Bezirksgericht Baden
Bluttat in Nussbaumen: Messerstecher akzeptiert das Urteil nun doch und muss in die Psychiatrie

Im September 2020 würgte ein heute 28-jähriger Schweizer seine eigene Mutter und stach mit einem Messer auf eine andere Frau ein. Das Urteil des Bezirksgerichts Baden ist nun rechtskräftig.

Philipp Zimmermann
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Die Polizei beim Einsatz im September 2020.

Die Polizei beim Einsatz im September 2020.

TeleM1

Der psychisch kranke 28-Jährige, der im September 2020 seine Mutter und eine Frau in Nussbaumen angriff, muss eine stationäre Massnahme in einer psychiatrischen Klinik absolvieren. Das entsprechende Urteil des Bezirksgerichts Baden vom vergangenen Juli ist nun rechtskräftig.

Der Beschuldigte hatte erst Berufung gegen das Urteil erhoben, weil er eine ambulante Therapie forderte, und die Verhandlung vor dem Aargauer Obergericht war bereits für den 16. Dezember angesetzt. Der 28-Jährige zog aber die Berufung zurück, wie aus dem Beschluss des Obergerichts hervorgeht.

Eine stationäre Massnahme wird auch «kleine Verwahrung» genannt. Diese Massnahme wird angeordnet, wenn eine Tat in einem direkten Zusammenhang mit einer psychischen Störung eines Täters steht und eine Therapie dessen Rückfallrisiko senken kann.

So berichtete TeleM1 über die Taten vom September 2020.

TeleM1

Mutter und weitere Frau angegriffen

Zur Bluttat in Nussbaumen, einem Ortsteil der Gemeinde Obersiggenthal, war es am 5. September 2020 gekommen: Der junge Mann mit Wohnort im Kanton Zürich war zu Besuch bei seiner damals 53-jährigen Mutter. Gemäss eigenen Angaben war er psychisch angeschlagen und litt unter akuten Suizidgedanken. Nach einem Spaziergang griff er seine Mutter in ihrer Wohnung an und würgte sie.

Als die Mutter um Hilfe schrie, kam ihr eine damals 51-jährige Frau zu Hilfe. Der Sohn liess nun von der Mutter ab und griff die andere Frau an: Mit einem Steakmesser stach er vier Mal im Hals- und Brustbereich auf sie ein. Sie konnte auf den Balkon flüchten und schrie um Hilfe, was mit dem folgenden Polizeieinsatz und Strassensperrungen für grosses Aufsehen sorgte.

Der 28-Jährige folgte ihr und würgte nun auch sie. Als die schwer verletzte Frau kaum noch Luft bekam, stellte sie sich tot. Der Angreifer liess nun von ihr ab und blieb mit dem Kopf auf ihren Hüften liegen, bis die Polizei festnahm. Sie überlebte den Angriff.

Akuter Schizophrenie-Schub

Laut einem psychiatrischen Gutachten litt der Mann zur Tatzeit erstmals an einem akuten Schub einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Das Badener Gericht befand ihn für schuldunfähig. Gegenüber dem Gutachter hatte der 28-Jährige von einer Stimme erzählt, die ihm gesagt habe: «Du sollst deine Mutter würgen.» An seine Taten konnte er sich, wie er vor Gericht sagte, nicht erinnern. «Es ist schockierend und ich kann es selber gar nicht glauben.»

Die Staatsanwaltschaft Baden hatte auf eine Anklage wegen mehrfacher versuchter Tötung verzichtet, sondern die Anordnung einer stationären Massnahme beantragt. Sein Verteidiger hatte für eine ambulante Therapie plädiert.