Tarek (Name geändert) hat reiche Beute gemacht. Dass er in drei Verkaufsläden eingebrochen sei, gab er mit Kopfnicken und einem «Si» unumwunden zu vor dem Bezirksgericht Brugg. Das sei korrekt. Was er genau gestohlen hat, konnte er aber nicht sagen. Auch nicht, was er mit dem Diebesgut von annähernd 30 000 Franken anstellte. Er habe unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden, sagte der gebürtige Algerier ohne festen Wohnsitz.

Zur Last gelegt wurden ihm gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfacher Hausfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie rechtswidriger Aufenthalt. Der drahtige 40-Jährige wurde von zwei Polizisten in den Gerichtssaal begleitet. Die Handschellen wurden ihm abgenommen für die Verhandlung, nicht aber die Fussfesseln. Seine dunkle Jacke zog er erst bei der Urteilseröffnung aus, die Brille legte er vor sich auf den Tisch.

In Aussagen blieb er vage

Verantworten musste er sich für die Taten, die er zwischen Ende Juli und August 2016 innerhalb einer Woche begangen hatte. Tarek schlug die Scheiben ein beim Bernina Nähcenter Obrist in Brugg, bei der Boutique Boomerang in Frauenfeld sowie beim Denner-Satellit im bernischen Schwarzenburg. Er stahl – unter anderem – Kleidung, Elektrogeräte, Bargeld, Zigaretten und Alkohol. Er habe das Deliktgut veräussern wollen, um sich Essen kaufen zu können.

Schon früher wurde er verschiedentlich verurteilt. Er sei, liess Tarek dem Gesamtgericht durch die Dolmetscherin ausrichten, in Algerien geboren worden und in Spanien zusammen mit 13 Geschwistern aufgewachsen. Er habe als Automechaniker gearbeitet in einer Garage in Valencia. Bereits 2003 weilte er in die Schweiz. Warum, wollte er nicht sagen. «Private Gründe.» Sein Asylgesuch sei abgelehnt worden, sie hätten ihn zurückgeschickt.

Immer wieder wich Tarek aus auf die Fragen von Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven – auch auf diejenige nach seinen Zukunftsplänen. Er wolle seinen Vater sehen, der sehr krank sei und im Spital im Koma liege. Ebenfalls habe er vor, seine Mutter und zwei Schwestern zu besuchen in Toulouse.

Weniger vage waren seine Ausführungen, als er auf die Bedingungen zu sprechen kam im Gefängnis, in dem er seit rund zwei Jahren sitzt. Mehrmals beklagte er sich: Pro Tag müsse er auskommen mit nur zwei Sandwiches und zwei Glas Wasser, erhalte keine Zigaretten, schlafe ohne Matratze auf dem Betonboden, werde ohne Grund in Isolationshaft gesteckt, dürfe nur dreimal pro Woche duschen.

Er wollte provozieren

An einem Abend Anfang August 2016 wurde Tarek in einer Unterführung am Bahnhof Bern von der Polizei aufgegriffen, auf den Posten gebracht und einer Kontrolle unterzogen. Der beteiligte Kantonspolizist, der als Auskunftsperson aussagte vor dem Bezirksgericht Brugg, konnte sich lebhaft erinnern an die Begegnung. Dieser Fall, Tareks renitentes Verhalten, sei ihm noch bestens präsent, schilderte er in ruhigen, überlegten Worten. Er sprach von einer filmreifen Szene.

Denn gegen die Personenkontrolle habe sich der Beschuldigte gesträubt, sei aufmüpfig geworden, habe die Fäuste geballt, ihn beschimpft und sei sehr nahe an sein Gesicht gekommen, führte der Polizist aus. Ebenfalls habe Tarek behauptet, die Polizei habe ihn verletzt. Kurz: Der Beschuldigte habe versucht, zu provozieren. Die Polizei aber habe die Lage im Griff gehabt, habe keine Gewalt angewendet und nichts falsch gemacht.

Die Version des Beschuldigten klang anders. Die Polizei habe ihn nicht in Ruhe lassen wollen, habe ihn geschlagen und getreten, ihn geschubst und angegriffen in der Zelle. Dass er einen Sitzwürfel beschädigt habe im Warteraum der Polizeiwache, bestritt Tarek. Er habe den Plastikbezug entfernt, um sich zum Schlafen darauf zu legen.

Gericht glaubt dem Polizisten

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Der Beschuldigte stelle sich als Opfer, die Behörden als Täter dar, sagte der Staatsanwalt. Er sei unbestritten, dass der Beschuldigte seinen Lebensunterhalt mit Delinquieren bestreite.

Den Tatbestand des gewerbsmässigen Diebstahls stellte auch der Verteidiger nicht infrage, denjenigen der Gewalt und Drohung gegen Beamte sah er aber nicht erfüllt. Der Bericht der Polizei scheine ihm einseitig. Dass sich Tarek bei seiner Verhaftung nicht kooperativ verhalten habe, sei nachvollziehbar, aber kein Delikt, so der Verteidiger. Er plädierte für eine Reduktion des Strafmasses auf 24 Monate.

Das Gesamtgericht verurteilte den Beschuldigten schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten. Die Einbrüche seien unbestritten, beim Tatbestand Gewalt und Drohung gegen Beamte stellte das Gericht auf die Aussagen des Polizisten ab. Dieser sei glaubwürdig aufgetreten, stellte Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven fest.

Strafmindernd wirke sich die Deliktsumme aus, die nicht ganz so hoch war, wie ursprünglich angenommen. Gleiches gelte für die Zahl der Vorstrafen. Die bisher bereits abgesessenen über 700 Tage – Untersuchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug – werden angerechnet.