Bezirk Brugg
Onlineverkauf und neue Kundschaft: Das bedeutet die Pandemie für die Brockenstuben

Mit dem Jahresanfang geht’s ans Ausmisten und dann mit den Sachen ab zum Gebrauchtwarenladen. Wirklich? Drei Betriebe aus Lupfig, Riniken und Windisch geben Antwort.

Maja Reznicek
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Laut Inhaberin Renate Niederberger wird besonders oft Geschirr in der Brockenstube Nupsi abgegeben.

Laut Inhaberin Renate Niederberger wird besonders oft Geschirr in der Brockenstube Nupsi abgegeben.

Maja Reznicek

Für Renate Niederberger ist gerade eine «heisse Phase» zu Ende gegangen. Zwar werden in der Brockenstube Nupsi täglich Waren vorbeigebracht, häufen täten sich die Abgaben aber rund um Start und Ende der Ferien sowie zu offiziellen Zügelterminen. Das klassische «Ausmisten zum Jahresanfang» merkt man in Windisch nicht. Inhaberin Niederberger ergänzt:

«Während längeren Schlechtwetterphasen wird gerne der Haushalt aussortiert und etwas zum Brocki gebracht.»

Übermässig viele gebrauchte Artikel erhält das Nupsi in diesen Phasen nicht. «Wir erhalten gerade so viel mehr, dass wir bis zum nächsten Termin gut über die Runden kommen.» Zeitweise limitiere sie die Annahme: «Wir vertrösten und sagen, dass wir die Ware zu einem späteren Zeitpunkt gerne annehmen.» Am meisten findet Geschirr den Weg in die Brockenstube in Windisch.

«Über Ricardo konnten wir 2000 Artikel verkaufen»

Auch in der Begeh-r-bar Brocante & Bar in Riniken findet die «Primetime» für die Warenabgabe jeweils rund um die Zügeltermine statt. Susanne Müller, die die Brockenstube führt, nennt März, Juni und September als Beispiel. Wie viele Artikel sie dann etwa erhalte, sei schwierig zu sagen: «Ein entscheidender Punkt ist, ob die <Bringenden> von einer Wohnung in die nächste Wohnung ziehen oder ob, wie es vielmals der Fall ist, ein älteres Paar das Haus verkauft oder weitergibt und in eine Wohnung zieht.»

Die Annahme beschränke sie nach Gutdünken:

Susanne Müller führt Begeh-r-bar Brocante &amp; Bar in Riniken.

Susanne Müller führt Begeh-r-bar Brocante & Bar in Riniken.

zvg
«Ich versuche abzuwägen, was in mein Sortiment passt und was meine Kundinnen und Kunden suchen. Bücher und Kleider nehme ich alle an.»

Bei Letzterem etwa treffe sie eine Auswahl der Artikel, die «nicht von der Stange stammen». Einwandfreie Kleider von Billiganbietern spendet Müller hingegen.

Doch welche Folgen hatte die Pandemie für die Brockenstuben? Im Nupsi merkt man nur wenige Auswirkungen. Weder verzeichnet Niederberger weniger Besuchende, noch hat sich die Warenabgabe verstärkt. Da ihre Brockenstube mit dem Kiosk auch eine gastronomische Seite hat, konnte diese, wenn ähnliche Betriebe schliessen mussten, teilweise (Foodbereich) weiter offenbleiben. Die Warenabgabe war deshalb durchgehend möglich.

Das Nupsi ist gut in der Region verankert: Inhaberin Renate Niederberger mit Stammkundin Irene Moeck (rechts).

Das Nupsi ist gut in der Region verankert: Inhaberin Renate Niederberger mit Stammkundin Irene Moeck (rechts).

Maja Reznicek

Zudem vertrieb Niederberger ihre Sachen über Ricardo und Facebook. Mit Erfolg: «Über Ricardo konnte wir etwa 2000 Artikel verkaufen.» Dank dem Onlineverkauf habe man den Umsatz während der Pandemie fast halten können. Ihr Geschäft sei aber sehr gut aufgestellt und in der Region angekommen. Aktuell fehle ihnen deshalb die Zeit für den Onlineverkauf.

Warenabgabe verstärkte sich seit letztem Jahr sehr

Marietta Burkhalter ist Inhaberin des Brocki International in Lupfig.

Marietta Burkhalter ist Inhaberin des Brocki International in Lupfig.

Ina Wiedenmann

Das Brocki International in Lupfig blickt zufrieden auf die Zeit seit Anfang 2020 zurück. Inhaberin Marietta Burkhalter sagt:

«Wir haben seit zwei Jahren ein ‹Höch›.»

Man bekomme nicht nur konstant viel Ware, sondern habe auch das Doppelte an Kundschaft. Die meisten Artikel trudeln im Frühling ein, nicht zum Jahresanfang. Der Erfolg habe wohl weniger mit der Pandemie, als mit dem neuen Standort – das Brocki International zog 2020 von Hausen ins Industriegebiet Lupfig – zu tun. Onlineverkauf betreibt der Gebrauchtwarenladen nicht. Dazu fehlten die zeitlichen Ressourcen, sagt Burkhalter.

Anders sieht die Situation wieder in Riniken aus. «Die auferlegte Schliessung hat ein grosses Loch herbeigeführt», sagt Müller. Durch die Pandemie habe sich die Stammkundschaft verändert:

«Einige meiner älteren treuen Seelen blieben weg, trudeln aber langsam wieder ein.»

Dahingegen finden seit März 2020 vermehrt junge Leute in die Behgeh-r-bar.

Die Behgeh-r-bar verkauft seit dem Lockdown auch online.

Die Behgeh-r-bar verkauft seit dem Lockdown auch online.

Claudia Meier

Auch habe sich die Warenabgabe seit dem letzten Jahr sehr verstärkt. Müller führt aus: «Die Menschen hatten während des Lockdown und Shutdown viel Zeit und das Bedürfnis ihre Keller, Estriche und Wohnungen aufzuräumen, Leichtigkeit in die Räume zu bringen, da sie bedingt durch das Homeoffice mehr Zeit zu Hause verbringen mussten.»

Der Lockdown hat Müller gezwungen, den Verkauf ihrer Waren im Internet – hauptsächlich auf Facebook oder Ricardo – zu forcieren. Das möchte sie zukünftig weiterverfolgen: «Nun hat sich eine Routine eingespielt, die ich beibehalte, da der Onlinekauf bei vielen Leuten beliebt ist.»