Nach Übernahme
Adieu Alstom: Nun zieht General Electric definitiv in Baden ein

Die Übernahme von Alstom durch den US-Riesen General Electric ist erst seit wenigen Tagen definitiv. Schon wird beim Konnex in Baden wird das neue Firmen-Logo montiert. Drinnen zieht die GE mit zwei Hauptsitzen ein.

Roman Huber
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Das als Turbine geformte O wird demontiert
8 Bilder
Schluss mit der Alstom-Leuchtschrift am Konnex
Und weg ist die Leuchtschrift
Aus Alstom wird in Baden General Electric
Auch im Innern des Konnex wird aus Alstom GE
Am Konnex-Gebäude ist das GE-Signet montiert worden
Das GE-Signet ist oben
Beim Konnex weicht der Alstom-Schriftzug dem GE-Logo.

Das als Turbine geformte O wird demontiert

zvg

Adieu Alstom, Welcome General Electric! Seit dem 1. November ist Alstom Power definitiv Vergangenheit. Die Übernahme des Energiebereichs des französischen Konzerns durch den amerikanischen Grosskonzern General Electric ist vollzogen worden. General Electric (GE) Power hat künftig auch in der Badener Energie-Metropole das Sagen. Daran ändert auch nichts, dass es beim Telefonanruf am Dienstag noch «Alstom Schweiz» am andern Ende der Leitung geheissen hat. Und wenn es auch noch Tage und Wochen brauchen wird, bis sämtliche Schriftzüge, die an den französischen Konzern erinnern, verschwunden sind, so sind doch die optisch auffälligsten Leuchtschriften am Konnex-Gebäude nun ersetzt worden.

Drinnen wird wie bisher mit derselben Belegschaft weitergearbeitet. Dies lässt seitens GE auch der beauftragte Kommunikationsspezialist Stefan Bannwart so verlauten. Welche Bedeutung dem Standort Baden innerhalb weltweit 65 000 GE-Power-Angestellten in einigen Jahren zukommen wird, weiss man erst, wenn sich das Räderwerk des neu formierten Energie-Giganten eingespielt hat.

Zwei Hauptsitze für Baden

In Baden, Birr und Turgi sind 6000 Mitarbeitende von der Transaktion betroffen. Wie im September aufgrund der Intervention der Europäischen Wettbewerbskommission entschieden wurde, geht ein Teil der Gasturbinensparte an die italienische Ansaldo Energia, an welcher der chinesischen Elektrokonzern Shanghai Electric beteiligt ist. Damit werden 420 Alstom-Mitarbeitende (350 in Baden, 70 in Birr) nicht zu GE, sondern zu Ansaldo transferiert.

Von den sechs Geschäftsfeldern der GE Power werden zwei Hauptsitze in Baden angesiedelt: CEO Paul McElhinney wird die GE Power Services von Baden aus führen, und von der Alstom wird Andreas Lusch als CEO der GE Steam Power Systems ebenfalls in Baden ansässig bleiben.

Alstom wird sich nach dem Abschied aus dem Energiegeschäft auf seine Zugsparte beschränken. Die gesamte Übernahme der Alstom-Energiesparte kostete GE letztlich 9,7 Milliarden Euro.

«Die anfängliche Unsicherheit ist einer grossen Freude gewichen, dürfen wir doch davon ausgehen, dass die ehemalige Alstom auch unter der Flagge von GE weiter in Baden Bestand halten kann», erklärt Stadtammann Geri Müller. «Es ist für Baden wichtig, dass die getroffenen Konzern-Entscheide nun lokal sichtbar und greifbar werden. Der neue Eigentümer GE hat sich für unseren Wirtschaftsstandort entschieden. Das ist ein starkes Signal weit über die Region hinaus.»

Finanztechnisch ändert sich mit dem neuen Label nichts für Baden. «Solange das Unternehmen mit seinen Angestellten hier ansässig ist und keine Verlagerungen stattfinden», sagt Thomas Bumbacher, Leiter Finanzen der Stadt. Würde Gewinn erwirtschaftet, so stiege damit der Steuerertrag. Was die Zukunft unter GE der Stadt an Steuereinnahmen bringen werde, das könne jedoch nicht vorausgesagt werden, meint Bumbacher. Würde die Mitarbeiterzahl stark reduziert, so müsste man mit einer Einbusse bei den Steuereingängen der natürlichen Personen rechnen.

In den besten Jahren waren es die «Triple A» (ABB, Alstom, Axpo), die einen grossen Teil der bis zu 35 Mio. Franken Aktiensteuern beitrugen. Inzwischen budgetiert die Stadt mit 17 Mio. Franken. Die Gewinnsteuern – auch der Axpo – sind zusammengefallen. Die einst satten Millionenbeträge der «Triple A»-Firmen reduzierten sich zu knapp siebenstelligen Summen.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema hier.

Vom ersten Schock über Worst-Case-Szenarien bis zum abgeschlossenen Deal

Dass es um die Energiesparte von Alstom nicht gut steht, machte sich bereits Ende 2013 und Anfang 2014 bemerkbar, als für die Schweiz eine Jobabbau-Runde bekannt gegeben wurde. Hauptgrund: Das Kerngeschäft mit den thermischen Kraftwerken und Turbinen war konjunkturbedingt eingebrochen. Mitte April 2014 ging es dann mit ersten Übernahmegerüchten durch die General Electric los. Damals war von einem Angebot bei 9,4 Milliarden Euro die Rede. Alstom stand definitiv vor dem Ausverkauf. Das liess in Baden, Hauptsitz von Alstom Thermal Power, die rund 45 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, aufhorchen. Siemens geriet als möglicher Übernehmer plötzlich in die Diskussionen um Alstom. Bereits vier Jahre zuvor kriselte es bei Alstom. Aufgrund des Leistungsausweises hielt sich der Standort Schweiz und entging einem grossen Stellenabbau.

Alstom wollte zu GE, die französische Regierung liebäugelte mit Siemens. Das bewog den GE-Chef Jeffrey Immelt, den Abzug des Schweizer Standortes nach Frankreich anzubieten. Dagegen setzte sich unter anderem Alt-Bundesrat Joseph Deiss als VR-Präsident von Alstom Schweiz zur Wehr. Der leistungsstarke Standort Schweiz gab zu grossen Hoffnungen Anlass. Im Dezember besiegelten die Alstom-Aktionäre den Verkauf der Energiesparte an GE. Diesen Sommer einigte sich GE mit der EU-Kommission und machte Zugeständnisse. Anfang September segnete Brüssel die Übernahme ab. (-rr-)

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