Auspufflärm: Lenker freigesprochen

Der Motor heulte ausgerechnet vor dem Polizeiposten auf.

Stefania Telesca
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Er entspricht nicht dem Bild, das man von einem Autoposer haben könnte. Daniel (Name geändert), 22 Jahre alt, spricht anständig und klar über den Samstagnachmittag, der ihn gestern Freitag in den Gerichtssaal in Kulm brachte. Im Februar 2019 lieh er sich mit einem Freund den Mercedes AMG eines Bekannten. Gemeinsam fuhren die beiden einen Nachmittag lang durch den Aargau.

Daniel, der selber in der Autobranche die Lehre gemacht hat und seither auch arbeitet, kennt sich mit dem Mercedes aus. Ein sportliches Auto, das von Haus aus verschiedene Fahrmodi anbietet: Eco, Comfort, Sport, Sport Plus und Racing. Ausserdem kann das Auto sowohl im Automatikmodus als auch manuell, am Lenkrad geschaltet werden, wie er gegenüber der Bezirksrichterin Yvonne Thöni Fäs ausführte.

Beim Fahrerwechsel soll der Irrtum passiert sein

Wenige Meter vom Kulmer Gerichtssaal und von dem im Parterre stationierten Polizeiposten entfernt, wohnt die Mutter von Daniels Freund. An jenem Nachmittag fuhren die zwei jungen Männer bei ihr vorbei, um ihr das Auto zu zeigen. Danach erfolgte ein Fahrerwechsel. Daniel setzte sich hinter das Lenkrad und fuhr los. Wie er erzählt, habe sich das Fahrzeug noch im manuell geschalteten Modus befunden. Er sei aber davon ausgegangen, dass das Auto automatisch in den nächsten Gang schalten würde. Im ersten Gang fuhr er also am Polizeiposten vorbei in Richtung Hauptstrasse. Der Motor sei immer lauter geworden, als er beschleunigte und den Gang nicht wechselte.

Von seinem Arbeitsplatz aus hörte ein Polizist den aufheulenden Motor, schaute dem Mercedes nach und machte den Eigentümer ausfindig. Kurze Zeit später wurde Daniel per Anruf zum Polizeiposten in Kulm beordert und angezeigt. Der Vorwurf: Daniel habe das Auto im Sportmodus derart stark im ersten Gang beschleunigt, dass der Motor den roten Drehzahlbereich erreichte und der Auspuff laute Knallgeräusche erzeugte. Daniel habe innerorts bewusst unnötigen Lärm verursacht. Per Strafbefehl wurde er zu einer Busse von 200 Franken verurteilt. Dagegen erhob er Einsprache.

Das Auto war nicht illegal aufgemotzt

«Gewisse Modelle von Mercedes AMG sind so ausgelegt, dass sie solche Knalleffekte aus dem Auspuff erzielen», erklärte der junge Mann der Richterin. Das Auto, argumentierte auch Daniels Verteidiger, sei nicht ein illegal aufgemotztes gewesen.

Die Motorenlärmproblematik ist im Aargau ein umstrittenes Thema. Die Aargauer Kantonspolizei geht gezielt gegen Raser und Poser vor und verzeigt bei Kontrollen regelmässig Lenker, die vermeidbaren Auspufflärm verursachen. Besteht der Verdacht darauf, dass die Auspuffanlage illegal manipuliert sein könnte, beschlagnahmt die Polizei auch Autos. Auch SP-Nationalrätin Gabriela Suter fordert ein Mindestalter für den Besitz PS-starker Autos und ein Fahrverbot für lärmende Motorräder.

«Nicht jeder Lärm darf zu einer Strafe führen», argumentierte Daniels Verteidiger. An jenem Samstag sei nicht gemessen worden, wie laut das Geräusch wirklich gewesen sei.

Die Gerichtspräsidentin folgte dieser Argumentation und sprach den Lenker von Schuld und Strafe frei. Es gebe keinen Beleg dafür, dass er das Fahrzeug bis in den roten Drehzahlbereich beschleunigt habe. Fahrzeuge mit unterschiedlichen Fahrmodi seien zugelassen und es sei klar, dass diese im Sportmodus lauter seien. Strafbar mache man sich nur, wenn man bewusst vermeidbaren Lärm erzeuge. Und diesen Vorwurf könne man dem Beschuldigten nicht machen.

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