Baden-Dättwil
Extremsportlerin Nina Vogelsanger: «Downhill heisst für mich Freiheit»

Die Dättwilerin Nina Vogelsanger belegte an den Schweizer Meisterschaften den sechsten Rang - das reicht ihr aber noch nicht.

Cristina Wenzinger
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Aus Langeweile fand Nina Vogelsanger zu ihrer Leidenschaft.
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Nina Vogelsanger an der Schweizer Meisterschaft auf der Lenzerheide
Nina Vogelsanger an der Schweizer Meisterschaft auf der Lenzerheide
Auf dieser Strecke fand dieses Jahr auch die Weltmeisterschaft statt

Aus Langeweile fand Nina Vogelsanger zu ihrer Leidenschaft.

Badener Tagblatt

Sie ist «nicht so die Hochtreterin». Downhillerin Nina Vogelsangers liebste Gangart mit dem Fahrrad ist bergab. Schon seit acht Jahren betreibt die Dättwilerin die Extremsportart Downhill. Aber was ist das eigentlich? Downhill ist eine besondere Variante des Radsports. Es geht stets bergab: so steil wie möglich, so schnell wie möglich. Hindernisse wie Steine, Wurzeln, loser Untergrund oder Bodenwellen erfordern vom Fahrer höchste Konzentration. Jede Strecke hat ihre Schwierigkeiten, jede Unaufmerksamkeit ihre Folgen.

Vor acht Jahren ist Nina Vogelsanger erstmals mit dem Extremsport in Kontakt gekommen. Als sie in der Lenzerheide in den Ferien war, besuchte sie den dortigen Bikepark. «Eigentlich ging ich nur aus Langeweile. Als ich dann aber ein-, zweimal die Strecke runtergefahren bin, hatte ich unglaublichen Spass.» Dies war der Augenblick, an dem das Downhillfahren zum Lieblingshobby der 19-Jährigen wurde.

Ihr Wohnort eignet sich schlecht für ihr Hobby

Letzten Sommer machte Nina Vogelsanger an der Kantonsschule Baden die Matura. Nun ist sie in einem Zwischenjahr, in dem sie Geld verdienen und so viel Fahrrad fahren will, wie es geht. Zurzeit arbeitet sie Teilzeit bei der Backwaren-Kette «Dunkin’ Donuts» in Zürich und kümmert sich um das Online Management der Firma Zanotelli. Aber auch das Fahrradfahren kommt nicht zu kurz. «Ich fahre sicher mindestens eine Stunde pro Tag», sagt sie.

Dättwil als Wohnort ist nicht ideal zur Ausübung ihres Sports. Es gibt keine hohen Berge mit dazugehörigem Lift in der Nähe. Somit sei es schwer, Abfahrten zu trainieren. «Allerdings kann man hier gut Tricks und Sprünge lernen. Ich bin oft im Skatepark Dättwil anzutreffen», sagt Vogelsanger. Im Aargau gibt es bis jetzt keine gekennzeichnete Mountainbike-Strecke. Es gibt Wege, die man mit dem Downhill runterfahren kann, beispielsweise auf der Baldegg. Doch wie so oft gilt auch diese Strecke offiziell als Wanderweg. «Und wenn man selber eine Strecke durch den Wald bauen will, kommt das nicht sonderlich gut an. Da habe ich auch bereits meine Erfahrung», sagt Vogelsanger und grinst.

«Das Vorurteil, das Downhill nicht anstrengend sei, habe ich schon oft gehört», sagt sie. Viele unterschätzen den Sport. «Auch wenn man nur runterfährt, die vielen Schläge, Kurven und Sprünge sind physisch sehr belastend. Eigentlich ist der ganze Körper immer unter Spannung», sagt Vogelsanger.

Ein nicht ungefährliches Hobby

Wie das bei einer Extremsportart so ist, ist das Downhillfahren nicht ungefährlich. Auch Nina Vogelsanger musste das schon am eigenen Leib erfahren. Als sie über einen neuen Jump springen wollte, schätzte sie die Situation falsch ein. «Ich fuhr viel zu schnell, was dazu führte, dass ich zu weit flog. Lange Rede kurzer Sinn: Ich brach mir das Schlüsselbein.» Mit Verletzungen müsse man in diesem Sport rechnen, doch das soll einen nicht an der Ausführung hindern. «Jeder Anfang ist schwer», sagt sie.
Nina Vogelsanger nahm an der diesjährigen Schweizer Downhill-Meisterschaft teil. Die Veranstaltung fand in der Lenzerheide statt. Auf der dortigen Strecke fand bereits die Weltmeisterschaft statt. «Dementsprechend schwierig ist sie», sagt die 19-Jährige. Schlussendlich landete Vogelsanger auf dem sechsten Platz. «Meine Leistung war solide. Ich bin mit meiner Platzierung zwar zufrieden, hätte aber vielleicht auch mehr erreichen können», so die Dättwilerin.
Nina Vogelsangers Ziel ist es, einmal an einem Worldcup-Rennen mitzufahren. «Dabei spielt es für mich nicht wirklich eine Rolle, auf welchem Platz ich lande, sondern eher, überhaupt mitzumachen», sagt sie. Auf jeden Fall werde sie ihr Hobby nicht so bald aufgeben. Denn: «Während des Fahrens habe ich einige der schönsten Orte entdeckt. Downhill heisst für mich Freiheit», sagt Vogelsanger.

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