Baden
Wo sind die Denkmal-Loks geblieben?

Baden und sein ältester Bahnhof der Schweiz haben seit 1998 keine der ausgemusterten Museums-Lokomotiven mehr. Wir sind den drei Museumsstücken auf die Spur gegangen.

Ruedi Wanner
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Die Be 4/6 steht wie weitere historische SBB-Loks im Depot in Arth-Goldau.
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Die Dampflok Eb 3/5 ist zurzeit in Brugg, zerlegt in einzelne Teile.
Die Badener Denkmal-Lokomotiven

Die Be 4/6 steht wie weitere historische SBB-Loks im Depot in Arth-Goldau.

zvg

Im Jahre 1847 ging zwischen Baden und Zürich die älteste auf Schweizer Boden liegende Eisenbahnstrecke in Betrieb. Der älteste Bahnhof der Schweiz jedoch bleibt weiterhin ohne eine Denkmallokomotive. Im April 1998 wurde die dritte und letzte Badener Museumslokomotive auf die Schienen zurückgestellt und abgeschleppt.

Wegen Busrampe vertrieben

Von 1966 bis 1974 stand auf dem Badener Güterareal zunächst eine Dampflokomotive als Museumsstück. Vier pensionierte Lokomotivführer bearbeiteten und unterhielten das Museumsstück rein äusserlich so, dass es gut zum «ältesten Bahnhof der Schweiz» passte. Die Lokomotive wurde jedoch im April 1998 durch die Zürcher Hilfswagenmannschaft aufgegleist und abgeschleppt. Grund für den Abtransport war das Grossprojekt des Bahnhofumbaus mit dem Bau des Langhauses und dem neuen Bahnhof West mit Busstation. Hierfür wurde eine Rampe gebaut, die vom Schlossbergtunnel zum neuen Busbahnhof West führte. Auch der Güterschuppen musste weichen.

Daten der drei Badener Denkmallokomotiven

(zvg)

Dampflok seit 2012 in Brugg

Die Dampflokomotive vom Typ «Habersack» mit der amtlichen Bezeichnung Eb 3/5 5811 hatte das Baujahr 1912 und wurde auf Jahresende 1965 aus dem SBB-Bestand ausgemustert. Sie war für Personen- und Güterzüge bis 75 km/h konstruiert und zwar für Vorwärts- wie für Rückwärtsfahrt auf Nebenstrecken ohne Drehscheiben. Letzte Einsätze sind aus dem Wehntal bekannt. Ganz am Schluss leistete die Nr. 5811 noch Rangier- und Reservedienste. Ihre vorläufige Ruhe- und Pflegestätte erhielt die Lok dann in der Remise von Wettingen.

Innerhalb ihrer über 50-jährigen aktiven Dienstzeit legte die Maschine rund 1,8 Mio Kilometer zurück. Ein Herstellerschild der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (Fabrik-Nr. 2212) kam offensichtlich in falsche Hände und wurde durch ein anderes mit Jahreszahl 1907 (von der SMB-Dampflokomotive Ed 3⁄4 Nr. 1) ersetzt.

Da nach 1970 historische Dampflokomotiven durch SBB-Personal fahrtüchtig hergerichtet wurden, konnten für die gleichartige, heute betriebsfähige Lok 5819 einzelne Teile weiterverwendet werden. Der verbliebene Rumpf der «Badener» Nr. 5811 wurde mit einem korrosionsverhindernden grünen Schutzanstrich versehen und im Lokomotiv-Depot von Glarus abgestellt. Dort machte sie einen längeren Dornröschenschlaf, bis sie im Jahre 2012 nach Brugg überführt wurde. Sie wird dort gegenwärtig wieder hergerichtet und betriebsfähig gemacht.

Die Dampflokomotive 5811 wurde darum in Brugg in völlig zerlegtem Zustand angetroffen; Kessel, Fahrgestell und Räder werden einzeln hergerichtet und tragen im Moment eine graue Grundfarbe.

Gotthard-Lok in Arth-Goldau

Anschliessend machte sie einer elektrischen Lokomotive der Gotthardstrecke Platz. Die Be 4/6 Nr. 12332 wurde zwischen 1974 und 1981 ausgestellt und erinnerte an die führende, örtlich ansässige Weltfirma der Elektrobranche. Die Serie Be 4/6 war als Schnellzugslok konzipiert, wobei ihre Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h auf der Gotthardstrecke genügte. Bis zu ihrer Ausrangierung legte sie über fünf Millionen Kilometer zurück, in den letzten Jahren allerdings nur noch vor Güterzügen.

Diese Lokomotive gelangte nach einer äusserlichen Aufarbeitung 1982 ins Verkehrshaus Luzern. Sie gehört heute zu den historischen SBB-Fahrzeugen, ist aktuell im Depot Arth-Goldau abgestellt und zwar roll-, aber nicht betriebsfähig.

Platz für Denkmal-Lok

Der vorbereitete Denkmalsplatz in Baden mit seinem kurzen Gleisstück blieb anschliessend während anderthalb Jahren leer. Am 28. April 1982 übernahm die letzte Badener Denkmallokomotive den Platz. Es handelt sich um die Universal-Schnellzugslokomotive Ae 3/6 I Nr. 10601. Sie wurde in Zürich historisch hergerichtet mit alten Laternen, Ersatz der Hülsen- durch Stangenpuffer, Ausbau der Hochdruck- und Wiedereinbau der Regulierbremsschläuche, Leiter zu Führerstandstüre rechts angebracht, die Türen bleiben aber verschweisst. Eine vertragliche Regelung lautete dahin, dass die Bundesbahnen der Stadt Baden eine ausgediente elektrische Streckenlokomotive zu Ausstellungszwecken überliessen. Der Unterhalt wurde der damaligen Brown Boveri AG übertragen.

Verwahrlost und nach Le Locle

Wie der spätere Zustand der Lokomotive zeigte, wurde in der letzten Aufstellungsphase nicht mehr viel investiert. Wind, Wetter, die in der Luft enthaltenen Schadstoffe beziehungsweise der berühmte Zahn der Zeit hatten die Denkmallokomotive stark angegriffen und deutliche Farb- und Rostschäden hinterlassen. Nach der Fusion wollte seitens der Weltfirma ohnehin niemand mehr für diese Lokomotive zuständig sein.

Heute gehört die Lokomotive der Vereinigung «Swisstrain» und steht der Witterung weiterhin voll ausgesetzt in Le Locle im Kanton Neuenburg. Ihre weitere Zukunft ist ungewiss.

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