Mülligen
«Das ist ein unhaltbarer Zustand», sagt Ammann Ueli Graf über den Gemeinderat

Unterbesetzung ist in der Exekutive im Walddorf an der Reuss fast zu einem Dauerthema geworden. Noch bis Ende Jahr wird die Behörde zu dritt statt zu fünft in laut Gemeindegesetz «unordnungsgemässem» Zustand amten müssen. Fragen stellen sich auch bei der Feuerwehr.

Claudia Meier
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Ueli Graf ist ehemaliger Direktor vom Gefängnis Pöschwies in Regensdorf und Gemeindeammann von Mülligen.

Ueli Graf ist ehemaliger Direktor vom Gefängnis Pöschwies in Regensdorf und Gemeindeammann von Mülligen.

Bild: Britta Gut
(27. Januar 2021)

Unterschiedlicher könnten die beiden Nachbargemeinden im Bezirk Brugg für den Wahlsonntag am 13. Juni nicht aufgestellt sein: Während in Hausen im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen neun offizielle Kandidierende um die fünf Gemeinderatssitze buhlen, findet in Mülligen der zweite Wahlgang für zwei Ersatzwahlen mangels Kandidierenden gar nicht erst statt.

Mit anderen Worten: Der Gemeinderat Mülligen muss das ganze Spektrum an lokalen und regionalen Aufgaben auf drei Personen verteilen, wobei derzeit besonders viele bei Gemeindeammann Ueli Graf angesiedelt sind. Der ehemalige Direktor der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ist 72 Jahre alt und steht der 1000-Seelen-Gemeinde seit dem 1. Juli 2015 als Ammann vor. Auch Vizeammann Stefan Hänni kann sich nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Und Gemeinderätin Franziska Näf ist erst seit einigen Wochen im Amt.

Dank Aufhebung der Schulpflege ein neues Mitglied gefunden

Die Gemeinde Mülligen hat schon vor ein paar Tagen mitgeteilt, dass der zweite Wahlgang vom 13. Juni mangels Gemeinderatskandidierenden nicht stattfinden wird. Im März 2021 stellte sich Schulpflegepräsidentin Franziska Näf im ersten Wahlgang für den Gemeinderat zur Verfügung und wurde auch sehr gut gewählt. Sie hat das Ressort Bildung und Soziales übernommen. Ueli Graf sagt:

«Ohne die Aufhebung der Schulpflege hätte auch diese Kandidatur nicht stattgefunden.»

Bis Ende der Amtsperiode 2018‒21 werde der Gemeinderat zu dritt in gemäss Gemeindegesetz «unordnungsgemässem» Zustand amten müssen. Nichts deute darauf hin, dass sich für die Gesamterneuerungswahlen im September 2021 neue Kandidatinnen oder Kandidaten melden würden. Der Gemeindeammann hält fest: «Meiner Meinung nach ist das ein unhaltbarer Zustand.» Nächste Woche werde der Gemeinderat das Resultat der Umfrage unter den aktuellen Behördenmitgliedern bekanntgeben, wer für die nächste Amtsperiode kandidieren wird.

Muss sich die Feuerwehr eine neue Partnerin suchen?

Vor wenigen Tagen wurde publik, dass im Rahmen der geplanten Gemeindefusion Baden‒Turgi auch ein Zusammenschluss der Badener Stützpunktfeuerwehr mit der Feuerwehr Gebenstorf‒Turgi auf dem Prüfstand steht. Nun macht auch Birmenstorf bei der Prüfung der Feuerwehrfusion mit. Was diese Abklärungen, die auf Initiative der Gemeinde Birmenstorf entstand, für die Gemeinde Mülligen bedeuten wird, weiss der Gemeindeammann noch nicht. Das Walddorf an der Reuss ist Teil der Feuerwehr Birmenstorf-Mülligen.

Vor drei Jahren hatte der Gemeinderat dem Mülliger Stimmvolk einen Wechsel zur Feuerwehr Eigenamt vorgeschlagen. Ueli Graf kann sich noch gut erinnern und sagt: «Die Gemeindeversammlung versenkte diesen Antrag nahezu einstimmig.»

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