Bad Schinznach Gruppe
Behördliche Schliessungen zur Unzeit: Thermalbad verzeichnet einen Taucher

Die Bad Schinznach Gruppe kämpfte im Geschäftsjahr 2020 mit den Auswirkungen der Coronapandemie. Hans-Rudolf Wyss, Präsident des Verwaltungsrats, und Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagen, warum die Krise überraschend gut bewältigt werden konnte und warum sie zuversichtlich sind für die Zukunft.

Michael Hunziker
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Die Bad Schinznach Gruppe hat im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 46,4 Mio. Franken erwirtschaftet.

Die Bad Schinznach Gruppe hat im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 46,4 Mio. Franken erwirtschaftet.

Bild: zvg

Trotz Taucher im Bäder- und Einbruch im Klinikbereich: Die Bad Schinznach AG ist im 2020 mit einem blauen Auge davongekommen. «Es hat zwar wehgetan, aber wir konnten die Coronakrise überraschend gut bewältigen», sagte Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wyss am Bilanz­gespräch vor den Medien in Schinznach-Bad. Er war sich einig mit Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung: Es war ein bewegtes Jahr mit speziellen Herausforderungen.

Erwirtschaftet hat die Bad Schinznach Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 46,4 Mio. Franken. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 5,9 Mio. Franken weniger. Ausgewiesen werden muss ein Verlust von 2,5 Mio. Franken.

Arbeitsstellen mussten keine abgebaut werden

Ein grosser Dank gelte den insgesamt rund 420 Mitarbeitenden, hielten Wyss und Bieri übereinstimmend fest. Diese hätten ständig ändernde, erschwerte Bedingungen sowie Unsicherheiten oder – wegen Kurzarbeit – Lohneinbussen in Kauf nehmen müssen. Die Situation hätten sie aber mitgetragen, seien motiviert und flexibel geblieben. Arbeitsstellen mussten keine abgebaut werden.

Gesundheitsförderung

Die Mitte Aargau fordert Öffnung

In einem offenen Brief an den Regierungsrat setzt sich die Mitte Aargau ein für eine schnelle Öffnung der Kur-Badelandschaften. Mit Baden, Bad Schinznach, Bad Zurzach sowie Rheinfelden habe der Kanton Aargau grosse Kur-, Gesundheits-, Relax- und Wellness-Badelandschaften, die zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung und zur Attraktivität des Standorts Aargau einen wertvollen Beitrag leisten, heisst es im Schreiben vom 16. April. Deshalb fordert die Mitte Aargau, diese Anlagen in den nächsten Tagen – unter der Bedingung der Einhaltung von entsprechenden Schutzmassnahmen – für die Bevölkerung wieder zu öffnen. (az)

Auch die Aktionäre und die Hausbanken hätten Verständnis gezeigt und am gleichen Strick gezogen. Mit letzteren konnten – ohne staatliche Garantien notabene – gute Lösungen gefunden werden, führte Wyss aus. Nicht zufrieden äusserte er sich darüber, daraus machte er keinen Hehl, dass sich der Staat kaum an den immensen Kosten beteiligt, die durch die behördlichen Schliessungen entstanden sind. Der nach wie vor hohe Anteil des Eigenkapitals der Bad Schinznach Gruppe, das Liquiditätspolster, habe dazu beigetragen, die Krise überstehen zu können, fügte der Verwaltungsratspräsident an. Grössere Investitionen wurden im letzten Frühling umgehend gestoppt.

Rund 204'000 Eintritte in den Bädern

Am heftigsten betroffen von der Coronakrise war der Bäderbereich. Die Zahl der Eintritte ging auf knapp 204'000 zurück (Vorjahr rund 322'000), der Umsatz in den Thermalbädern und den Saunen – bei diesen waren es etwas mehr als 41'000 Eintritte – sank um über 30 Prozent. Die beiden Schliessungen seien ausgerechnet in den für das Bad Schinznach wichtigen Monaten erfolgt, stellte Bieri fest: zur Unzeit.

Blicken auf ein bewegtes Jahr zurück: Hans-Rudolf Wyss, Präsident des Verwaltungsrats (links) und Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Blicken auf ein bewegtes Jahr zurück: Hans-Rudolf Wyss, Präsident des Verwaltungsrats (links) und Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Bild: mhu (22. April 2021)

Geschrumpft ist der Umsatz ebenfalls in den Klinikbetrieben: In der Privatklinik Im Park ging die Zahl der geleisteten Pflegetage um 9 Prozent auf 17'737 zurück. In der Klinik Meissenberg AG in Zug sank die Zahl der geleisteten Pflegetage um 6,7 Prozent auf 23'837. Betten mussten freigehalten werden für die Covid-19-Patienten in der Isolationsstation oder wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Ebenfalls beige­tragen zum Rückgang der Belegung hat das Verbot zur Durchführung von Wahloperationen in den Spitälern. «Das hat uns massiv getroffen», sagte Bieri.

Auf Dividendenausschüttung soll verzichtet werden

Die Zahl der Logiernächte im Kurhotel Im Park dagegen bewegte sich mit 9174 fast auf dem Niveau des Vorjahrs (9487). Die kontinuierliche Steigerung der letzten Jahre setzte sich zu Beginn des Berichtsjahrs fort. In der ersten Coronawelle bracht die Zahl dann ein, erholte sich aber schnell wieder. Es zeige sich das Bedürfnis der Gäste nach einer Auszeit, ist die Bad Schinznach Gruppe überzeugt.

Blick in ein Hotelzimmer im Kurhotel Im Park.

Blick in ein Hotelzimmer im Kurhotel Im Park.

Bild: zvg

Der Kurz-Golfplatz Pitch & Putt verzeichnete trotz verkürzter Saison mehr Golfrunden als im 2019. Auch in diesem Jahr laufe die Anlage hervorragend, so Verwaltungsratspräsident Wyss. Erfreulich sei ebenfalls, wie gut das Aquarena-Aussenbad genutzt werde nach dem ersten Öffnungsschritt Anfang März. Nach einem anspruchsvollen Start sind Wyss und Bieri zuversichtlich für das laufende Jahr. Sie erhoffen sich eine Rückkehr zur Normalität und sind sich sicher, dass sich die Zahlen schnell erholen nach weiteren Öffnungsschritten. Denn die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Bad Schinznach Gruppe sei hoch.

Die Generalversammlung am 26. Mai wird erneut nicht in gewohnter Form, sondern im kleinen Rahmen mit Stimmrechtsvertretern stattfinden. Auf die Ausschüttung einer Dividende soll verzichtet werden.

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