Aarau
Von plantschenden Angestellten und anderen Geschichten

Die Sanierung der Gönhardgüter deckt ein Brunnenbecken und alte Geschichten auf. Wie jene der Gärtnerfamilie, die sich einst im Brunnenbecken abkühlen durfte.

Sabine Kuster
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Das ausgegrabene Becken – mit abgeschlagenem Rand.

Das ausgegrabene Becken – mit abgeschlagenem Rand.

Stadtbauamt

Das Geheimnis um den zugeschütteten Zierbrunnen im Park des Hauses der Musik ist gelüftet: Das Stadtbauamt hat das Becken im Rahmen der Sanierung der Gönhardgüter ausgegraben. Zum Vorschein gekommen ist ein grosses rundes Becken – wie dies vorangehende Sondierungen hatten vermuten lassen.

Der Gärtner und seine Frau im Zierbrunnen der Villa.

Der Gärtner und seine Frau im Zierbrunnen der Villa.

Doch wie es im ursprünglichen Zustand ausgesehen hatte, war nicht bekannt, Pläne existieren keine. Im Oktober wurde die Bevölkerung deshalb aufgerufen, alte Fotos zu suchen. Mit Erfolg: Fünf Personen schickten dem Stadtbauamt total rund 300 Fotos. «Das ist ein extrem gutes Ergebnis», freut sich Landschaftsarchitekt Daniel Schneider, der für die Sanierung des Parks zuständig ist. Auf den Fotos seien viele Details zu sehen, von denen niemand mehr gewusst habe.

Ein Jahr beim Gärtner der Villa

Auch die Geschichte des Gärtners kam so wieder zum Vorschein: Kurt Dieterle aus Buchs, schickte ein Foto, auf dem seine Tante und der Onkel 1944 m Brunnen baden. Der Onkel war der Gärtner der Villa. Das Gärtnerhaus steht noch heute beim Eingang zum herrschaftlichen Gut, welches Paul Müller-Brunner, der Finanzdirektor der Schokoladefabrik Frey 1908 erbaute.

Dieterle erinnert sich: «Ich ging in die Bezirksschule und schlief ein Jahr lang in der Sattelkammer, weil meine Eltern ein Haus bauten und die Grosseltern – bei denen meine Eltern währenddessen wohnten – zu weit weg von Aarau waren.» Im Sommer war es der Gärtnerfamilie erlaubt, sich im Brunnenbecken abzukühlen.

Viel Freizeit hatte der Onkel allerdings nicht: «Er war bei Herrn Müller nicht nur als Gärtner angestellt, sondern auch als Rossknecht und Chauffeur», erzählt Dieterle. «Wenn der Direktor mit dem Herrschaftsauto ausfahren wollte, musste er tempoteufel eine Uniform anziehen, die jener von Sherlock Holmes glich, mit Hut und hohen Stiefeln. Während den Ausritten folgte er dem Direktor in einem gebührenden Abstand – natürlich wieder in einem anderen Tenue.»

Auch wenn der Zierbrunnen bald wieder hergestellt ist: Gebadet werden darf dort nicht mehr. Weil aber doch einmal ein Kind hinein fallen könnte, erhöht die Stadt den Boden entlang des Randes, damit das Wasser dort nur 20 Zentimeter tief ist.

Die alten Zedern werden gefällt

Seit gestern werden im Park vis-à-vis des Gönhardschulhauses die Zedern gefällt. Vor allem alte Bäume würden durch neue ersetzt, heisst es seitens der Stadt. Entlang der beiden angrenzenden Strassen werden die Rabattenflächen mit einheimischen Wildstauden ergänzt. Dort sollen Kleinlebewesen und Vögeln Unterschlupf und Nahrung finden. Laut Stadtbauamt lehnt sich die Auswahl der Pflanzen im Innern des Parks an jene aus der Entstehungszeit an. Sie sollen repräsentativen Charakter haben. Im September ist der Park für Spaziergänger wieder nutzbar.

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