Umzug
Bahngeschichte wird neu in Windisch gebündelt

Das Archiv der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur zieht an den Zentralstandort der SBB Historic in Windisch um.

Louis Probst
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Susanne Hofacker, Leiterin Sammlungen und Bibliothek, auf einem Rundgang durch den Zentralstandort von SBB Historic.

Susanne Hofacker, Leiterin Sammlungen und Bibliothek, auf einem Rundgang durch den Zentralstandort von SBB Historic.

Louis Probst

«Das Jahr 2016 war ein normales Jahr, in dem sich die Stiftung SBB Historic wieder auf ihre Kernaufgaben fokussieren konnte», stellte SBB-Historic-Geschäftsleiter Walter Hofstetter an der Jahres-Medienkonferenz fest. «Das ‹normale› Jahr hat sich jedoch in der Rückschau als vielfältiges und ereignisreiches Jahr entpuppt, das die Stiftung auch finanziell gefordert hat.»
Als Höhepunkte bezeichnete er die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, aber auch die Wiedereröffnung des Depots in Erstfeld, in dem SBB Historic eine kulturhistorische Ausstellung eingerichtet hat.

Sparen ist angesagt

«Die Entwicklung von SBB Historic, die zunehmende Regulierung im Eisenbahnwesen sowie die abnehmenden finanziellen Ressourcen machen eine laufende Standortbestimmung und zukunftsgerichtete Justierungen notwendig», so Hofstetter. «Zwar können wir für 2016, dank des kostenbewussten Handelns der Mitarbeitenden und Partner der Stiftung, eine ausgeglichene Rechnung präsentieren.» Aber die SBB als Stifterin habe den Betriebsbeitrag für SBB Historic 2017 erneut um 2,5 Prozent gekürzt und weitere Kürzungen angekündigt. «Um auch für 2017 ein ausgeglichenes Budget zu erreichen, sind erste Sparmassnahmen ergriffen worden», führte Hofstetter aus.

Im Zuge dieser Sparmassnahmen sind unter anderem Unterhaltsleistungen an Fahrzeugen ausgesetzt worden, die im laufenden Jahr nicht für Einsätze vorgesehen sind. Zudem soll die mit dem Umzug von SBB Historic an den Zentralstandort Windisch verfolgte Bündelung von Aktivitäten und die Konzentration von Standorten auch im Archivbereich konsequent weiterverfolgt werden. Aus diesem Grund wird das technische Archiv der ehemaligen Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) von Winterthur nach Windisch verlegt. Der Umzug soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Eine komplexe Aufgabe

Das Archiv belegt heute in Winterthur eine Fläche von rund 300 Quadratmetern und umfasst rund 2000 Mappen mit mehr als 100 000 Planzeichnungen vor allem von Lokomotiven. «Der Umzug des SLM-Archivs», so Martin Cordes, der stellvertretende Geschäftsleiter und Leiter Archive von SBB Historic, «ist eine komplexe, aber wunderbare Aufgabe.»

Durch die Verlegung des SLM-Archivs nach Windisch werden aber nicht bloss Kosten reduziert. Die Archivbestände können künftig besser aufbewahrt werden. Das gilt insbesondere für den umfangreichen Fotobestand. Er wird in den neuen Kühlräumen, in denen auch die Fotosammlungen der SBB archiviert sind, optimale Bedingungen finden. Mit dem Umzug des SLM-Archivs wird schliesslich der Kundennutzen verbessert, indem die Archivalien künftig zu den normalen Öffnungszeiten des Lesesaals zugänglich sind.

«Das SLM-Archiv in Winterthur ist ein klassisches historisches Archiv», gab Walter Hofstetter zu bedenken. «Dass ein solches Bijou aufgegeben wird, löst etwas Wehmut aus.» Im ehemaligen Zentrallager der SBB, dem heutigen Zentralstandort von SBB Historic, werden aber nicht ausschliesslich schriftliche – und bald auch elektronische Dokumente – archiviert. «In unserem Begehlager finden sich 2800 Objekte», erklärte Susanne Hofacker, die Leiterin Sammlungen/Bibliothek, auf einem kurzen Rundgang. Der Fundus reicht vom historischen Plakat – unter anderen von Künstlern wie Ernst Morgenthaler, Augusto Giacometti oder Hans Erni – über Weichenlampen, Schilder und Kopfbedeckungen bis hin zu Schalterausrüstungen. Und wer sich angesichts dieser konzentrierten Bahngeschichte etwas erholen muss, kann dies tun auf einer Originalbank der 3. Klasse – der legendären «Holzklasse».

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