Niederrohrdorf
Schuldenberg dank dickem Plus halbiert – Gemeinde profitiert von unerwarteter Erbschaft

Die Rechnung 2020 von Niederrohrdorf schliesst viel besser ab als erwartet. Damit kann sich die Einwohnergemeinde gut positionieren. Das ist wichtig – denn grosse Projekte stehen an.

Sarah Kunz
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Mit dem Bau der neuen Schulhäuser für die Unter-, Mittel- und Oberstufe stehen in Niederrohrdorf grosse finanzielle Posten an.

Mit dem Bau der neuen Schulhäuser für die Unter-, Mittel- und Oberstufe stehen in Niederrohrdorf grosse finanzielle Posten an.

Archivbild: Sandra Ardizzone

Die Rechnung 2020 der Gemeinde Niederrohrdorf schliesst um rund 2,6 Millionen Franken besser ab als budgetiert. Diesen Ertragsüberschuss präsentierte der Gemeinderat an der Einwohnergemeindeversammlung vom Dienstagabend. Wie Gemeinderat Patrik Hitz sagt, habe man mit einem positiven Rechnungsabschluss gerechnet und ein Plus von knapp 100'000 Franken budgetiert. «Dass der Jahresabschluss jedoch derart hoch ausfällt, ist eine erfreuliche Überraschung», sagt Hitz.

Weshalb aber resultierte ein so hohes Plus? «Ganz einfach gesagt, haben wir weniger ausgegeben und mehr eingenommen», antwortet Hitz. Bei drei grossen Posten – in der allgemeinen Verwaltung, in der Bildung und in der sozialen Sicherheit – konnte knapp eine Million Franken gespart werden. Dies vor allem wegen der Coronakrise: «Weil beispielsweise keine Lager oder Schulreisen durchgeführt werden konnten, fielen die dort budgetierten Posten weg», sagt Hitz.

Zudem hätten natürliche Rotationsgründe – etwa wenn eine ältere Lehrperson durch eine jüngere ersetzt werde – zu Minderausgaben geführt. «Wichtig zu wissen ist, dass wir an diesen Posten nicht bewusst gespart haben, sondern vielmehr das budgetierte Geld nicht ausgegeben haben», sagt Hitz.

Schuldenberg konnte in den vergangenen drei Jahren halbiert werden

Zusätzlich zu weniger Ausgaben konnte die Einwohnergemeinde überraschend mehr Steuern einnehmen. Allein die ordentlichen Steuern spülten rund 750'000 Franken mehr in die Kasse als gedacht. Hinzu kommt, dass Niederrohrdorf von einer unerwarteten Erbschaft profitieren konnte. «Nachdem im Jahr 2018 eine alleinstehende Dame verstarb, meldeten sich innert der für den Erbenruf geltenden Frist keine Erben», sagt Hitz. «Deshalb fiel ihr Nachlass an das Gemeinwesen.»

Ein Drittel des Gewinns aus dem Verkauf der Liegenschaft der Verstorbenen ging an die Gemeinde Niederrohrdorf, zwei Drittel an den Kanton. Insgesamt resultieren aus diesem ausserordentlichen Erbschaftsfall 213'333 Franken. Hitz weiss: «Das ist ein äusserst seltener Fall.»

Mit dem positiven Rechnungsabschluss kann die Gemeinde Niederrohrdorf ihren Schuldenberg weiter abbauen. In den vergangenen drei Jahren hat sich dieser von gut 14 Millionen Franken auf nun 7,7 Millionen Franken fast halbiert. Trotzdem gibt es keinen Anlass zum Aufatmen: «Wir müssen weiter sparen», sagt Hitz. Schliesslich werde derzeit die Hauptstrasse saniert und mit dem Bau der neuen Schulhäuser für die Unter-, Mittel- und Oberstufe stehen weitere grosse Budgetposten an. «Es ist sicher von Vorteil für uns, wenn wir uns in Anbetracht dieser Projekte gut positionieren können», sagt Hitz. «Aber wir sind auch vorsichtig.»

Derzeit wird die Kantonsstrasse in Richtung Niederrohrdorf saniert.

Derzeit wird die Kantonsstrasse in Richtung Niederrohrdorf saniert.

Archivbild: Carla Stampfli

Stimmberechtigte wünschen sich einen Pumptrack

Wolle man jedoch alles komplett wegsparen, wäre das Leben im Dorf nicht mehr lebenswert. «Wir sind deshalb bestrebt, einen Ausgleich zu finden und sinnvolle Projekte weiterhin finanziell zu unterstützen», sagt Hitz. So beispielsweise einen Pumptrack. Das Projekt wurde den Stimmberechtigten von einer privaten Interessengemeinschaft vorgestellt. Deren Idee ist, einen Rundkurs mit Wellen für Velos, Scooter, Skateboards oder Rollschuhe in Niederrohrdorf zu initiieren. Ziel der Präsentation war es, eine Bedürfnisabklärung vorzunehmen.

Die Vision und das Projekt wurden intensiv diskutiert – vor allem der mögliche Standort gab zu reden. Dieser ist noch nicht festgelegt und diverse Versammlungsteilnehmer haben darauf hingewiesen, dass die richtige Standortwahl für ein gutes Gelingen des Projekts essenziell ist. Im Anschluss hat sich die Versammlung mit einer deutlichen Mehrheit für die Weiterverfolgung der Vision ausgesprochen. Demzufolge sollen nun eine Arbeitsgruppe gebildet und die Planungsarbeiten weiter vorangetrieben werden, so dass anlässlich der Wintergmeind über die Kostenbeteiligung der Einwohnergemeinde zur Realisierung des Pumptracks beschlossen werden kann.

So sieht ein Pumptrack aus. Hier in Baden-Dättwil unter der Bareggbrücke.

So sieht ein Pumptrack aus. Hier in Baden-Dättwil unter der Bareggbrücke.

Archivbild: Cristina Wenzinger

Die Stimmberechtigten haben zudem über einen Verpflichtungskredit für die Erneuerung der Treppenanlage und des Fusswegs zwischen Loonstrasse und Gartenweg entschieden. 294'000 Franken sind dafür vorgesehen. Wie der Gemeinderat mitteilt, bestehen am oberen Ende der Betontreppe Schäden, und der abfallende Fussweg stellt im Herbst und Winter aufgrund von nassem Laub und Eisglätte eine Gefahr dar. Der obere Abschnitt der Rampe soll deshalb abgeflacht und mit einzelnen Stufen unterbrochen werden. Zusätzlich wird ein Handlauf installiert, in den eine neue Beleuchtung integriert wird. Auch ein neuer Asphaltbelag und neue Stellplatten sind geplant. Die Arbeiten werden im Sommer 2022 ausgeführt – der Kredit wurde einstimmig angenommen.

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