Baden
Ein Strassentheater wirbelte auf dem Theaterplatz eine Woche viel Staub auf

Das «Variété Pavé» verwandelte den Theaterplatz in Baden in einen Jahrmarkt der Illusionen und begeisterte das Publikum. Trotz der zentralen Lage gab der Standort zu reden.

Ursula Burgherr
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Spektakuläre Produktion mit Feuer und Rauch: Zirkusdirektor Rafael Kost in seinem Element auf dem Theaterplatz.

Spektakuläre Produktion mit Feuer und Rauch: Zirkusdirektor Rafael Kost in seinem Element auf dem Theaterplatz.

Ursula Burgherr

Ein Magier, der durch einen Spiegel läuft; der einzige mechanische Dackel der Welt, der nicht nur Sitz und Platz macht, sondern auch die Wurzel aus 1936:2 berechnen kann und das Resultat in kleinen Kothäufchen auf der Bühne deponiert; schwebende Clowns und ein Ätherwelleninstrument namens Theremin, dass ohne direkte Berührung der Hände «La vie en rose» spielt.

Das Strassentheater wurde 2013 von Rafael Kost in Sursee gegründet.

Das Strassentheater wurde 2013 von Rafael Kost in Sursee gegründet.

Ursula Burgherr

Bei «Variéte Pavé», das die ganze letzte Woche mit seiner neuen Produktion «Ironius» auf dem Theaterplatz in Baden gastierte, gibt es nichts, was unmöglich ist. Das Strassentheater wurde 2013 von Rafael Kost in Sursee gegründet. Er gibt in der Produktion den Zirkusdirektor im nostalgischen Frack und erweist sich als spektakulärer Feuerschlucker. Manchmal scheint die ganze Bühne in Brand zu stehen.

Aber das ist natürlich alles Kalkül und findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Aus dem künstlichen Nebel steigt Artistin Rahel Merz empor. Alle Blicke im Publikum richten sich nach oben, wenn sie an ihren Tüchern und Ringen ihren grazilen Tanz der Lüfte macht. Sie ist die einzige Aargauerin in der Produktion.

Klein, aber fein und alles Vollprofis

Die Produktion «Ironius» kam beim jungen Pubilkum besonders gut an.

Die Produktion «Ironius» kam beim jungen Pubilkum besonders gut an.

Ursula Burgherr

Was sie so leicht erscheinen lässt, ist ein unglaublicher und waghalsiger Kraftakt. Maximilian Meier und Matthias Zogg, die als Clowns agieren, animieren Passantinnen und Passanten im Vorfeld der Vorstellung spontan, die Show zu besuchen. Einige laufen achtlos vorbei. Andere bleiben dann aber doch stehen, setzen sich auf einer der Holzbänke und lassen sich für eineinhalb Stunden aus dem Alltag entführen.

Zahlreiche Kinder sind dabei. Am Anfang noch schüchtern, quietschen sie bald vor Vergnügen. Denn das «Variété Pavé» ist zwar ein kleiner Betrieb ohne Hochglanz und Perfektion wie es die grossen Zirkusse bieten. Aber alle Artisten sind Vollprofis mit Ausbildung an internationalen Zirkusschulen, die ihr Metier aufs Beste beherrschen. Aus Akrobatik, Comedy, Gesang, Jonglage, Magie und Feuerkunst entsteht ein perfektes Zusammenspiel, das an vergangene Gauklerzeiten erinnert.

Der Kampf um Unterstützung von Kulturfördergelder

Rahel Merz ist die einzige Aargauerin in der Produktion.

Rahel Merz ist die einzige Aargauerin in der Produktion.

Ursula Burgherr

«Pavé» heisst auf Deutsch Kopfsteinpflaster. «Wir spielen auf den Pflastersteinen, welche die Welt bedeuten», sagt Zirkusdirektor Kost dazu. Rund 100 Openair-Vorstellungen absolviert er mit seinem Team pro Jahr. Alle finanzieren sich aus dem Hut, der am Schluss der Vorstellung herumgeht. Rafael Kost sagt:.

«Wir beantragen auch Kulturförderungsgelder. Aber die werden oft abgelehnt, weil wir von der Hutsammlung leben und keine Eintritte verlangen. Viele empfinden uns dadurch als minderwertig.»

Dass dies nicht der Fall ist, zeigt das begeisterte Publikum. «Wir machen Zirkus ohne Schwellen. Jeder kann genau den Betrag bezahlen, den ihm die Vorstellung wert war. Umso mehr strengen wir uns jeden Abend an, dass unsere Performance wirklich gut wird und überzeugt.»

Platzgebühr teurer als in anderen Städten

Der Theaterplatz in Baden war für ihn ein eher schwieriges Pflaster. «Er liegt etwas abseits. Normalerweise sind wir mitten in der Passantenzone. Die Platzgebühr ist zudem teurer als in manch anderen Städten. Und der Mergelsand auf dem Boden verursacht unglaublich viel Staub. Wir müssen die ganze Zeit putzen.»

Während der Tournee leben die vier Artisten in einem kleinen Wohnwagen, den sie während ihrer Auftritte in Baden auf dem Schulhausplatz abstellen durften. Die Platzverhältnisse sind eng. «Natürlich gibt es dadurch auch manchmal Reibereien. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus. Aber wir inspirieren uns gegenseitig und haben es mittlerweile mega gut zusammen», meint Rahel Merz. Das liess sich auch während der Show spüren. Alle, die dabei waren, gingen mit einem Lächeln in ihrem Gesicht nach Hause.

Luftakrobatin Rahel Merz begeistert das Publikum.

Ursula Burgherr