Brugg
Philipp Fankhauser bot unverfälschten und hochkarätigen Blues-Genuss

Der Bluesmusiker und seine Band begeisterten mit seinem «Unplugged»-Programm das Publikum im Salzhaus – kaum verstärkt, dafür umso mitreissender. Zwischen gefühlvollen Balladen und rotzigeren Up-Tempo-Nummern ziehen die Musiker alle Register.

Lukas Scherrer
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Die Ohrenstöpsel blieben im Sack: Philipp Fankhauser und Band boten unverfälschten Hörgenuss.

Die Ohrenstöpsel blieben im Sack: Philipp Fankhauser und Band boten unverfälschten Hörgenuss.

Lukas Scherrer

Es stürmt über den Altdachstädtern an diesem Samstagabend. Regen prasselt auf den Asphalt und der Wind rüttelt lautstark an den Fensterläden. Ganz anders im Brugger Salzhaus, wo für einmal der Pegel reduziert wird und pure, authentische Musik im Mittelpunkt steht: der unverkennbare Blues von Philipp Fankhauser – und das «unplugged» in intimer und entspannter Atmosphäre. Mit dabei im Gepäck: sein aktuelles Album «Home» und eine hochkarätige Live-Band.

Wenigstens kein Ohrenschaden

Das denkmalgeschützte Konzerthaus ist bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauft, als der Vollblutmusiker und seine vier Mitstreiter die Bühne betreten und ohne grosse Worte loslegen. Geradezu magisch erfüllen die Gitarrenklänge von Marco Jencarelli den Raum, begleitet von Hendrix Ackles warmem Piano-Sound, dem reduzierten Schlagzeugspiel von Richard Spooner und Angus Thomas’ wummerndem Bass – das perfekte Grundgerüst für Fankhausers kratzbürstiges, flehendes und unverwechselbar imposantes Stimmorgan.

«Dieses ‹Unplugged›-Format», scherzt er mit dem Publikum, «ist eigentlich eine Mogelpackung – eine Umschreibung für ‹wenigstens krieg ich heute keinen Ohrenschaden›. In der Tat können die Ohrstöpsel getrost in der Hosentasche bleiben – dieser Abend steht im Zeichen des unverfälschten Hörgenuss.

Zwischen gefühlvollen Balladen und rotzigeren Up-Tempo-Nummern ziehen die Musiker alle Register und auch Fankhauser, der zu Beginn der Show noch zurückhaltend wirkt, taut mit jedem Song mehr auf. «Sing it like you mean it», heizt er die Zuhörer an und spöttelt auf sympathische Art gegen die männlichen Mitsinger: «Mier gäbes uuf. D’Giele sii motorisch gstört.»

Ausklang mit Heldenverehrung

Auch die Band läuft zunehmend zur Höchstform auf. Allen voran Hendrix Ackle, der bei Songs wie «Going to Dallas» wie ein Berserker in die Tasten haut oder Marco Jencarelli, der sich an der Gitarre als wahrer Virtuose entpuppt.

Mit den letzten Stücken würdigt Fankhauser einen seiner Mentoren: die Blueslegende Johnny Copeland. Die Band gibt noch einmal alles, spielt sich in einen wahren Rausch und das Publikum kann sich nicht mehr auf den Plätzen halten. Ein letztes Mal tritt Fankhauser auf die Bühne und performt alleine «Daily Bread», eine weiteren, ruhigen Copeland-Klassiker, verabschiedet sich unter tosendem Applaus und lässt die Musikfans – um ein intensives Konzerterlebnis reicher – zufrieden zurück.

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