Bezirk Baden
Der grosse Güselsack-Vergleich: In welcher Gemeinde der Abfall am teuersten ist – und wieso

Je nach Wohnort im Bezirk Baden zahlen Einwohner fast das Dreifache für den Abfall. Dies zeigt der Überblick über die Entsorgungskosten. Wir haben nachgefragt, wie die Preisunterschiede zu Stande kommen.

Rahel Künzler
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In Baden kostet die Zehnerrolle 35-Liter-Säcke 15 Franken – im Vergleich mit anderen Gemeinden schneidet die Bezirkshauptstadt gut ab.

In Baden kostet die Zehnerrolle 35-Liter-Säcke 15 Franken – im Vergleich mit anderen Gemeinden schneidet die Bezirkshauptstadt gut ab.

Rahel Künzler

Vor einem Wohnortwechsel lohnt es sich, nebst dem Steuerfuss auch Gebühren zu checken – etwa die für die Abfallentsorgung. Das BT hat verglichen, welche Kosten für die Kehrichtabfuhr in den 26 Gemeinden im Bezirk Baden anfallen.

156 Kilogramm Hauskehricht inklusive Sperrgut produziert jede Aargauerin und jeder Aargauer jährlich, laut der kantonalen Abfallstatistik. Ein 35-Liter-Sack ist gemäss Bundesamt für Umwelt durchschnittlich 4,4 Kilogramm schwer. Das wären rund 35 Säcke pro Person und Jahr.

Für die Übersicht im Bezirk Baden gehen wir von einem Haushalt aus, der pro Woche einen 35-Liter-Sack füllt. Die Kosten für diese Annahme haben wir hochgerechnet und die Jahresgrundgebühr hinzugezählt – sofern eine solche erhoben wird. Unsere Auswertung zeigt: Je nach Wohnort zahlen Einwohnerinnen und Einwohner fast 200 Franken mehr für die gleiche Abfallmenge.

Wohlenschwil ist am teuersten

Am günstigsten ist die Abfallentsorgung in Stetten. Das 2200-Seelen-Dorf im Reusstal erhebt keine Grundgebühr. Eine Zehnerrolle 35-Liter-Säcke kostet 22 Franken. Wer jede Woche einen Sack füllt, zahlt jährlich 114 Franken. Fast dreimal so teuer ist hingegen die Nachbargemeinde Wohlenschwil: Zehn Säcke kosten hier 30 Franken, hinzu kommt eine Grundgebühr von 150 Franken. Bei einem Sack pro Woche macht das jährlich 306 Franken.

Die Gemeinden müssen den Abfall gemäss nationalem und kantonalem Umweltgesetz verbrauchergerecht und kostendeckend entsorgen. Mit den Gebühren sollen sie die laufenden Kosten decken. Sie dürfen jedoch nichts mit der Abfallentsorgung verdienen. Warum aber gibt es diesen grossen Preisunterschied? Angesprochen auf die hohe Grundgebühr in Wohlenschwil sagt der für die Abfallentsorgung zuständige Gemeinderat Roger Aerne: «Das ist uns bewusst. Darin sind aber auch die Kosten für die Grünabfuhr und Astmaterial enthalten.» Zusätzlich veranstalte die Gemeinde jedes Jahr einen «Entrümpelungstag» mit Tauschbörse. Dort konnten Sperrgut und weitere Sonderabfälle zuletzt gratis in Mulden entsorgt werden.

Gemeinderat: «Wir wollen die effektiven Kosten verrechnen»

Erne möchte das Wohlenschwiler Entsorgungssystem allerdings innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre neu gestalten. «Früher hatten wir im Dorf viele Einfamilienhausbesitzer, jetzt kaufen immer mehr Leute Wohnungen und haben nicht mehr die gleichen Ansprüche an die Entsorgung.» Die verschiedenen Bestandteile der Abfallrechnung zu analysieren und alternative Modelle zu prüfen, brauche viel Zeit. Klar sei, die Sack- sowie die Grundgebühr sollen günstiger werden.

Die Gemeinden Mägenwil, Würenlingen und Stetten verzichten auf eine Grundgebühr. Anton Birrer, Gemeinderat in Stetten, sagt:

«Wir wollen die effektiven Kosten verrechnen. Darum haben wir bewusst auf eine Pauschale verzichtet.»

Alle zwei bis drei Jahre werde die Sackgebühr an die Abfallrechnung angeglichen. Auf die Frage, weshalb Abfall entsorgen in Mägenwil so billig ist, sagt Gemeindeschreiber Matthias Däster: «Wir haben viele Firmen und Mehrfamilienhäuser mit Containern. So können wir den Abfall effizient sammeln.»

Dem stimmt auch Thomas Stirnemann, Werkhofleiter in Baden, zu: «Abfall sammeln in einem Einfamilienhausquartier mit vielen 15- und 35-Liter-Säcken ist zeitaufwendig. Die gleiche Menge, die wir in einem Quartier in einer Stunde sammeln, haben wir in einem Industriegebiet in 15 Minuten.»

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