Wettingen
Neue Stabsstelle für die Schule: Die Abschaffung der Schulpflege beschäftigt die Politik

In Wettingen werden mit der Abschaffung der Schulpflege rund 75'000 Franken frei, die für eine neue Stelle eingesetzt werden sollen. Auch die angespannte Schulraumsituation bleibt ein Thema.

Andreas Fretz
Drucken
Teilen
Immer mehr Schüler: 2022 soll die Bezirksschule mit einem Anbau ergänzt werden.

Immer mehr Schüler: 2022 soll die Bezirksschule mit einem Anbau ergänzt werden.

Claudia Laube

Im September vergangenen Jahres stimmten knapp 58 Prozent der Aargauer Bevölkerung für die Abschaffung der Schulpflegen. Heisst: Die strategische Führung der Schule liegt ab 2022 beim Gemeinderat und nicht mehr bei einer gewählten Schulpflege. Die regierungsrätliche Vorlage lässt den Gemeinden viel Spielraum bei der Umsetzung, verlangt aber eine kostenneutrale Lösung.

Lösung mit einer neuen Stabsstelle

Im ganzen Kanton suchen die Gemeinden nun nach geeigneten Modellen. In Stetten beispielsweise soll ein Teil der Entschädigung, welche die Mitglieder der Schulpflege erhalten haben, neu den Gemeinderäten zufliessen, da diese mehr Aufgaben zu bewältigen haben. Auch Wettingen hat nun ein Modell vorgelegt, welches demnächst im Einwohnerrat traktandiert ist.

Der Gemeinderat hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die neue Führungsstruktur zu erarbeiten. Diese sieht vor, auf die Schaffung einer ständigen Schulkommission zu verzichten. Wie vom Kanton verlangt, übernimmt der Gemeinderat neu sämtliche Rechte und Pflichten der Schulpflege. Die delegierbaren Entscheide tritt der Gemeinderat an die Geschäfts- und Schulleitung ab. Neu kommt eine Stabsstelle Bildung hinzu, welche die Geschäftsleitung, aber auch die Schulleitungen in diversen Belangen unterstützt. Die frei werdenden Mittel aus der Schulpflege-Entschädigung sollen für die Schaffung dieser Stabsstelle Bildung verwendet werden.

Abschaffung der Schulpflege bringt 75'000 Franken

In Wettingen werden mit der Abschaffung der Schulpflege rund 75'000 Franken frei (Sitzungsgelder, Entlöhnung, Weiterbildung), die für die neue Stelle eingesetzt werden sollen. Dazu werden noch 20 Stellenprozente von den Schulleitungspensen zur Verfügung gestellt. Beantragt wird für die Stabsstelle Bildung ein Pensum von 80 Prozent. Sie ist direkt der Geschäftsleitung Bildung unterstellt. CVP-Gemeinderat Sandro Sozzi (Ressort Bildung) ist überzeugt:

«Wir haben eine gute, effiziente und kostenneutrale Lösung gefunden.»
Sandro Sozzi, Gemeinderat Wettingen.

Sandro Sozzi, Gemeinderat Wettingen.

Severin Bigler

Mit ihr soll die vom Gesetzgeber gewünschte Professionalisierung der Volksschule erreicht werden. Weiter werden Entscheidungswege und die Prozesse verkürzt, was zu einer Effizienzsteigerung führen soll. Der Gemeinderat hält fest: «Mit der Umsetzung der neuen Führungsstruktur gilt es, alle aktuellen Aufgaben der Schulpflege abzudecken, um die Zufriedenheit der Zielgruppen wie auch der Mitarbeitenden zu gewährleisten.» Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) sagt:

«Wir können damit die hohe Qualität der Schule Wettingen für 2500 Schülerinnen und Schüler aufrechterhalten.»
Gemeindeammann Roland Kuster.

Gemeindeammann Roland Kuster.

zvg

Kuster betont auch, dass die meisten Gemeinden mit einer vergleichbaren Grösse ähnliche Modelle einführen wollen. Der Gemeinderat beantragt an der Juli-Sitzung im Einwohnerrat, der Schaffung einer Stabstelle Bildung mit einem Pensum von 80 Prozent zuzustimmen. «Wenn wir das Thema jetzt diskutieren, bleibt genug Zeit bis zur Umsetzung im neuen Jahr», sagt Sozzi.

Machbarkeitsstudie zur Schulraumsituation

Bereits eine Woche zuvor, am 24. Juni, ist im Einwohnerrat die Schulraumplanung traktandiert. 2016 wurde erstmals ein Bericht dazu erstellt, 2019 wurde er aktualisiert und 2021 überprüft. Erkenntnis: Das Schülerwachstum bewegt sich nach wie vor im oberen Bereich der Prognosen. Abgesehen von der Bezirksschule und dem Schulkreis Altenburg, wo bereits Projekte im Gange sind, kann davon ausgegangen werden, dass auf das Schuljahr 2026/2027 ein weiterer Ausbauschritt notwendig ist. Mit Planungshorizont 2030 zeichnet sich im Vergleich zu heute eine Zunahme von rund 18 Klassen ab (von Kindergarten über Primarschule, Sereal und Bezirksschule).

Zirkuswiese als möglicher Schulstandort

Der Gemeinderat hat aufgrund der aktuellen Schulraumsituation beschlossen, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Darin sollen mögliche Szenarien umfassender und ganzheitlicher geprüft werden. Die zentralen Fragen: In welchen bestehenden Schulkreisen kann noch zusätzlicher Schulraum geschaffen werden? Welche Kosten verursachen die möglichen Erweiterungen? Lohnt es sich, an den bestehenden Schulkreisen zu erweitern, oder macht es Sinn, einen neuen Schulstandort aufzubauen? So soll etwa der Standort Zirkuswiese für einen Schulhausneubau in die Überlegungen miteinbezogen werden. Die Machbarkeitsstudie soll bis im Frühling 2022 durchgeführt werden, damit genügend Zeit für die Umsetzung bleibt.

Aktuelle Nachrichten