Brugg
Sanierung der Neumarkt-Passage: Die alten Veloständer kommen weg

Zum Einsatz kommt in der Neumarkt-Passage künftig ein bewährtes und akzeptiertes Veloparkiersystem

Michael Hunziker
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Während der Sanierungsphase können in der Neumarkt-Passage keine Zweiräder abgestellt werden.

Während der Sanierungsphase können in der Neumarkt-Passage keine Zweiräder abgestellt werden.

Michael Hunziker

Kein Durchkommen gibts ab nächster Woche für die Fussgänger und Radfahrer: Die Neumarkt-Passage neben der Migros ist gesperrt, die Veloabstellplätze werden – temporär – aufgehoben.

Der Grund: Bis Mitte September nimmt die Eigentümergemeinschaft Neumarkt eine Sanierung des Bodens und der Abdichtungen vor, damit kein Wasser mehr in die Räumlichkeiten im Untergeschoss – unter anderem befindet sich dort die Denner-Filiale – tropfen kann. Im Zuge dieser Tätigkeiten ersetzt die Stadt Brugg die bestehende Veloparkierung.

Denn immer wieder wird an den heutigen Anlagen Kritik laut: Das Angebot im Zentrum genüge nicht und sei veraltet. Die Stadt packt die Gelegenheit und bringt die Infrastruktur auf den neusten Stand. «Den Bereich beim Neumarkt haben wir seit einiger Zeit im Auge», sagt Stefan Zinniker, Bereichsleiter Tiefbau bei der Abteilung Planung und Bau in Brugg. «Jetzt können die Arbeiten koordiniert angegangen werden.»

Einfach, sicher und stabil

Die alten Veloständer werden entfernt und entsorgt und durch das Veloparkiersystem Virola ersetzt. Dieses kommt heute bereits an der Bahnhofstrasse bei der Apotheke Kuhn zum Einsatz. Durch die beweglichen Bügel können die Fahrräder einfach, sicher und stabil abgestellt werden, sagt Zinniker. «Dieses System hat sich bewährt, ist akzeptiert und günstig.» Ausgewählt wurde es seinerzeit am grossen Velo-Anlass im Mai 2011. Damals wurden zusammen mit Fachleuten des Vereins Pro Velo und der IG Verkehrssicherheit die Schwachstellen auf den Radrouten aufgezeigt und es konnten verschiedene Parkiersysteme getestet werden. Virola ging in vielen Rückmeldungen als Sieger hervor.

Am Erscheinungsbild der Neumarkt-Passage wird sich, fährt Zinniker fort, nicht viel ändern. Die Markierungen werden aufgefrischt, das Geländer optimiert, die Fluchtwege beim Migros-Laden bleiben gewährleistet. Auch in Zukunft wird es separate Wege für Fussgänger und Velofahrer geben. Erhalten bleibt die Erhöhung in der Mitte. Auch wenn dieser Absatz als störend empfunden werden kann: Statische Gründe sowie hohe Kosten sprechen laut Zinniker dagegen, das Niveau des Bodens anzugleichen.

Auf der ganzen Länge werden – wie heute – wieder knapp 300 Veloabstellplätze zur Verfügung stehen. Gerechnet wird für das System Virola mit Kosten von 45 000 Franken. Dieser Betrag ist im Budget 2016 der Stadt eingestellt.

Ersatzstandorte für Zweiräder

Während der Sanierungsphase stehen für die Velos Ersatzstandorte zur Verfügung: beim Brunnen auf dem Neumarktplatz, an der Bahnhofstrasse sowie bei der Passerelle hinter der Migros. Dort werden auch diejenigen Fahrräder deponiert, die im gesperrten Bereich falsch abgestellt werden. In den ersten Tagen – bis sich der Betrieb eingependelt hat – wird übrigens in den Morgenstunden eine Ansprechperson im Bereich Neumarkt-Brunnen für Fragen und Auskünfte anwesend sein.

Pro Velo wäre Lösung mit Mischverkehrsstreifen lieber gewesen

Die Pläne des Stadtrats könne er aus Kostengründen nachvollziehen, sagt Hörby Künzi, Präsident des Vereins Pro Velo Brugg-Windisch. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass Pro Velo eine Lösung mit einem 2,5 Meter breiten Mischverkehrsstreifen entlang der Brüstung lieber gewesen wäre.

Der Knackpunkt sei, dass der rege benutzte und heute bloss 2 Meter breite Veloweg zwischen den beiden Abstellplatz-Reihen auch zum Ein- und Ausparkieren der Fahrräder benötigt werde. «Dies führt natürlich regelmässig zu Konflikten mit dem fahrenden Veloverkehr.» Bei einem Mischverkehrsstreifen dagegen wären die Abstellplätze zwischen dem Gebäude und einem gemeinsam genutzten Fuss- und Radweg zu liegen gekommen – mit eigenen Gassen für das Rangieren der Velos.

Die acht Säulen und ein Notausgang hätten jedoch, räumt Künzi ein, teilweise doppelstöckige Abstellplätze erfordert, um möglichst wenig des bestehenden Raums zu verlieren. Doppelstöckige Systeme, weiss er, werden bei den Velofahrer allerdings schlecht akzeptiert. Gar nicht glücklich ist der Präsident mit dem Entscheid, auf den Niveau-Ausgleich des Bodens zu verzichten. Wenn die Benutzer und Benutzerinnen zum Ein- und Ausparkieren den 20 bis 30 Zentimeter hohen Absatz überwinden müssen, so ist dies laut Künzi nicht bloss ein kleines Komfortproblem: «Am hohen Absatz bleiben die Pedale regelmässig hängen und die Fahrspur wird unnötig lange blockiert.» (mhu)

Zinniker ist überzeugt, dass eine saubere, zweckmässige Anlage realisiert werden kann, die gut genutzt wird. Die Problematik vor der Migros, wo heute Zweiräder in den Eingangsbereichen oft kreuz und quer parkiert werden, bleibe allerdings bestehen, räumt er ein. «Diese Situation werden die Geschäftstreibenden und die Stadt weiterhin gut beobachten müssen.» Er appelliert an die Velofahrer, einmal ein paar Meter weiter zu fahren und ihr Gefährt nur an den tatsächlich vorgesehenen Plätzen abzustellen, damit die Ordnung gewährleistet werden kann.

Zinniker weist ebenfalls auf die laufenden Tätigkeiten beim Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) hin. In diesem sind – unter anderem – Massnahmen für den Langsamverkehr vorgesehen, so auch zur Veloparkierung in der Stadt Brugg und in der Gemeinde Windisch. Es ist geplant, dass die Exekutiven beider Gemeinden den KGV diesen Herbst für die öffentliche Mitwirkung freigeben. Damit erhält die breite Bevölkerung von Brugg und Windisch die Gelegenheit, Beiträge zu diesem Planungsinstrument einzureichen. Im Frühling 2017 schliesslich sollen der behördenverbindliche KGV durch den Stadtrat Brugg und den Gemeinderat Windisch beschlossen werden.