Ecopop-Initiative
Aargauer Firmenboss: Ohne Freizügigkeit ist Schweiz ein Drittstaat

Hans-Peter Zehnder hält das Freizügigkeitsabkommen mit der EU für zu wichtig, als dass man es mit einem Ja zur Ecopop-Initiative aufgeben dürfte. Doch besonders von einem anderen Abkommen profitiert die Aargauer Zehnder Gruppe fast noch mehr.

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Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Heizkörper-Unternehmensgruppe Zehnder, Gränichen

Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Heizkörper-Unternehmensgruppe Zehnder, Gränichen

Emanuel Freudiger

Während der Bundesrat für die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative in Brüssel einen gewissen Verhandlungsspielraum hat, wäre die Sache nach einem Ja zu Ecopop am 30. November klar: Das 2002 in Kraft getretene Freizügigkeitsabkommen mit der EU wäre Geschichte. Und mit ihm wohl auch die per Guillotine-Klausel miteinander verknüpften weiteren sechs Abkommen der Bilateralen I.

Neben dem drohenden Fachkräftemangel beschäftigt die Wirtschaft im Vorfeld der Ecopop-Abstimmung deshalb vor allem die Frage, wie ihre Welt ohne die berühmten Verträge aussehen würde. Nicht viel schlechter, finden die einen. «Diese Bilateralen haben heute nicht mehr die gleiche Bedeutung wie vor 20 Jahren», sagte der Unternehmer und Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser kürzlich im Schweizer Fernsehen. Zu den Skeptikern gehört auch der Freiburger Ökonom Reiner Eichenberger. Die Einsparungen durch die bilateralen Verträge seien bei weitem nicht so hoch, wie sie eingeschätzt würden, liess er verlauten.

Schwarz auf weiss belegen lässt sich diese Aussage nicht. Aber auch falls sie zutreffen sollte: Für Hans-Peter Zehnder greift Eichenbergers Argumentation zu kurz. Schaden nehme der Wirtschaftsstandort Schweiz auch durch «atmosphärische Störungen». Eine Kündigung des Freizügigkeitsabkommens, ist der Verwaltungsratspräsident der Zehnder-Gruppe überzeugt, «würde nicht-vertragliche Kollateralschäden verursachen. Die Schweiz hätte mit jedem EU-Land den Status eines Drittstaates. Es ist dann fraglich, ob die Behörden in den EU-Ländern im Verkehr mit der Schweiz immer noch die gleiche Priorität und das gleiche Verständnis entgegenbringen.»

Von konkretem Nutzen ist für die Zehnder-Gruppe neben dem Freizügigkeitsabkommen vor allem das Abkommen zur Beseitigung technischer Handelshemmnisse. Heute genüge im Normalfall ein Zertifikat für den ganzen EU-Binnenmarkt, zu dem dank den Bilateralen auch die Schweiz gehört. «Ohne Abkommen würde dieser Prozess länger dauern und mehr kosten», sagt der Patron.

Nun hat die Entwicklung Zehnders von einer kleinen Werkstatt in Gränichen zu einer internationalen Unternehmensgruppe aber natürlich lange vor Inkrafttreten der bilateralen Verträge eingesetzt. Sind diese für exportorientierte Industrieunternehmen wie die Zehnder-Gruppe also vielleicht doch verzichtbar, zumal es ja noch das Freihandelsabkommen mit der EU aus dem Jahr 1972 gibt? Die 80er- und 90er-Jahre seien mit heute nicht eins zu eins vergleichbar, sagt Zehnder. So seien damals beispielsweise für ein in Frankreich ausgeschriebenes Projekt lediglich die dortigen Standards massgebend gewesen. «Heute verlangt ein Planer, dass wir das europäische Zertifikat haben und oftmals immer noch nationale Standards in verschiedenen Ländern erfüllen.» Alles sei «interdependenter und deshalb auch anspruchsvoller» geworden. Ein Freihandelsabkommen, das lediglich den freien Austausch von Waren sichert, so Zehnders Schlussfolgerung, ist für den eng verflochtenen Wirtschaftsraum Schweiz - EU deshalb ungenügend.

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