Sonntag, 11 Uhr: Geri Müller betritt das Kulturcafé in Baden und begrüsst alle Gäste persönlich. Der ehemalige Stadtammann tritt seit der Abwahl aus der Stadtregierung letzten Herbst nicht mehr oft öffentlich auf. Eine Ausnahme macht er für seine Vortragsreihe unter dem Titel «Was uns bewegen sollte» im Café an der Rütistrasse. Vor einigen Wochen sprach er über die Rollen der Kriegsparteien im Syrien-Krieg, während das Diskussionsthema am Sonntag lautete: «Selbstbestimmung – eine Auseinandersetzung mit dem Missbrauch eines Trendworts».

In einer Rauchpause beantwortet der ehemalige Nationalrat und Grossrat der Grünen einige Fragen zu seinem Leben. Erste Frage: «Geri Müller, was machen Sie jetzt beruflich?» – «Ich bin wieder als Berater tätig. Ich habe meine Firma Gibellina Arts, für die ich in den vergangenen Jahren wenig Zeit hatte, wieder reaktiviert.» Er sei gefragt als Berater, auch dank seiner internationalen Kontakte, sagt Müller, der einst Mitglied der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats war. Bei Gibellina Arts handelt es sich laut Website um ein «vielfältiges Unternehmen»: Neben dem Tonträgerhandel und der Organisation von verschiedenen Anlässen sucht die Firma im kulturellen-künstlerischen Bereich «Lösungen für die unterschiedlichsten Probleme».

«Mir langweilig? Nein, nein»

Zweite Frage: «Ist Ihnen nicht langweilig ohne Politik?» Geri Müller pustet den Zigarettenrauch lachend aus und sagt: «Mir langweilig? Nein, nein, ich habe viel zu tun. Die Beratertätigkeit bereitet mir sehr viel Freude. Auch, weil ich mich wieder mit internationalen Themen beschäftigen kann, so wie früher. Ich gehe sozusagen «back to the roots».

Zu seinem Leben nach der Ära als Stadtammann gehören auch Vorträge. Zurück im Café, fährt er mit seinen Ausführungen fort. Er erklärt, wie das Wort «Selbstbestimmung» im Zusammenhang mit Psychologie, Pädagogik, Religion, dem Internet, der Gemeindeautonomie und dem Internationalen Recht verstanden werden könnte. Die Diskussion mit den rund zwanzig Teilnehmern dreht sich um nichts weniger als Erziehung, Fussball, den Tibet und China, Managerlöhne, Immanuel Kant, griechische Etymologie, Sigmund Freud, Beschneidungen in Somalia und gesellschaftlichen Narzissmus.

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Keine Gedanken über Rückkehr

Und die dritte Frage, die er in der Pause beantwortete: «Geri Müller, ist ein Comeback als Nationalrat für Sie ein Thema?» Müller lacht, ehe er antwortet: «Das glauben Sie mir jetzt vielleicht nicht, aber dazu habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich geniesse im Moment die Freiheiten, nicht in einem Parlament zu sitzen oder an ein Amt gebunden zu sein.»

Und zuletzt sagte Müller, was für ihn – neben vielem anderen – Selbstbestimmung ist: «Keine Krawatte zu tragen.»

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