Birr/Lupfig
Schnell soll es gehen mit dem neuen Werkhof von Birr und Lupfig

Die Gemeinden Birr und Lupfig stellen gemeinsam die Weichen für die Bereiche Forst, Bauamt, Entsorgung und Wasser.

Michael Hunziker
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Erstellt werden soll das neue Gebäude auf dem Areal (Bildmitte) im Gewerbegebiet Bachtele.

Erstellt werden soll das neue Gebäude auf dem Areal (Bildmitte) im Gewerbegebiet Bachtele.

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Ein wegweisender Entscheid steht an in Birr und Lupfig: Die beiden Gemeinden möchten ein «Kompetenzzentrum Werkhof Eigenamt» realisieren.

Von einem wichtigen Zeichen für die Zukunft und für die regionale Zusammenarbeit sprechen die Verantwortlichen. Oder wie es Richard Plüss, Gemeindeammann in Lupfig, formuliert: «Die Zeit ist reif, den Blick nach vorne zu richten.» Es gelte, für die nächste Generation einen modernen Betrieb auf die Beine zu stellen, der alle aktuellen Bestimmungen erfülle. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Werkhof für die Bereiche Forst, Bauamt, Entsorgung und Wasser.

An einer Informationsveranstaltung ist am Mittwochabend detailliert eingegangen worden auf das ambitionierte Vorhaben: die Ausgangslage und die Ziele, das Terminprogramm und die Organisation, die Kosten sowie die Auswirkungen.

Schätzungsweise um die 50 Interessierte folgten der Einladung in den «Ochsen» in Lupfig. Während rund anderthalb Stunden Red und Antwort standen neben Richard Plüss auch René Grütter, Gemeinderat in Birr sowie Heinz Rohr, Gemeinderat in Lupfig.

Die Gebäude sind veraltet

Der heutige Forstwerkhof sowie die beiden Gemeindebauämter von Birr und Lupfig sind in die Jahre gekommen. Die Gebäude sind veraltet, die Anforderungen an eine zweckmässige Infrastruktur könnten in keiner Art und Weise mehr erfüllt werden, stellte Plüss fest. Mit der Suche nach einem Standort für einen neuen Forstwerkhof wurde die Idee eines gemeinsamen Werkhofs immer konkreter.

Ziel sei es, eine kostenbewusste Infrastruktur zu erstellen, zeitgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen, Synergien – beispielsweise beim Personal oder bei der Anschaffung von Maschinen und Material – zu nutzen und die Region Eigenamt zu stärken, führten die Referenten aus. Als idealer Standort biete sich das Areal an im Gewerbegebiet Bachtele. Das Gelände sei gut erschlossen, zentral gelegen an der Grenze zwischen den beiden Gemeinden und befinde sich schon im Eigentum der Ortsbürgergemeinde Lupfig. Mit der vorhandenen Fläche seien überdies die Möglichkeiten vorhanden für spätere Erweiterungen.

Das Raumprogramm sieht neben Werkstätten auch Fahrzeughallen, Büroräumlichkeiten, Garderoben, Lagerräume sowie einen Entsorgungshof vor. Das Gebäude soll kostenbewusst und ökologisch erstellt und betrieben werden, über eine Holzschnitzelheizung sowie eine Solaranlage verfügen. Anders ausgedrückt: Geplant ist ein zeitgemässer Zweckbau, der im Baurecht erstellt wird. Festgelegt werden soll ein Baurechtszins von 1 Prozent, ein Landpreis von 600 Franken pro Quadratmeter sowie eine Dauer von 100 Jahren.

Die Kosten werden aufgeteilt

Ausgegangen wird von 4100 Quadratmetern Gebäudeflächen, 4100 Quadratmetern versiegelten Umgebungsflächen sowie 1200 Quadratmetern Grünflächen. Die Baukosten sollen die Grenze von 6,8 Mio. Franken nicht übersteigen.

Vorgesehen ist für den künftigen Betrieb eine eigenständige Rechtsform mit eigener Rechnungsführung: ein Gemeindeverband oder eine selbstständige Anstalt. Für die Suche nach der geeigneten Rechtsform sowie für das Bauprojekt und das Gesamtverfahren beigezogen wurden als externe Berater die Firmen BDO AG sowie die Butscher Projektsteuerung. Die Bedürfnisse wurden erfasst, ein Raumprogramm und eine Machbarkeitsstudie erstellt.

Für die Planungs- und Bauphase wurde ein Gemeindevertrag mit Kostenteiler und Projektorganisation erarbeitet. Die Projektierungskosten von 570 000 Franken sollen aufgeteilt werden je zu einem Drittel auf die Einwohnergemeinden Birr und Lupfig sowie zu je einem Sechstel auf die Ortsbürgergemeinden Birr und Lupfig.

Terminplan ist sportlich

Das Terminprogramm ist laut den Verantwortlichen «sportlich, aber machbar». Im Juni entscheiden die Gemeindeversammlungen über den Projektierungskredit, den Gemeindevertrag sowie den Baurechtsvertrag. Geben die Stimmberechtigten grünes Licht, stehen an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im März des nächsten Jahres der Baukredit sowie die Gründung der Rechtsform zur Diskussion. Im Sommer 2018 könnte der Baubeginn erfolgen, im Sommer 2019 die Einweihung und die Betriebsaufnahme.

In der angeregten Diskussion wurden auch kritische Fragen gestellt zu den Kosten sowie zum Standort, zur Erschliessung über die Wydenstrasse oder zur – voraussichtlich – fehlenden Unterkellerung des Gebäudes. Zwei Landwirte äusserten sich wenig begeistert darüber, dass rund 90 Aren ebenes Land überbaut werden sollen.

Gemeindeammann Richard Plüss zeigte sich indes überzeugt, eine gute Idee präsentieren zu können. Als Vorteile nannte er die Aufteilung der Investitionskosten oder die Optimierung von Betriebskosten und Arbeitsabläufen. Es könnten mehr Eigenleistungen erbracht, Aufträge akquiriert werden. Plüss hob hervor, dass die bestehende Situation den Betrieben nicht mehr gerecht werde und seit vielen Jahren nichts passiert sei. «Wir sind angehalten, etwas zu unternehmen.» Es bestehe nun die einmalige Chance, die Parteien für ein gemeinsames Projekt zusammenzubringen.

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