Bezirksgericht Baden
Veruntreuung beim Restaurant-Verkauf: Protokollführer kassiert 40'000 Franken, statt sie zu überweisen

Ein 44-jähriger Familienvater musste sich vor allem wegen Veruntreuung vor dem Bezirksgericht Baden verantworten. Seine wortreichen Ausführungen halfen ihm nicht.

Rosmarie Mehlin
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Das Geld behielt der Beschuldigte und überwies es nicht. (Symbolbild)

Das Geld behielt der Beschuldigte und überwies es nicht. (Symbolbild)

Alessandro Crinari / Keystone

Vor Einzelrichterin Angela Eckert sass der 44-jährige Bauhandwerker Amir (alle Namen geändert), beschuldigt der mehrfachen Veruntreuung, der Fälschung von Ausweisen sowie der Sachbeschädigung und Tätlichkeiten. Amir – kräftig gebaut, volles Haar und Bart – erschien ohne seinen Anwalt. Den hatte er, als dessen Rechnungen immer astronomischer wurden, entlassen.

Vor Gericht beteuerte er seine Unschuld wortreich und geriet dabei vom Hundertsten ins Tausendste mit seiner Version der Geschichte, die jene in der Anklageschrift Lügen strafte. Im Hauptanklagepunkt ging es um eine Liegenschaft mit Restaurant in einer grösseren Gemeinde im Bezirk Baden. Das Objekt war von der Besitzerin, einer vom Ehepaar Meier gegründeten GmbH, an Amir vermietet.

Im März 2018 hatten die Meiers für Reparaturen an der Lüftung 4800 Franken an Amir überwiesen, im Mai weitere 7000 Franken für zwei Schiebetüren. Laut Anklage hat Amir die Beträge statt zweckgebunden zu verwenden für sich behalten.

Er fungierte bei Verkauf als Protokollführer

Im Juli 2018 ging es um den Verkauf der Liegenschaft an Ünal. An einer Gesellschafterversammlung, an der Amir als Protokollführer fungierte, erhielt das Ehepaar Meier von Ünal Stammanteile in Höhe von 40'000 Franken in bar. Es übergab das Geld an Amir mit dem Auftrag, den Betrag aufs Konto der GmbH zu überweisen.

Gemäss dem Ehepaar Meier hatte Amir dies unterlassen, weshalb die Staatsanwältin den eingebürgerten Österreicher im September 2020 der mehrfachen Veruntreuung anklagte. Frau Meier, so Amir, habe das Geld mitnichten ihm gegeben, sondern es in ihre Tasche gesteckt – alles andere sei gelogen. Amir:

«Tatsache ist, dass die Meiers mir 100'000 Franken versprochen hatten, wenn ich den Verkauf direkt, also ohne Makler, abwickle, was ich tat. Das versprochene Geld aber ich nie gesehen.»

In einem gewaltigen Redeschwall erwähnte Amir, dass er das Restaurant in besagter Immobilie komplett umgebaut gehabt und dass das Ehepaar Meier im Zusammenhang mit dem Verkauf eine Million Schwarzgeld beiseitegeschafft habe.

Immer wieder betonte der dreifache Vater seine Unschuld und lamentierte, er sitze hier als Beschuldigter nur wegen einer 2004 kassierten Vorstrafe – «das war eine Jugendsünde».

Vorwurf: Türkischen Gesellenbrief gefälscht

Einen Ausweis gefälscht habe er auch nicht. Gemäss der Staatsanwältin hatte Amir 2017, der damals in einem Stellenvermittlungsbüro arbeitete, eine Untergebene dazu gebracht, für ihn ein Dokument abzuändern.

Es ging, laut Anklage, um einen türkischen Gesellenbrief, der Amirs Cousin das berufliches Fortkommen erleichtern sollte. «Die Mitarbeiterin, die mir angeblich behilflich gewesen sein soll, war ja hier nicht einmal angemeldet.»

Die Anklagepunkte Sachbeschädigung und Tätlichkeiten, allerdings nahm der 44-Jährige vollumfänglich auf seine Kappe. Es ging um einen Vorfall, der sich im November 2019 zugetragen hatte. Amir war durch ein Fahrverbot gefahren, was ein Anwohner fotografierte.

Amir war ausgestiegen, hatte den Mann an den Kleidern gezerrt, ihm das Handy aus der Hand geschlagen, es aufgehoben und gegen die Hauswand geworfen. «Es hat in Strömen geregnet. Nur deshalb habe ich meine fünfjährige Tochter bis vor den Kindergarten gefahren.» An den anwesenden Geschädigten gewandt, entschuldigte sich Amir in aller Form.

In diesem Punkt stellte Richterin Eckert das Verfahren ein. Betreffend Veruntreuung der Reparatur- und Investitionskosten von insgesamt 11800 Franken sprach sie Amir frei, verurteilte ihn indes wegen Veruntreuung von 40000 Franken sowie wegen Fälschung von Ausweisen.

Angesichts der finanziellen Lage des Verurteilten, reduzierte Richterin Eckert gegenüber den Anträgen der Staatsanwältin die bedingte Geldstrafe von 8000 auf 5000 Franken sowie die Busse von 1700 auf 800 Franken. Bezahlen muss der 44-Jährige auch die Gerichts- und Anklagegebühren in Gesamthöhe von 2300 Franken. Herrn Meier werden als Schadenersatz 20000 Franken zugesprochen.