevor die Brugger sich dem schnellen Spiel verschrieben. Bevor Unihockey gespielt wurde, waren bei Behindertensport Region Brugg lediglich körperlich behinderte Menschen sportlich aktiv. «Erst ab 1987 hatten wir auch geistig Behinderte bei uns im Verein», so Clemens Rust.

Damals kamen Bewohner der Wohngruppen der Stiftung Domino dazu. Wie in der ganzen Schweiz erfreute sich auch bei den Bruggern die Sportart Unihockey stetig steigender Beliebtheit. Mittlerweile habe man sogar eine Alterslimite für neue Spieler setzen müssen, so Rust. «Bei 16 Jahren ist Schluss, jüngere nehmen wir nicht auf.» Grund: Man wurde auch schon von Heilpädagogischen Sonderschulen angefragt, ob Jugendliche mittrainieren dürfen. «Doch irgendwo mussten wir einen Riegel schieben, auch wenn uns das leid tut», so Rust, «wir haben schliesslich kein unendliches Reservoir an Trainern und Sporthallen.

Womit das grundlegende Problem angesprochen wäre. «Wir können einmal pro Woche eine Stunde Unihockey trainieren», sagt Trainerin Cornelia Rust. Mehr gehe nicht, da vor den Unihockeyanern die Turner von Behindertensport Brugg während einer Stunde zwei Hallen zur Verfügung haben. «Aber es passt schon», findet sie sich mit den Begebenheiten ab. Ändern könne man schliesslich eh nichts. Rusts Ziel für die Zukunft: «Ich möchte meinen Teams technisch noch das eine oder andere beibringen.»

Aktuell schwimmen, turnen und spielen beim 1974 gegründeten Verein rund 80 geistig und körperlich behinderte Männer und Frauen. Die Leute kommen aus verschiedenen Orten der Region, wohnen in der Behindertenorganisation Schloss Biberstein, in der Stiftung Domino oder privat. Der Verein Behindertensport Region Brugg ist unter anderem Mitglied des Dachverbands Plusport.

Man schickt nicht nur Teams an Turniere, man ist auch selbst Organisator von Events. Alle zwei Jahre führen die Brugger in der Windischer Chapf-Halle das nationale Unihockeyturnier mit 18 Teams durch. Das nächste Mal im kommenden Frühling. Laut Clemens Rust ist die Durchführung jedoch noch nicht hundertprozentig gesichert. «Wir haben grossen Respekt vor der ganzen Organisation», sagt er. Oder anders ausgedrückt: Es fehlt nicht am Willen, sondern an freiwilligen Helfern.