Gretzenbach/Erlinsbach
Vom Bach in die Badewanne in den Bach: Dohlenkrebse zügeln

Im Gretzenbach konnten die Dohlenkrebse nicht bleiben. Hobby-Biologe Peter Jean-Richard hat eine aufwändige Züglete in den Erzbach organisiert. Übers Wochenende wohnten die Krebse gar bei ihm zuhause.

Sabine Kuster
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Peter Jean-Richard zeigt ein Dohlenkrebs-Weibchen mit Eiern unter dem Schwanz. Im Erzbach setzte er sie aus. kus

Peter Jean-Richard zeigt ein Dohlenkrebs-Weibchen mit Eiern unter dem Schwanz. Im Erzbach setzte er sie aus. kus

Sabine Kuster

Damit die SBB bald vierspurig durch das Nadelöhr Eppenberg-Wöschnau fahren können, musste in Gretzenbach für den Dorfbach ein neues Bett geschaffen werden. Für die Dohlenkrebse darin bedeutete dies: schleunigst weg. Und zwar nicht ins neue Bachbett. Denn dort würden sie bald von ihren grösseren und aggressiven amerikanischen Verwandten verdrängt und aufgefressen, den Signalkrebsen. Weil der Gretzenbach bald stufenlos in die Aare fliesst, werden von dort die eingewanderten Signalkrebse hochsteigen.

Gut, weiss Peter Jean-Richard Bescheid. Der Hobby-Biologe, der sich in Aarau unter anderem um die seltene Fischart der Nasen sorgt, ist vom Kanton Aargau mit dem Zuchtaufbau der Dohlenkrebse beauftragt. Auch die Solothurner Behörden kannten ihn und fragten, ob er die Evakuierung übernehmen würde.

Dazu musste Jean-Richard in beiden Kantonen die Bewilligungen beantragen und vor allem einen Bach finden, in dem es keine Dohlenkrebse mehr hat, aber auch keine Signalkrebse. Der Erzbach an der Grenze beider Erlinsbach ist ein solches Gewässer. Die Stufen bei der Mündung in die Aare sind für die Signalkrebse unüberwindbar.

Drei Nächte lang hat Jean-Richard im Gretzenbach nach den nachtaktiven Krebsen gefischt und rund 130 Exemplare gesammelt, in allen Grössen. Auch Weibchen, die Eier tragen, sind dabei und zwei orangefarbene Exemplare. Die Natur bringt immer wieder orangefarbene Dohlenkrebse hervor, warum, ist nicht klar.

Übers Wochenende logierten die Dohlenkrebse in Jean-Richards Badewanne in Aarau. Auch verköstigt hat er sie: Dohlenkrebse sind Allesfresser und ernähren sich von Insektenlarven über Würmer, Muscheln bis Wasserpflanzen.

Nur die Kinder sehen sie

An drei ruhigen Stellen im Erzbach leerte Jean-Richard seinen Kübel. Ob es den Dohlenkrebsen gefällt, kann erst in zwei, drei Jahren überprüft werden. Dann wird Jean-Richard oder sein Nachfolger Nächte lang mit den Gummistiefeln durch den Bach waten und im Schein der Taschenlampe die Steine drehen. Andere Menschen bekommen die Tiere kaum zu Gesicht – mit einer Ausnahme: den Kindern. «Wenn ich Dohlenkrebse suche, frage ich immer die ortsansässigen Kinder, die beim Spielen manchmal auf sie stossen.»

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