Bözen
Auf dem Lindenhof gibt es keine Milch mehr, dafür Wein und Natura-Beef

Reto und Yvonne Pfister erklären in diesem Teil der Serie "Bauer Unser", warum Regional das neue Bio ist.

Daniel Vizentini
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Der Lindenhof von Reto und Yvonne Pfister

Der Lindenhof von Reto und Yvonne Pfister

Daniel Vizentini
Die Kühe und Kälber können sich auf der Weide frei bewegen.

Die Kühe und Kälber können sich auf der Weide frei bewegen.

Daniel Vizentini

Es sind zweifellos schöne Tiere, die Reto und Yvonne Pfister auf ihrem Hof halten. Die kompakten, muskulösen, tiefbraunen Kühe und Kälber der Rasse Limousin können sich auf der Weide frei bewegen. Von der Geburt bis zum Schlachthof bleibt das Kalb bei der Mutter. Nähert man sich als Fremder einem jungen Tier, spürt man sofort, wie die Mutterkuh es beschützen will.

Die Kälber werden vorwiegend mit Muttermilch, später auch mit Gras, Heu oder Mais aus dem Hof gefüttert. Damit erfüllt der Lindenhof die Kriterien fürs Label Natura-Beef. «Hinter der Haltung kann ich stehen und ich zeige sie auch gerne», sagt Reto Pfister. Wer selber sehe, wie das Fleisch produziert wird, sei bereit, mehr dafür zu zahlen. «Jeder Fleischskandal hilft uns sozusagen.» Immer mehr Menschen würden regional einkaufen wollen. Oder wie er es ausdrückt: «Regional ist das neue Bio.»

Sie haben ihre Nische gefunden

Damit haben die Pfisters ihre Nische gefunden. Fleisch und Weinbau sind die beiden Standbeine ihres Betriebs. Zudem betreiben sie einen kleinen Hofladen, der jeweils samstags offen hat. Dort findet man ihre Weine sowie vereinzelte, vakuumverpackte Fleischprodukte. Alle 6 bis 8 Wochen laden sie Stammkunden per Newsletter ein für den Frischfleisch-Verkauf. Weine und Liköre kann man auch online bestellen. Um mehr auf Direktvermarktung zu setzen, müssten sie den Laden vergrössern und mehr Zeit aufwenden. Mit drei kleineren Kindern seit dies zurzeit aber nicht unter einen Hut zu bringen.

Im Sommer bedient die Familie hie und da auch Gäste in der Remise. 2001 gab die Familie die Milchwirtschaft auf. Zwar war der Milchpreis damals noch nicht so tief wie heute, doch die Tendenz war klar sinkend, vor allem nach der Aufhebung der Milchkontingentierung. «Wir hatten eine stattliche Grösse und waren gut eingerichtet. Besser als andere, die weiter gemolken haben», sagt Reto Pfister. Für eine aussichtsvolle Zukunft hätten sie aber viel investieren müssen.

Landwirtschaft ist auch Büroarbeit

Bereut hätten sie den Schritt nicht, im Gegenteil. Zumal auch der Fleisch- und Weinmarkt kein einfacher sei. «Jedes Geschäft ist unter Druck, nicht nur in der Landwirtschaft.» In Bözen hätten auch andere Landwirtschaftsbetriebe ihre Nische gesucht und gefunden, etwa der Moosmatthof mit der eigenen Bäckerei oder der Söhrenhof, der die eigene Glace produziert. «Es gibt immer eine Lösung», sagt Reto Pfister.

Ihre Nachbarn auf dem Lindenhof setzen auf Gemüse und Blumen. Gemeinsam benützen sie die Ackerbaumaschinen oder veranstalten das jährliche Hoffest, das am Wochenende vom 24. November stattfinden wird.

Reto und Yvonne Pfister haben den Hof vor zwei Jahren übernommen, Retos Eltern arbeiten noch mit. «Mir war lange nicht klar, dass ich Landwirt werde. Ich bin da hineingewachsen», sagt er. Die Geschichte des Familienhofs ist über 100-jährig. 1984, mit dem Bau der Autobahn, siedelte die Familie vom Dorfkern in den heutigen Hof im idyllischen Tal zwischen Bözen und Zeihen. Die Reben stehen auf den Hügeln am anderen Dorfende. Geschlachtet werden die Tiere in Frick, das Fleisch in Wil verpackt. Der Wein wird in Hornussen abgefüllt.

Die langen Arbeitstage und die Arbeit mit den Tieren fordere zwar, die anstrengende, aber dafür abwechslungsreiche Arbeit gefalle ihm aber. Und: «Ich bin mein eigener Chef», sagt er. Landwirtschaft bedeute heute auch viel Büroarbeit. «Ich hatte dies bereits in Ausbildung gelernt, daher ist es für mich kein Problem.» Anders als bei älteren Bauern.