Brugg
Aargauisches Freilicht-Spektakel: «Die Schminke passt, die Socken weniger»

Die Vorbereitungen zum 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel «Hinter den 7 Gleisen» laufen auf Hochtouren. Am Wochenende fand ein Fotoshooting im stillgelegten Güterbahnhof statt.

Carolin Frei
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Fotoshooting zu den Proben zum 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel
14 Bilder
Sockenwechsel für Clochard Clown
Rico Spring im Gespräch mit der Visagistin
Regisseur Peter E Wüthrich packt die Utensilien für die nächste Szene
Regisseur Peter E Wüthrich mit Michaela Suter alias Inge beim Fotoshooting
Regisseur Peter E Wüthrich gibt den Clochards letzte Anweisungen
Inge und Barbarossa warten auf den nächsten Einsatz
Regie führen gibt Hunger
Inge mit ihrem Neugeborenen mit dem sie hinter den 7 Gleisen Unterschlupf gefunden hat
Inge mit ihrem Kind hinter den 7 Gleisen
Inge mit ihrem Neugeborenen mit dem sie hinter den 7 Gleisen Unterschlupf gefunden hat (2)
Die Frisur von Inge sitzt noch nicht ganz fürs Shooting
Barbarossa verpflegt Inge
Barbarossa verpflegt Inge

Fotoshooting zu den Proben zum 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel

Carolin Frei

Samstag, 15 Uhr. An der Unterwerkstrasse 13 in Brugg ist es grau, nass und kalt. Passend zum Theaterprojekt «Hinter den 7 Gleisen», zu dessen Fotoshooting der Produzent Rico Spring und Regisseur Peter E. Wüthrich vom 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel geladen hatten. Denn die Ausgangslage für Inge, eine junge, schwangere Frau, die sich wegen eines unehelichen Kindes das Leben nehmen will, ist mindestens so grau und kalt.

Nach einem in letzter Sekunde verhinderten Selbstmordversuch flüchtet sie sich in einen alten SBB-Schuppen und bringt ihr Kind zur Welt. Dort ist sie allerdings nicht allein, sondern macht die Bekanntschaft mit den drei Clochards Barbarossa, Clown und Dürst.

Diese Szene wird filmgetreu nachgestellt. Das trinkfreudige Trio höcklet feucht-fröhlich feiernd auf der Matratze, die eben erst - wegen des Dauerregens - fürs Fotoshooting vom Plastik befreit wurde. Die Clochards lassen es sich bei Wurst, Käse, Brot und Bier gut gehen. Und sie sorgen dafür, dass auch Inge sich stärken kann.

Lächelnd - trotz Hühnerhaut

Die drei Frauen, die für die Maske und Kostüme verantwortlich zeichnen, schauen sich die Szenerie kritisch an. «Okay, die Schminke passt, die Socken weniger», sind sich die drei einig. Clochard Clown muss seine hellgrauen Socken gehen Armee-Grüne tauschen. Am Rest gibts nichts auszusetzen und so jagen immer wieder Kamerablitze übers «Filmset».

Ein Blickfang ist der pinkfarbene Regenmantel von Michaela Suter alias Inge, den sie allerdings fürs Fotoshooting immer wieder ausziehen muss. Sie bleibt tapfer, blickt lächelnd in die Kameras - Hühnerhaut hin oder her. Im Juli und August, wenn «Hinter den 7 Gleisen» in Königsfelden als Freilicht-Spektakel aufgeführt wird, dürften ihre Sommerkleider dann schon passen.

Der Spielort vom 9. Aargauischen Freilicht-Spektakel ist einmal mehr in Königsfelden, heuer im Innenhof des Hauptgebäudes. «Der Anfang eines solchen Projekts ist vergleichbar mit einem weissen Papier, das nach und nach Farbe annimmt», erzählt der Berner Regisseur Peter E. Wüthrich. Er ist zuversichtlich, dass dieses Bild bis zur Premiere fertig gemalt sein wird. Eine besondere Herausforderung bei Freilichtauftritten sei es, die Mimik so zu überspitzen, dass sie vom Publikum wahrgenommen werde.

Seit Anfang April sind die 22 Schauspieler und die 4 Wuschels, wie Wüthrich die Statisten liebevoll nennt, am Proben. Bei schönen Wetter am Originalschauplatz, bei Regen in der Beiz. «Hinter den 7 Gleisen» von Kurt Früh kam 1959 in die Kinos. Seine Tochter Katja Früh hat 2004 eine Theaterfassung daraus gemacht, die nun vom 26. Juli bis 30. August 19 Mal zur Aufführung gelangt.

«Ein Brotjob musste her»

Peter E. Wüthrich wurde bereits mit 17 Jahren vom Theatervirus angesteckt. Allerdings schlug seine Karriere einige Haken. Erst war er als Typograf tätig, besuchte dann die Kunstgewerbeschule und kümmerte sich fortan vor allem ums Gestalten von Büchern.

Erstmals Regie führte er 1979. «Dann habe ich geheiratet, wir bekamen Kinder und ein Brotjob musste her», sagt er. Dem Theater blieb er jedoch immer treu, mal mehr, mal weniger intensiv. Inzwischen kann er sich auf das Regieführen konzentrieren, was ihn jedes Mal aufs Neue fasziniert.

Infos auf www.freilicht-spektakel.ch; Vorverkauf ab 6. Mai.

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