Aarau
Warum sich der Rektor der Berufsschule gerne einmischte

Ueli Meyer geht nach 16 Jahren als Rektor der Berufsschule Aarau in Pension. Klare Worte findet er für das neue Standort- und Raumkonzept für die Sekundarstufe II.

Hubert Keller
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Ueli Meyer, hier auf dem Dach der BSA, hat jetzt wieder mehr Freizeit. Chris Iseli

Ueli Meyer, hier auf dem Dach der BSA, hat jetzt wieder mehr Freizeit. Chris Iseli

Chris Iseli

Ueli Meyer, Rektor der Berufsschule Aarau (BSA), hat gerade eine hektische Zeit hinter sich. Rund 1000 junge Menschen, Pharmatechnologen, Elektroinstallateure, Konditorinnen, Logistiker, Küchenangestellte, medizinische Praxisassistentinnen, Mediamatiker und andere mehr, haben die Berufslehre abgeschlossen und, sofern sie denn bestanden haben, ihre Diplome überreicht bekommen. Ein Schuljahr ist zu Ende. Es war das letzte des Rektors, Ueli Meyer geht in Pension.

«Viel Zeit, mir über das, was nun kommt, Gedanken zu machen, hatte ich noch nicht», sagt Ueli Meyer, um im gleichen Atemzug anzufügen: «Alles, was zu kurz kam, zurückgestellt werden musste, will ich nachholen.» Zu kurz gekommen sei leider auch die Pflege der Freundschaften – und der vielen Hobbys.

Er war Segel-Schweizermeister

Der Schweizermeistertitel im Regattasegeln 1979 und der respektable achte Rang an den Weltmeisterschaften in Weymouth im Süden Englands liegen viele Jahre zurück, doch die Liebe zum Segelsport ist geblieben. Seine «Surprise», gerade so gross, dass er sie noch im Hallwilersee wassern darf, will er auch in anderen Gewässer steuern. «Mindestens für einen Monat jedes Jahr», hat er sich vorgenommen. Und wenn Flaute ist, setzt er sich ins Ruderboot, aufs Bike oder geht im Winter Skifahren.

Er wolle das Kommando über seinen Terminkalender zurückgewinnen, sagt er. Ueli Meyer wohnt mit seiner Frau Edith in Beinwil am See. Die Kinder sind längst ausgeflogen. Der älteste Sohn ist Anwalt, die Töchter sind Tierärztin, Pflegefachfrau und Architektin.

Rektor war Ueli Meyer bereits an der Handelsschule KV Reinach. Die kleinste Berufsschule damals im Aargau. Er war, wie er sagt, Mädchen für alles und unterrichtete beträchtliche 18 Lektionen Deutsch, Staatskunde und Turnen. Dass er in Aarau nicht mehr unterrichten musste, sondern sich auf die Leitung der Schule konzentrieren konnte, empfand er als gewaltige Entlastung.

Ein Institut für externe Schulevaluation attestierte ihm 2011 eine «hohe unternehmerische Entscheidungsfähigkeit, die vor allem im Umfeld der Behörden als atypisch wahrgenommen» werde. Und die Lernenden, so steht im Evaluationsbericht weiter, nähmen das unbürokratische und dennoch klare Führungsverhalten bereits im ersten Lehrjahr wahr und goutierten es auch.

«Wenn ich mich zu Wort gemeldet habe, so war das nur für die Schule und zum Wohle der Berufsbildung», sagt Ueli Meyer, der sich in den vergangenen Jahren öfters eingemischt und die Schulpolitik des Kantons auch schon mal kritisiert hat.

So machte er energisch seinen Standpunkt klar, als er befürchten musste, der Kanton wolle mit einer Neuregelung der Finanzierung das Diktat über die Berufsschulen an sich reissen. Unternehmerische Aktivitäten und damit die Innovationskraft der Berufsschulen würden verunmöglicht, wenn diese «kantonalisiert» würden, argumentierte Unternehmer Ueli Meyer.

Als streitbar erwies er sich, als im vergangenen Jahr Bildungsdirektor Alex Hürzeler das neue Standort- und Raumkonzept für die Sekundarstufe II präsentierte, das eine grösstmögliche Bündelung der Berufe und Berufsgruppen anstrebt.

Schon im Jahr 2000, als Ueli Meyer noch Rektor am KV Reinach war, habe es ein Gstürm gegeben wegen der Standorte und Berufszuteilungen. Und jetzt, 16 Jahre später, gehe es wieder um das Gleiche, als habe man nichts gelernt und als habe sich die Berufsbildungslandschaft nicht verändert. «Kompetenzzentren sind zwar anzustreben, aber keine Monokulturen. Diese verhindern die gewachsene Schulkultur, welche die Sozialisierung und interdisziplinäres Arbeiten fördert», sagt er.

Die Berufslernenden wollten nicht unter sich sein, sie wollten sich austauschen, Bäcker mit Elektrotechnikern, Dentalassistenten mit Malerinnen. «Eine reine Männer- oder Frauenschule bringt weder die Qualität noch die Kultur, wie wir sie an unserer Schule leben.»

«Schon etwas chaotisch»

Gleich neben dem geräumigen und aufgeräumten Büro des Rektors haben Jennifer Küng und Natascha Huber, kaufmännische Sachbearbeiterinnen, ihre Arbeitsplätze. Sie loben ihren Chef über den Klee. Hat er denn wirklich keine Fehler? Nach einigem Nachhaken räumen sie zögerlich ein: «Etwas chaotisch sei er schon, dynamisch halt.»

Ueli Meyer reisse gern etwas an, das die anderen dann fertig machten. Dem Rektor war, wie Jennifer Küng und Natascha Huber betonen, viel daran gelegen, dass Mitarbeitende und Lehrpersonen als Team zusammenarbeiteten und an der Schule ein gutes Klima herrschte. «Am wichtigsten waren mir die hohe Qualität der Ausbildung, Vorbilder auf allen Stufen und die permanente Weiterentwicklung mit dem Ziel, die BSA zu einer herausragenden Bildungsinstitution mit Ausstrahlung zu machen», bekräftigt Meyer.

Er habe für die Anliegen der Lehrer immer ein offenes Ohr gehabt, sagt André Woodtli, Hauptlehrer für Allgemeinbildung. Auch er ist überzeugt, dass das Klima der Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens an der Aarauer Berufsschule Meyer zu verdanken ist. Und dann schwärmt Woodtli noch von Meyers Fähigkeiten als Hobbykoch, was den Lehrerinnen und Lehrern etliche kulinarische Vergnügungen beschert habe.

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