Serie: Das treibt uns an
«Unser Sport ist eine Lebensschule» – der Volleyballclub Brugg will nach dem 40-Jahr-Jubiläum weiter wachsen

2021 trainieren die Sportlerinnen und Sportler nach eineinhalb Jahren Wettkampfpause erneut für die Meisterschaft. Die Präsidentin, eine Juniorin und zwei Mitglieder, die dem Verein vor mehr als 30 Jahren beitraten, erklären, was den Verein besonders macht und woran es fehlt.

Carla Honold
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Marianne Baumgartner, Alexandra Kaiser (unten von links), Jeanine Pabst und Hanna Weder (oben von links) teilen die Leidenschaft für Volleyball.

Marianne Baumgartner, Alexandra Kaiser (unten von links), Jeanine Pabst und Hanna Weder (oben von links) teilen die Leidenschaft für Volleyball.

Carla Honold

«Man kann in unserem Sport nur als Mannschaft funktionieren», erklärt Präsidentin Jeanine Pabst auf der Tribüne des Sportausbildungszentrums Mülimatt in Brugg. 2008 trat die 35-Jährige in den Verein Volleyballclub (VBC) Brugg ein. Seit zwei Jahren steht Pabst dem Club vor.

Um sie herum sitzen drei weitere passionierte Volleyballspielerinnen, alle im blau-schwarzen Teamtenue. Darauf prangt auch das Logo des Vereins. Neben den Umrissen eines Spielenden sind ein Ball und ein Netz zu sehen. Die Einfachheit der Ausrüstung schätzt Pabst:

«Zum Spielen brauchen wir nur den Ball und das Netz, sonst nichts.»

Solange die Sportlerinnen und Sportler etwa auf dem gleichen Niveau sind, mache es allen Spass. Ein Nicken geht durch die Runde.

Auf dem Feld wird jedem Ball hinterhergerufen

Eine weitere Besonderheit des Sports und vor allem ihres Vereins ist laut Pabst der Umstand, dass die Mannschaften sich selbst anfeuern. Die Passeuse (Zuspielerin) der Mannschaft Damen 2 findet es bemerkenswert, wie sich die Volleyballspielenden selbst motivieren:

«Bis der Ball unsere Hälfte verlässt, rufen wir und unterstützen uns gegenseitig.»

Alexandra Kaiser, die über 30 Jahre im Club spielte, fügt mit einem Lachen hinzu: «Bei uns in der Mannschaft wurde jeweils das ganze Spiel hindurch gerufen und angefeuert.»

Alexandra Kaiser (ganz rechts) spielte meist in der Position des Libero (Defensivspieler).

Alexandra Kaiser (ganz rechts) spielte meist in der Position des Libero (Defensivspieler).

zvg

Die 51-Jährige weiss: «Volleyball ist ein Teamsport.» Jede Leistung erbringe man gemeinsam. «Und wenn es bei einem Teammitglied nicht aufgeht, dann zieht man die Person mit.» Volleyball ist laut Kaiser zudem eine besonders anständige und faire Sportart.

Als Vereinsmitglied verschreibt man sich dem Volleyball

Dieses Jahr trat Kaiser aus dem Verein aus. «Ich war viele Jahre fünf Tage die Woche auf dem Platz», erinnert sie sich. Dem VBC Brugg trat sie 1988 bei. «Im Volleyball verschreibt man sich dem Sport. Ich wollte etwas Neues ausprobieren.» Das bestätigt auch Präsidentin Pabst:

«Wenn man die Meisterschaftsdaten weiss, arrangiert man sich das Leben drumherum.»
Alexandra Kaiser wuchs in Brugg auf und lebt nun in Villigen.

Alexandra Kaiser wuchs in Brugg auf und lebt nun in Villigen.

zvg

In der Saison von Oktober bis März reise die Mannschaft für knapp 20 Matchs im ganzen Kanton umher.

Kaiser war nicht nur als Spielerin auf dem Feld, sondern auch in der Trainerposition. Die Zeit im VBC Brugg möchte sie nicht missen. «Volleyball und der Teamsport im Allgemeinen ist eine Lebensschule.» Ohne Sozialkompetenz funktioniere die Mannschaft nicht. So nähme man die gelernte Fähigkeit auch in den Alltag mit.

Das 40-jährige Bestehen feierten sie zusammen

Auf den Zusammenhalt legt der Verein besonders wert. «Das Zusammensein innerhalb der Mannschaft ist das Spezielle am VBC Brugg», sagt Kaiser stolz. Präsidentin Pabst erklärt: «Wir fördern das Mannschaftsgefühl mit Höcks, der Season-End-Party und dem Trainingsweekend.» So entstehe eine Verbindung zwischen den sechs Teams des Vereins. Auch die 40 Jahre Vereinsbestehen feierten die Clubmitglieder im August im Brugger Pontonierhaus gemeinsam.

Im Training bereiten sich die Mannschaften des VBC Brugg auf die Spiele vor.

Im Training bereiten sich die Mannschaften des VBC Brugg auf die Spiele vor.

zvg

1981 wurde der VBC Brugg von Mitgliedern des Stadtturnvereins Brugg gegründet. Marianne Baumgartner aus Windisch, die wie Kaiser 1988 dem Brugger Volleyballclub beitrat, erinnert sich:

«Den Turnerinnen gefiel das Volleyballspiel so gut, dass sie dem Sport mehr Zeit widmen wollten.»

Im Rahmen der ersten Generalversammlung wurden mit über 55 Mitgliedern 4 Mannschaften ins Leben gerufen.

Die Platzierung steht nicht im Zentrum

Nach der Gründung 1981 gelang der Damenmannschaft 1982 der Aufstieg in die Erstliga.

Nach der Gründung 1981 gelang der Damenmannschaft 1982 der Aufstieg in die Erstliga.

zvg

Heute zählt der VBC Brugg 70 Mitglieder zwischen elf und 50 Jahren in sechs Teams. Neben den reinen Damenmannschaften Juniorinnen 1 und 2 sowie den Damen 1 und 2 stehen in der Mixed Easyleague und der Mixed Plausch-Mannschaft auch Herren auf dem Feld. Das Problem an der Vereinsgrösse ist laut Kaiser, dass man ganz gute Spielerinnen und Spieler ziehen lassen müsse. «Da muss sich der Verein jeweils etwas zurücknehmen», sagt sie.

Doch das scheint nicht zu stören. «Bei uns freut man sich für- und miteinander», meint Pabst. Ähnlich nennt Kaiser nicht nur die einstige Klassierung des Damenteams in der Erstliga. «Der grösste Erfolg ist es für uns, wenn sich auf dem Feld lang anhaltende Freundschaften bilden und die Spielerinnen und Spieler nicht auseinandergerissen werden müssen.»

Der Club ist auf der Suche nach Trainerinnen und Trainern

Alexandra Kaiser, Marianne Baumgartner, Jeanine Pabst und Hanna Weder (von links).

Alexandra Kaiser, Marianne Baumgartner, Jeanine Pabst und Hanna Weder (von links).

Carla Honold

Präsidentin Pabst könnte sich zukünftig ein reines Herrenteam – in der Clubgeschichte habe es mehrere Herrenmannschaften gegeben – gut vorstellen. Pabst prognostiziert weiter: «Die Zukunft des Vereines liegt in der Nachwuchsarbeit und qualifizierten Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.» Die grösste Herausforderung hierbei:

«Dafür haben wir momentan nicht genügend Trainerinnen und Trainer.»

Neue zu finden, sei sehr schwierig. «Die Position erfordert grosses Engagement», weiss Pabst. «Es braucht jemanden, der die Dinge ins Rollen bringt.» Der Jüngste unter den drei Trainerinnen und Trainern des VBC Brugg ist der 15-jährige Jannis Keller. Er leitet die Mixed Easyleague bei der Meisterschaft an.

Die Präsidentin erklärt weiter: «Der Verein würde gerne grösser werden.» In den letzten Jahren sei das durch das Engagement der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder auch geschehen. Das Ziel ist es laut Pabst weiter zu wachsen. «Jedoch fehlt es an der Hallenkapazität.»

Bald starten die Sportlerinnen und Sportler in die Meisterschaft

Hanna Weder ist Studentin.

Hanna Weder ist Studentin.

zvg

An Spielwilligen fehle es dem Club laut Juniorinnentrainerin U17 und Spielerin Hanna Weder hingegen nicht. «Ich werde oft von Eltern angefragt, ob wir eine Mannschaft für Jungen haben», so die 18-Jährige. Sie trainiert die Juniorinnen zwischen 11 und 16 Jahren. «Auch viele jüngere Kinder würden gerne bei uns Volleyball spielen», weiss die Mönthalerin. Weder spielt im älteren Juniorinnenteam U23 in der Mitte und hilft bei den Damen aus.

Zudem ist sie Teil des Aargauer Projekts «1418coach», welches den Trainermangel der Vereine mindern soll. Im Rahmen der Kurse werden 14- bis 18-Jährige zu Hilfsleiterinnen und Hilfsleitern ausgebildet. Die Präsidentin des VBC Brugg erklärt: «Das Ziel ist es, die Teilnehmenden langsam an die Trainertätigkeit heranzuführen.» Bis 2023 ist das Pilotprojekt des Kantons Aargau vorläufig bewilligt.

Jetzt steht erst einmal ein erfolgreicher Saisonstart auf dem Plan. «Nach eineinhalb Jahren ohne Meisterschaftsspiele freuen sich alle umso mehr», weiss Pabst. Den ersten Match bestreitet die Mannschaft Damen 2 am 18. Oktober zu Hause in der Turnhalle Langmatt. Die Präsidentin ist stolz, dass alle Mannschaften auch nach der langen Pause zur diesjährigen Meisterschaft antreten.

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