Brugg
Kulturkommission bei Stadtrat chancenlos

Die Stadt hält am Status quo fest und lehnt die Einsetzung eines für die Belange der Kultur zuständigen Gremiums ab. SP-Einwohnerrat Pascal Ammann ist darüber nicht glücklich

Claudia Meier
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Für grosse Veranstaltungen spannen die vier Brugger Kulturhäuser unter dem Label kult4 zusammen.

Für grosse Veranstaltungen spannen die vier Brugger Kulturhäuser unter dem Label kult4 zusammen.

Tabea Baumgartner / Archiv az

Kulturkommissionen gibt es sowohl in Städten wie Baden und Lenzburg wie auch in Dörfern wie Effingen und Schinznach-Bad. Ausserdem verfügt Wettingen seit dem Jahr 2004 über eine Kulturkommission. Doch in der Stadt Brugg fehlt ein entsprechendes Gremium. Das hat SP-Einwohnerrat Pascal Ammann dazu bewogen, beim Stadtrat eine kleine Anfrage betreffend kulturellem Leben und Schaffen in Brugg einzureichen (die AZ berichtete). Er hat zudem gefragt, ob der Stadtrat vor hat, eine Kulturkommission einzusetzen. Jetzt liegt die Antwort des Stadtrats vor.

Darin heisst es, dass der Stadtrat das breite und vielfältige kulturelle Angebot in Brugg schätzt und anerkennt, «das durch ein unschätzbar grosses Engagement und durch eine vorwiegend ehrenamtliche Tätigkeit von verschiedenen Organisationen geprägt und getragen wird». Die Stadt unterstütze und fördere das kulturelle Schaffen von lokalen, ortsansässigen Organisationen, Vereinen und Gruppen bei ihren Angeboten in Brugg. «Jedes Jahr werden zwischen 420 000 bis 450 000 Franken für die direkte Kulturförderung aufgewendet», schreibt die Exekutive. Das sei ein gut dotiertes «Kulturprozent» aus dem jährlichen Steuerertrag.

Zusätzlich würden kulturelle Anlässe unterstützt, indem Dienstleistungen der Stadt im Umfang von jeweils über 50 000 Franken nicht in Rechnung gestellt werden. Darin nicht eingerechnet sei die kostenfreie Miete von städtischen Räumen.

Begeisterung ohne externe Lenkung

Zur Frage nach einer Kulturkommission sagt der Stadtrat: «Die Einsetzung eines für die Belange der Kultur zuständigen Gremiums ist aktuell nicht geplant. Grundsätzlich sollen die vorhandenen Mittel das Kulturschaffen unterstützen und nicht für administrative Leistungen eingesetzt werden.»

Die Erfahrung zeige, dass insbesondere die Kulturhäuser in Brugg auch ohne externe Lenkung die jeweiligen Stärken der anderen Häuser im Fokus haben und «sich auch immer wieder für gemeinsame Projekte begeistern können». Der Austausch mit den einzelnen Organisationen erfolgt laut dem Stadtrat bei persönlichen Gesprächen mit dem Ressortleiter Kultur. Das ist Vizeammann Leo Geissmann.

Rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellen

Für kurzfristige Kulturförderung neben den gesprochenen Jahresbeiträgen, die den Organisationen Planungssicherheit geben, gibt es laut dem Stadtrat folgende Möglichkeit: «Im Budget ist auch ein kleiner Restbetrag eingestellt, mit dem begründete kurzfristige Anliegen unterstützt werden können.» Für Gesuche um eine regelmässige Unterstützung verweist die Stadtregierung «konsequenterweise» auf den Budgetprozess. Das Budget wird dem Einwohnerrat demnächst vorgelegt.

SP-Politiker Pascal Ammann ist mit den Antworten des Stadtrats auf seine kleine Anfrage nicht zufrieden. Im ersten Teil betone der Stadtrat zwar, wie wichtig das kulturelle Schaffen für die Ausstrahlung der Stadt sei, aber bei den Finanzen werde es schwierig.

Ammann erachtet es als wichtig, dass es in Brugg ein Gefäss gibt, wo die Kulturschaffenden miteinander diskutieren und sich besser vernetzen können. Denn die Kulturhäuser hätten eine jahrzehntealte Geschichte und es sei überhaupt nicht klar, wie es mit diesen weiter gehe. Hier ist es laut Ammann zentral, rechtzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen.

In Baden etwa behandelt die Kulturkommission die Gesuche der Kulturprojekte mit Anträgen ab 5000 Franken und entscheidet abschliessend über die Höhe des Unterstützungsbeitrags aus dem Freikonto.

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