Brugg
1000 Tonnen Bauwerk sind platziert: Die neue Wildtierunterführung bietet auch genug Platz für kapitale Rothirsche

Am Wochenende ist die Wildtierunterführung ins SBB-Trassee zwischen Brugg und Schinznach-Bad eingeschoben worden. Sie ist ein wichtiges Element zur Vernetzung der Wildtierwege zwischen Jura, Chestenberg und Reusstal.

Louis Probst
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So sah es während des Einschubs der Wildtierunterführung auf der Baustelle aus.

Louis Probst

Noch klafft am Samstagnachmittag im SBB-Trassee zwischen Brugg und Schinznach-Bad eine gewaltige Lücke. Am frühen Morgen ist der Bahnverkehr eingestellt worden. Im Bereich der Wildtierunterführung – etwas östlich des Autobahnviaduktes – sind die Bahngeleise ausgebaut und ist im Bahndamm Platz für die künftige Wildtierunterführung geschaffen worden.

Dabei mussten rund 2500 Kubikmeter Erdreich ausgebaut und abtransportiert werden. «Das ist eine Riesenleistung der Mitarbeiter der Erne AG», so Martin Strübi vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons und Projektleiter für die Wildtierunterführung. «30 Lastwagen waren für den Abtransport des Materials im Einsatz.»

Nach der Feinplanie kann am Nachmittag die Verschiebung der vor Ort betonierten Wildtierunterführung beginnen. Das rund 1000 Tonnen schwere Teil muss um gute 20 Meter verschoben werden. Für die Aktion wird eines der drei Sperrwochenenden genutzt, die für die Erneuerung der SBB-Bahngleise zwischen Brugg und Schinznach-Bad zur Verfügung stehen und die jeweils den Zeitraum von Samstag, 2 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, umfassen.

Ende Jahr ist alles fertig: Kosten bei 7,6 Millionen

«Im März dieses Jahres haben die Bauarbeiten für die Wildtierunterführung, die unter der Kantonsstrasse K 112 und der SBB-Linie durchführt, begonnen», erklärt Martin Strübi. «Nach Erstellung einer provisorischen Umfahrung wurde zwischen Strasse und Bahn eine Baugrube ausgehoben und die 13 Meter breite, 15 Meter lange und total 6,5 Meter hohe Unterführung betoniert, die unter die Bahngeleise zu liegen kommt. Anschliessend, nach der Verschiebung dieses ersten Teils, wird der zweite Teil der Unterführung – derjenige unter der Kantonsstrasse – erstellt. Zwischen den beiden Teilen bleiben rund fünf Meter offen. Ende dieses Jahres soll alles fertig sein. Grössenordnung Oktober, November wird die Kantonsstrasse wieder normal befahrbar sein.»

Projektleiter Martin Strübi vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt freut sich über die gelungene Verschiebung.

Projektleiter Martin Strübi vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt freut sich über die gelungene Verschiebung.

Louis Probst

Bauherr der Unterführung ist der Kanton. Weil sich das Bauwerk im Ausserortsbereich befindet, trägt er auch die gesamten Kosten, die mit 7,6 Millionen Franken veranschlagt sind.

Die Unterführung im Wildtierkorridor Schinznach-Bad – der im kantonalen Richtplan festgehalten ist und seit kurzem als von nationaler Bedeutung gilt – ist ein wichtiges Element zur Vernetzung der Wildtierwege zwischen Jura, Chestenberg und Reusstal. Mit der Lichthöhe von vier Metern, welche die Unterführung aufweist, wird sie auch für den Rothirsch passierbar, der seit einigen Jahren im Aargau – unter anderem am Chestenberg – wieder heimisch ist.

Alles ist bereit für die Verschiebung.
6 Bilder
Der Blick von schräg oben auf die Baustelle.
Der Mann am Schaltpult orchestriert die Verschiebung der Unterführung.
An diese Stelle muss die Unterführung hin.
Auf der Tribüne verfolgen einige Zaungäste das Prozedere.
Ein Blick aufs Bauwerk

Alles ist bereit für die Verschiebung.

Louis Probst

Heben, schieben – heben, schieben ...

Etwas früher als erwartet kann am Samstagnachmittag die Verschiebungsaktion beginnen, die von der Spezialfirma Hebetec Engineering AG aus dem bernischen Hindelbank vorgenommen wird. Mit einem Druck von jeweils 140 bar heben sechs mächtige Hydraulikzylinder das Bauwerk um wenige Zentimeter an.

Die Schiebehydraulik in Action.

Die Schiebehydraulik in Action.

Louis Probst

Dann treten die auf beiden Seiten montierten hydraulischen Schubvorrichtungen in Aktion und die Unterführung gleitet auf zwei Stahlbahnen scheinbar schwerelos voran. Gesteuert wird das Ganze durch einen Mann, der mitsamt seinem Schaltpult in der Unterführung sozusagen mitfährt. Während des Verschiebungsprozesses werden laufend die Kräfte überwacht, die an den sechs Hebepunkten wirken.

Sie hätten alle gestaunt, wie schnell die Verschiebung gehe, sagt Martin Strübi. Und weiter:

«Man rechnet mit einer Geschwindigkeit von 20 Zentimetern pro Minute. Bei einer Probe wurde die Unterführung jedoch in 30 Sekunden sogar um einen Meter bewegt.»

Nach nur rund einer Stunde jedenfalls ist die Unterführung an ihrem Bestimmungsort angelangt und muss nur noch um wenige Zentimeter genau gefluchtet werden.

Bereits stehen die Bauleute in den Startlöchern, um den Bahndamm wieder herzurichten, damit die Geleise wieder montiert werden können. Schliesslich muss am Montag früh, spätestens um 4 Uhr, alles fertig sein.

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