Altlasten
Jetzt wehrt sich auch ein Grossrat gegen die Altlasten unter dem Kinderspielplatz

In Niederrohrdorf soll ein Wohnhaus mit Kinderspielplatz entstehen – und zwar genau dort, wo eine Firma jahrelang Produktionsabfälle ablagerte. Die Bevölkerung wehrt sich. Jetzt hat Grossrat Fabian Hauser (BDP) eine Interpellation eingereicht.

Erna Lang-Jonsdottir
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Auf einer ehemaligen Deponie der Egro AG in Niederrohrdorf soll ein Wohn- und Gewerbehaus mit Kinderspielplatz entstehen – das erhitzt die Gemüter.

Auf einer ehemaligen Deponie der Egro AG in Niederrohrdorf soll ein Wohn- und Gewerbehaus mit Kinderspielplatz entstehen – das erhitzt die Gemüter.

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Dass auf einer ehemaligen Deponie der Egro AG in Niederrohrdorf ein Wohn- und Gewerbehaus mit Kinderspielplatz entstehen soll – ohne dass die Altlasten vollständig und fachgerecht entsorgt werden – stösst nicht nur den Anwohnern des Weiherwegs sauer auf: BDP-Grossrat Fabian Hauser aus Birmenstorf hat, wie er sagt, «Wind von der Angelegenheit in Niederrohrdorf bekommen» und betreffend den Umgang mit Altlasten in Niederrohrdorf eine Interpellation beim Regierungsrat eingereicht.

Starke Schadstoffbelastung

«Die Firma Egro hat auf dem entsprechenden Grundstück früher Produktionsabfälle abgelagert», sagt Hauser. Wie dem Bericht des Geologiebüros Heinrich Jäckli aus Baden zu entnehmen sei, weise das mit Abfällen durchsetzte Auffüllmaterial starke Schadstoffbelastungen auf. Hauser zitiert in seiner Interpellation zwei weitere für ihn bedenkliche Passagen aus dem Geologiebericht: «Um zu verhindern, dass bei der Nutzung als Familiengarten oder als Kinderspielplatz vom verbleibenden stark belasteten Auffüllmaterial eine Gefährdung ausgeht, muss dieses ausreichend überdeckt sein». Und: «Unter dem Gebäude ist ein vollflächiges Entgasungssystem zu erstellen, damit sich die Deponiegase nicht ansammeln können» (die Aargauer Zeitung berichtete am 23.11.2012). Hauser betont gegenüber der az: «Egal wo – es darf nicht sein, dass eine Deponie zubetoniert wird und sich darunter weiterhin Gase bilden.»

Spätere Sanierung ungewiss

In seiner Interpellation an den Regierungsrat verweist Hauser unter anderem auf das Bundesgesetz über den Umweltschutz (Art. 32c): «Die Kantone sorgen dafür, dass Deponien und andere durch Abfälle belastete Standorte saniert werden, wenn sie zu schädlichen oder lästigen Einwirkungen führen oder die konkrete Gefahr besteht, dass solche Einwirkungen entstehen.» Demnach habe der Kanton eventuell künftig dafür besorgt zu sein, dass Deponien saniert werden, stellt Hauser fest. Die Frage an den Regierungsrat: «Wie stellt sich der Kanton eine Sanierung der Altlast vor, wenn ein Gebäude darauf steht?» Niemand habe die Gewissheit darüber, dass die besagte Deponie nicht dereinst sanierungsbedürftig werde. Mit einem Artikel aus der Altlasten-Verordnung doppelt Hauser nach: «Belastete Standorte dürfen durch die Erstellung oder Änderung von Bauten und Anlagen nur verändert werden, wenn ihre spätere Sanierung durch das Vorhaben nicht wesentlich erschwert wird oder sie, soweit sie durch das Vorhaben verändert werden, gleichzeitig saniert werden.»

Hauser geht davon aus, dass ihm in rund zwei Monaten eine Stellungnahme des Kantons vorliegt. Wie die Kosten bei einer Sanierung aufgeteilt würden, darüber hat Hauser keine Kenntnis. Für ihn ist klar: «Hier geht es nicht ums Geld, sondern um die Natur.»