Volksschule
Neues Lehrmittel will politische Bildung fördern – Kanton Aargau und Stadt Aarau unterstützen Plattform

Das Demokratie-Zentrum in Aarau möchte die Staatskunde erneuern. Mehr Praxis und weniger Theorie, lautet die Devise. Dabei soll auch das Debattieren gefördert werden.

Nina Fargahi
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Die politische Bildung in den Schulen kam bis jetzt zu kurz. Das soll sich ändern.

Die politische Bildung in den Schulen kam bis jetzt zu kurz. Das soll sich ändern.

Keystone

Eptingen. Diese Gemeinde im Kanton Baselland hat seit Jahren keine eigene Primarschule. Deshalb müssen zwei Siebtklässlerinnen einen Weg von mehr als 11 Kilometern zurücklegen. Dieser Fall wirft bildungspolitische Fragen auf: Was hat der Schulweg mit Menschenrechten zu tun? Warum muss der Kanton die Schulwegkosten übernehmen? Und wie könnte man die Zeit des Schulweges für die Mädchen verkürzen?

Dieses Thema ist ein Beispiel einer sogenannten Lerneinheit auf der neuen Plattform «PB-Tools», welche das Zentrum für Demokratie in Aarau (ZDA) entwickelt hat und seit dieser Woche den Schulen in der Deutschschweiz zur Verfügung steht. Die «PB-Tools» werden unter anderen von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau unterstützt.

Endlich eine Bildungslücke schliessen

Die Lerneinheiten greifen unterschiedlichste Themen für die Politische Bildung auf. Dabei steht immer eine Problemstellung oder eine Leitfrage im Zentrum. Zum Beispiel: Wie weit dürfen Medien in ihrer Berichterstattung das Privatleben eines Politikers beleuchten, wozu dienen Denkmäler einer Gesellschaft oder welche Konflikte gilt es zu lösen, wenn es um die Nutzung von öffentlichen Räumen geht?

Der Lehrplan 21 sieht zwar vor, dass Sekundarschüler befähigt werden, solche Themen zu analysieren, zu beurteilen und zu diskutieren. Aber: «Dieser Anspruch ist in der Praxis vielerorts noch nicht eingelöst, deshalb möchten wir diese Lücke schliessen», sagt der Projektleiter Manuel Hubacher. Er arbeitet mit seinem Team seit einem Jahr daran. «Nun war die Zeit reif, um einige Lerninhalte auf der Website zu veröffentlichen; aber wir sind noch nicht am Schluss», sagt er. Weitere Inhalte werden noch folgen. Mit diesem Projekt wolle man wegkommen von der klassischen Staatskunde. «Der Unterricht soll zu einem Debattenraum werden, wo die Schülerinnen und Schüler lösungsorientiert ein Thema angehen, Kontroversen besprechen, das Abwägen von Argumenten erlernen», so Hubacher. Denn auf komplexe Fragen gebe es keine einfachen Antworten.

Das Unterrichtsmaterial richtet sich an Lehrpersonen der ersten Sekundarstufe. Trotz der gestiegenen Anforderungen an Lehrpersonen gebe es bis jetzt kaum Lehrmittel für Politische Bildung, welche sich sowohl für einen fachlichen als auch überfachlichen Zugang eignen.

Nah an den Jugendlichen

Einen Testlauf habe man bereits mit einer Klasse in Laufen in Zusammenarbeit mit der Universität Basel gemacht. «Die Testung hat ergeben, dass die Themen zwar anspruchsvoll sind, aber dass es den Schülerinnen und Schülern Spass macht, die Fragen zu bearbeiten, um sich dann ein Urteil zu bilden», sagt Hubacher. Die Materialien greifen aktuelle Themen auf, die nah bei den Lebenswelten der Jugendlichen sein sollen. Ob Musik, Schulweg oder Medien, überall würden Fragen drinstecken, die das Politische betreffen, beschreibt Hubacher die Auswahl der Themen. Denn einer der Grundsätze im ZDA sei es, dass jedes Thema so aufbereitet werden könne, damit es zugänglich sei.

Angefragte Lehrpersonen zeigen sich offen dafür, das neue Unterrichtsmaterial auszuprobieren und schätzen die didaktische Arbeit, die in diesem Lerneinheiten steckt. Sie machen allerdings geltend, dass die Plattform nicht auf Anhieb selbsterklärend sei. Man müsse sich die Informationen zusammensuchen und sich eine Übersicht verschaffen, was zeitintensiv ist und manch eine Lehrperson davon abhalten könnte, das Unterrichtsmaterial mit der Klasse auszuprobieren. Allerdings werde man in nächster Zeit die «PB-Tools» weiter überarbeiten und schärfen, wie Hubacher sagt.

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