Spreitenbach
«Mitzubestimmen war mir schon immer wichtig»: Auch Peter Grass will in den Gemeinderat

Mit dem Spreitenbacher sind es nun vier Personen, die sich um den freien Sitz bewerben. Warum Grass lange mit sich rang bevor er kurz vor Anmeldeschluss doch noch seine Bewerbung einreichte.

Claudia Laube
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Peter Grass argumentiert gerne und liebäugelte deshalb schon länger mit dem Amt.

Peter Grass argumentiert gerne und liebäugelte deshalb schon länger mit dem Amt.

zvg

Quasi in letzter Minute hat sich für den freien Spreitenbacher Gemeinderatssitz noch ein vierter Kandidat ins Spiel gebracht: Peter Grass, seit 23 Jahren im Dorf wohnhaft. Am Tag des Anmeldeschlusses gab er seine Anmeldung bei der Gemeindekanzlei ab und wurde gefragt: Warum erst jetzt? «Weil ich mir lange unsicher war», erklärt der 58-Jährige und lacht.

Ermutigt haben ihn die Kandidaturen der parteilosen Adrian Mayr und Mario Hofer (die AZ berichtete): «Ich war lange der Meinung, dass es ohne Partei im Rücken schwierig ist, genug Unterstützung zu erhalten», erklärt Grass. Doch Mayr und Hofer überzeugten ihn endgültig, sich doch noch für die Wahl vom 28. März anzumelden. Nur einer der nunmehr vier Kandidaten ist einer Partei angeschlossen: Flavio Zani wird von der hiesigen CVP gestützt.

«Ich sehe mich grundsätzlich neutral, dementsprechend in der Mitte», definiert Grass seine politische Position. «Hauptsächlich brauche ich Argumente, die mich überzeugen, egal von welcher Partei sie kommen.» Er lasse sich nur ungern in eine Schablone pressen.

Trotz Unverständnis nach Spreitenbach gezogen

Grass ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. In seiner Freizeit als Welpen- und Hundetrainer unterwegs, hat er sich vor anderthalb Jahren als Treuhänder selbstständig gemacht. Zuvor war er in einer leitenden Position im Finanzbereich eines mittelgrossen Unternehmens tätig.

1998 zogen er und seine Frau von Zürich nach Spreitenbach, «weil wir hier bezahlbares Eigentum vorfanden». Ausserdem hätten sie ländlicher leben wollen. Spreitenbach habe sich für ihn und seine Familie als ideal erwiesen.

«Unsere Zürcher Freunde konnten erst nicht nachvollziehen, warum es genau Spreitenbach sein soll und nannten es zum Beispiel Klein-Jugoslawien».

Unter anderem auch deshalb wäre es ihm wichtig, das Image von Spreitenbach zu verbessern. «Ich kann nicht nachvollziehen, warum das Dorf einen so schlechten Ruf hat, spielte es doch schon oft eine Vorreiterrolle, zum Beispiel als hier das Konkubinat erlaubt wurde.» Auch sei Spreitenbach ein tolles Beispiel dafür, wie über 80 Nationen friedlich miteinander leben können.

Aktuell sei aber auch für ihn Corona Thema Nummer 1: «Ich höre und sehe nicht, wie die Pandemie sich auf unsere Gemeinde niederschlägt.» Das möge ein gutes Zeichen sein, «aber ich denke, wir werden auf Gemeinde-Ebene in naher Zukunft einige Probleme zu lösen haben. Auch deshalb möchte ich mich als Gemeinderat engagieren».

«Einfacher, andere zu kritisieren, als selbst zu agieren»

Das Virus habe auch seiner Selbständigkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht. War er früher beruflich sehr eingebunden, so hätte er inzwischen auf jeden Fall mehr Zeit für das Amt, mit dem er schon länger liebäugle. Er ist an jeder Gemeindeversammlung anzutreffen. «Mitzubestimmen war mir schon immer wichtig. Aber es ist einfacher, andere zu kritisieren, als selbst zu agieren. Deshalb möchte ich mich nun auch selbst einbringen.»

Durch seinen Werdegang bringe er viele Fähigkeiten mit, die ihm im Amt zugutekommen würden. Zudem: «Ich argumentiere gerne. Freunde und Nachbarn ermutigten mich deshalb schon länger, mich politisch zu betätigen».