Brugg
Auch wegen ihr wurde Brugg-Windisch Fachhochschule-Standort

Sie hat für den Fachhochschule-Standort Brugg-Windisch geweibelt - auch immer wieder hinter den Kulissen. Was macht die Bruggerin Marianne Rauber heute?

Louis Probst
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«PKZ – pensioniert, keine Zeit»: Marianne Rauber, ehemalige Präsidentin der IG Campus Windisch, ist im Ruhestand – aber keineswegs ruhig. Emanuel Per Freudiger

«PKZ – pensioniert, keine Zeit»: Marianne Rauber, ehemalige Präsidentin der IG Campus Windisch, ist im Ruhestand – aber keineswegs ruhig. Emanuel Per Freudiger

«Ich bin glücklich, sehr glücklich, über den Campus, wie er jetzt realisiert worden ist», freut sich Marianne Rauber bei einem Kaffee in der Campus-Cafeteria. Als letzte Präsidentin der mittlerweile aufgelösten Interessengemeinschaft Fachhochschule Brugg-Windisch hatte sie sich tatkräftig – «auch hinter den Kulissen», wie sie verschmitzt erklärt – für den Standort Brugg-Windisch der Fachhochschule eingesetzt. «Inzwischen ist die Fachhochschule Brugg-Windisch Realität geworden», sagt sie. «Die IG hat ihr Ziel erreicht.»

Sie habe sich dafür engagiert, dass die Fachhochschule nach Brugg-Windisch kommt, weil sie das wichtig gefunden habe, «enorm wichtig», betont Marianne Rauber. «Brugg und Windisch liegen schliesslich im Zentrum des Aargaus. Sie sind gewissermassen das Herz des Kantons. Zudem habe ich auch Rudolf Wartmann gut gekannt, der seinerzeit mit dafür gesorgt hatte, dass die frühere Höhere Technische Lehranstalt, die HTL, nach Windisch gekommen ist.»

2005 war Marianne Rauber von Hanspeter Scheiwiler, dem damaligen Gemeindeammann von Windisch und Präsidenten der Stiftung Vision Mitte, angefragt worden, ob sie – als Nachfolgerin von Melchior Ehrler – das Präsidium der IG Fachhochschule übernehmen würde, die sich die Sicherung des Standortes Brugg-Windisch als Bildungszentrum auf die Fahne geschrieben hatte. «Ich fand es nett, dass man mich gefragt hat», sagt sie. «Ich bin ja auch politisch aktiv gewesen.»

Politisch vorbelastet

Sie habe sich schon mit 15 Jahren – «lange vor dem Frauenstimmrecht», wie sie betont – für Politik interessiert, erklärt sie. «Ich empfand es damals als junges Mädchen ungerecht, dass mein Bruder das Stimmrecht besass, obwohl er überhaupt nicht an die Urne ging, ich dagegen kein Stimmrecht hatte.» Sie sei politisch aber auch sehr vorbelastet, sagt Marianne Rauber und verweist dabei auf die vielen Politiker in ihrer und in der Familie ihres 1990 verstorbenen Mannes Paul Emanuel Rauber, unter denen sich Persönlichkeiten wie der «Revolutionspfarrer» Jakob Emanuel Feer (1754 bis 1833) oder Johannes Herzog von Effingen (1773 bis 1840), «Bürgermeister des Kantons Aargau» und Industrieller, befunden haben.

«Zu gut ausgebildet»

Marianne Rauber verbrachte ihre Jugend in Oberwinterthur, wo ihr Vater als einer von drei Brüdern das Familienunternehmen Jakob Jaeggli & Cie. leitete, das eine Zwirnerei und eine Maschinenfabrik umfasste, die Seidenstoff-Webstühle baute. «Auf Jaeggli-Webstühlen sind sogar Stoffe für die Queen von England gewoben worden», betont sie nicht ohne Stolz.

Nach den Schulen in Winterthur besuchte Marianne Rauber die Handelsschule in Neuenburg. Anschliessend absolvierte sie an der Universität Genf die Dolmetscherschule und war als Übersetzerin tätig. «Ich hätte zwar gerne in der Firma meines Vaters gearbeitet», sagte sie. «Aber man war der Ansicht, dass ich dafür zu gut ausgebildet sei.»

Durch die Heirat mit Paul Emanuel Rauber, der in Südbaden eine Weberei und eine Textilhandelsfirma betrieb – die Marianne Rauber nach dem Tod ihres Mannes während zehn Jahren weiterführte –, war sie 1965 nach Brugg gekommen. In Brugg hat sich Marianne Rauber, Mutter von drei Kindern und inzwischen Grossmutter von sieben Enkeln, auch politisch betätigt. «Ich habe es allerdings nie weit gebracht», stellt sie fest. «Ich habe wohl zu viel geredet.» Sie war in der freisinnigen Frauengruppe tätig, die sie später auch präsidierte und sie wirkte als Kantonalpräsidentin der FDP-Frauen.

Während einiger Jahre gehörte sie als Vertreterin der FDP dem Brugger Einwohnerrat an, wo sie sich vor allem für Umweltbelange einsetzte. «Man hat mich deswegen Güsel-Marianne genannt», sagt sie und erklärt: «Ich bin zwar schon freisinnig, aber ich habe wohl nie so recht in die FDP gepasst. Obwohl es auch bei der FDP damals schon viele Leute mit einem grünen Daumen, oder besser gesagt, einer grünen Seele gegeben hat.»

Volle Agenda

Praktisch gleichzeitig mit der Abgabe des Präsidiums der IG Fachhochschule Brugg-Windisch und mit der Auflösung der IG hat Marianne Rauber auch das Präsidium der Sektion Schweiz der Europäischen Frauen-Union abgegeben. «Beides hatte gleichzeitig begonnen», stellt sie fest. «Und beides hört jetzt gleichzeitig auf. Langweilig wird es mir deswegen aber nicht werden. Ich habe noch so viel vor.» Dabei erwähnt sie die vielen Unterlagen und Dokumente aus der Geschichte ihrer Familie, aber auch aus ihrer Zeit in Genf, die sie aufarbeiten möchte. «Darunter befindet sich einiges, das vielleicht sogar meine Enkel interessieren dürfte», meint sie.

Und da ist auch noch die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau, in der sie mitmacht. «Meine Agenda ist voll», stellt Marianne Rauber jedenfalls fest, blättert in dem kleinen Büchlein und sagt: «PKZ – pensioniert, keine Zeit: Dieser Ausspruch stammt zwar nicht von mir. Er trifft aber auf mich zu.» Man glaubt es ihr aufs Wort.

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