Suhr
«Wir wollen Orte, wo wir uns austoben können»

Wie viel Spass darf es sein? – Im Lenzihaus verhandelten Jung und Alt den Platz der Jugend im öffentlichen Raum. Die Dialogveranstaltung stützte sich ab auf einer Umfrage bei 50 Jugendlichen aus Suhr und Buchs.

Ralph Stamm
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Svenja Steffen möchte mehr Grillplätze mit Internet-Hotspots. Auch Abfalleimer dürften nicht fehlen.ras

Svenja Steffen möchte mehr Grillplätze mit Internet-Hotspots. Auch Abfalleimer dürften nicht fehlen.ras

Die Rollen von Jung und Alt waren am Mittwochabend für einmal vertauscht. Auf der Bühne im Lenzihaus stand die 13-jährige Svenja. Im Publikum sassen gut 30 Erwachsene aus Lokalpolitik, Jugendarbeit und Elternschaft.

Zur Dialogveranstaltung «Konflikte im öffentlichen Raum» hatte die Jugendarbeit Suhr-Buchs zusammen mit dem National Coalition Building Institute (NCBI) eingeladen, ein so genanntes «Brückenbauer-Institut». Die Probleme und Bedürfnisse der Jugend würden immer nur von Experten diskutiert und von den Medien aufgegriffen, sagte Moderator Jan Thalmann vom NCBI. «Dies soll nicht länger über die Köpfe der Jugendlichen hinweg geschehen.»

Selbstbewusst präsentierte Svenja also ihre Idee von einem Ort, wo sie sich mit Freunden wohlfühlen könnte. Gezeichnet hatte sie einen Grillplatz an einem Teich, ausgestattet mit Picknicktisch, Internet-Hotspot und «Kiss-Bänkli» für lauschige Stunden. Aber auch Abfalleimer hatte sie nicht vergessen. «Wir Jugendlichen wollen draussen nicht länger stören und weggeschickt werden. Wir wollen Orte, wo wir uns austoben können», lautete ihre Forderung, stellvertretend für die anderen vier Jugendlichen, die ihre Zeichnungen ebenfalls vorstellten.

Eine Frage der Lautstärke

Die Dialogveranstaltung stützte sich ab auf einer Umfrage bei 50 Jugendlichen aus Suhr und Buchs. Meistgenannte «Hang Out»-Orte waren das Schulhausareal, die Badi, die Bänkli an der Suhre und das weiter entfernte Aarau. Rund drei Viertel der Befragten hatten angegeben, es brauche mehr Plätze für die Jugendlichen.

In den Dialogrunden zwischen Jung und Alt standen deshalb vier Fragen im Zentrum: Was braucht es für einen respektvollen Umgang zwischen den Generationen? Wie können bestehende Plätze aufgewertet werden? Welche neuen Plätze braucht es? Wie kann das Littering-Problem angegangen werden? Aus den lebhaften Diskussionen können drei Erkenntnisse gezogen werden.

Fazit 1: «Miteinander sprechen». Was damit gemeint ist, verdeutlicht die Geschichte der 14-jährigen Ursina: Mit einer Freundin habe sie auf der Wiese beim Kindergarten gegen 21 Uhr noch Musik gehört. Plötzlich sei die Polizei aufgetaucht, da sich ein Nachbar beschwert hatte. «Er hätte uns auch direkt ansprechen können», sagte sie.

Fazit 2: «Die Jugendlichen brauchen Platz, aber nicht nur dort, wo es niemanden stört». Speziell in Schulhausnähe müssten Anwohner mehr Verständnis aufbringen, war sich die Runde einig. «Wir haben doch draussen auch immer Ball gespielt, bis es dunkel wurde», warf ein Mann ein. Derweil kam Jan Götschi von der Jugendarbeit Suhr-Buchs auf den Jugendtreff «Contrast» in Suhr zu sprechen. Dieser sei für viele Jugendliche zu abgelegen. «Warum also nicht zusätzlich dazu die alte Feuerwehrhalle in Buchs zu einem Jugendzentrum umfunktionieren?», fragte er.

Fazit 3: «Nicht alle Jugendlichen sind gleich». Obschon eigentlich selbstverständlich sah sich Svenja dazu veranlasst, daran zu erinnern. Sie ärgere sich über pauschale Verurteilungen durch die Erwachsenen. «Auch ich kann nicht verstehen, warum Jugendliche Bierflaschen und Zigarettenstummel herumliegen lassen.» Ein Polizist in der Runde nahm den Steilpass dankbar auf und forderte ein «Platz-Coaching», wonach ältere Jugendliche oder Erwachsene die Plätze beaufsichtigen sollten.

Svenja hatte nichts dagegen einzuwenden. Sie will weiterhin in der Arbeitsgruppe mitmachen. Die Jugendarbeit Suhr-Buchs sucht dafür noch weitere engagierte Personen.

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