Brugg
Gut für ältere Arbeitnehmer: Angebot «50plus» wird auf Beine gestellt

Tino Senoner, CEO der Firma MC-T AG, bedauert, dass die Stiftung Speranza des verstorbenen Unternehmers Otto Ineichen 2015 aufgelöst wird. Der an seine Firma übertragene Bereich «50plus» bleibt aber bestehen.

Elisabeth Feller
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«Finde ich wieder eine Stelle?» Der heutige, globalisierte Arbeitsmarkt ist mittlerweile schon für die Generation 45plus immer härter.

«Finde ich wieder eine Stelle?» Der heutige, globalisierte Arbeitsmarkt ist mittlerweile schon für die Generation 45plus immer härter.

Keystone

«Otto Ineichens Stiftung Speranza wird 2015 aufgelöst.» Diese Nachricht veranlasste Tino Senoner, CEO der Brugger Firma MC-T (Master Chain Technologies) AG, zu einem spontanen Hilferuf an die Öffentlichkeit: «Die Schweiz braucht dringend einen Nachfolger für Otto Ineichen.»

Weshalb? «Weil es einen Menschen braucht, der sowohl die speziellen Herausforderungen der Unternehmer wie auch jene der Mitarbeitenden versteht. Wir brauchen ein Zugpferd; einen wie Otto Ineichen, der sich dafür eingesetzt hat, dass schwierige Themen frühzeitig angegangen werden und nicht auf die lange Bank geschoben werden.»

Tino Senoner spielt damit auf das starke Engagement des vor zwei Jahren verstorbenen Unternehmers und FDP-Politikers Otto Ineichen für die Generation 50plus an, die es im Arbeitsmarkt immer schwerer hat.

Mehr Berufserfahrung, aber ...

Der CEO weiss, wovon er spricht. Die Firma MC-T AG hat 2013 den Bereich «50plus» der Stiftung Speranza übernommen. Mit der neuen Trägerschaft wurde das Angebot zur Wiederintegration von Stellensuchenden über 50 erweitert. Konkret: Die von MC-T entwickelte Software vergleicht Kompetenzen von Bewerbern mit jenen Profilen, die Firmen suchen.

Weshalb ist es für Stellensuchende über 50 heute derart schwierig geworden, sich im Arbeitsmarkt zu behaupten? Tino Senoner führt unter anderem folgenden Grund an: «Arbeitnehmer über 50 haben zwar viel mehr Berufserfahrung als jüngere Mitarbeiter. Leider verwässert diese Altersgruppe jedoch oft aktiv gesuchte Kompetenzen mit veralteten Fähigkeiten oder sie hat langjährige Erfahrungen, die aber nicht mehr gesucht werden.»

Wer wieder Fuss fassen will in einem stetig rasanteren und globalisierteren Arbeitsmarkt, muss dafür laut Senoner «fit sein. Er muss die gesuchten Kompetenzen mitbringen und er muss sich gut verkaufen.»

Das Angebot «50plus» bereitet ältere Arbeitnehmer darauf vor, was der CEO so auf den Punkt bringt: «Die Menschen müssen für diese Aufgabe trainiert sein. Man stellt auch nicht einen Menschen in einen harten Eishockey-Match – ohne Training und ohne Helm.»

«Die Situation hat sich in den letzten Jahren verschärft»: Tino Senoner CEO der Brugger Firma MC-T AG.

«Die Situation hat sich in den letzten Jahren verschärft»: Tino Senoner CEO der Brugger Firma MC-T AG.

zvg

Laut Schätzungen könnten 20 000 bis 30 000 Personen über 50 eine Stelle haben, würden sie die richtige Qualifikation mitbringen. Der CEO bekennt, dass er sich – nach Bekanntgabe der kommenden Auflösung der Stiftung Speranza – spontan überlegt habe, diese zu übernehmen, jedoch: «Ich bin kein Otto Ineichen.»

Alle Parteien ins Boot holen

Der 2013 von Speranza abgekoppelte und an die Firma MC-T übertragene Bereich «50plus» bleibt aber bestehen. Nicht nur das, er wird laut Senoner sogar «auf neue Beine gestellt». Was das konkret bedeutet, wird Mitte Dezember bekannt. Für den Moment verrät der Brugger CEO lediglich dies: Er ist seit Monaten in intensivem Kontakt mit Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerverbänden, was vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) aufmerksam beobachtet wird.

«Wir sind am Erarbeiten neuer Programme. Nur wenn Firmen ihre Mitarbeitenden verstehen und die Mitarbeitenden ihre Firmen, können wir einem Problem begegnen, das immer grösser wird – die Wiedereingliederung arbeitsloser Menschen über 50. Wir müssen alle Parteien ins Boot holen, wollen wir zu Lösungen kommen.» Tino Senoner spricht mittlerweile sogar von der Generation 45plus, die den zunehmend raueren Wind des heutigen Arbeitsmarktes je länger je mehr zu spüren bekommt. «Die Situation hat sich in den letzten Jahren verschärft», betont der CEO.

Vorerst wird das Angebot «50plus» auf neue Beine gestellt. Gibt es diesbezüglich noch einen Wunsch? «Ja», sagt Tino Senoner: «Ich fände es schön, wenn künftig eine Stiftung federführend wäre.»

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