Vizeammann Franziska Möhl
Lenzburgs oberste Finänzlerin tritt ab – aber keinen Gang kürzer

Nach 22 Jahren kehrt Frau Vizeammann Franziska Möhl der Lenzburger Politik den Rücken. Ein Gespräch über Erreichtes, Verpasstes, und was sie an ihrem Amt am meisten geschätzt hat.

Florian Wicki
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Eine strahlende Frau Vizeammann Franziska Möhl am Lenzburger Jugendfest 2021.

Eine strahlende Frau Vizeammann Franziska Möhl am Lenzburger Jugendfest 2021.

Severin Bigler

Finanzen sind Franziska Möhls Welt. Ob in ihrem Beruf als kantonale Steuerkommissärin oder als Finanz-Stadträtin in Lenzburg – mit Zahlen in der Hand fühlt sich «Fränzi» Möhl wohl.

Kurz vor der Jahrtausendwende zog es die damals 38-Jährige in die Politik. Sie kandidierte als Einwohnerrätin für die damalige CVP, heute «Die Mitte». Zwei Jahre später konnte sie in die wichtige Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission einziehen, die sie 2008 und 2009 präsidierte. Danach sollte eigentlich Schluss sein, erzählt sie. Da habe der damalige Finanzvorsteher der Stadt, SVP-Stadtrat Jakob Salm, angekündigt, bei den Wahlen 2009 nicht mehr antreten zu wollen.

Das Glanzresultat als Antrieb

Möhl wagte trotz SVP-Konkurrenz die Kandidatur und wurde zu ihrer eigenen Überraschung gewählt, «nicht einmal mit dem schlechtesten Ergebnis», fügt sie schelmisch hinzu. Mit ihrem Ergebnis hat sie einen amtierenden SVP-Stadtrat überholt, Martin Stücheli. Das habe sie zwar schon mit Stolz und Freude erfüllt, sagt sie, und wird gleich wieder bescheiden: «Jemand landet immer auf dem letzten Platz, das ist auch klar.» Das Glanzresultat aus 2009 habe sie 2012 dazu bewogen, für den Posten des Vizeammanns zu kandidieren.

Und nun sind die 12 Jahre Amtszeit beinahe vorbei, Franziska Möhl hat sich bei den letzten Wahlen nicht mehr zur Verfügung gestellt. Sie blickt mit Freude zurück, es habe sehr viele schöne Momente gegeben, wie zum Beispiel Jugendfeste bei herrlichem Sommerwetter. Oder als der Bundesrat auf seinem «extra muros»-Ausflug nach Lenzburg gekommen sei – auch wenn Bundesrat Maurer statt des angebotenen Cüplis auf einem Bier bestanden habe.

Das Vermögen ist nicht selbstverständlich

Aber genauso hat Möhl auch Trauriges erlebt. Als zum Beispiel der frühere Kommandant der Feuerwehr, Stephan von Burg, unerwartet gestorben sei, da habe sie kurz nicht mehr weitergewusst. Und mehr und mehr zu schaffen gemacht habe ihr der Umgangston in der Politik, vor allem im Einwohnerrat: «Ich habe mir zwar eine dickere Haut zugelegt, aber so manches lässt man sich in der Nacht schon noch einmal durch den Kopf gehen.»

Fragt man Möhl, was sie hinterlässt, geht es wieder um Finanzen: «Es ist uns gelungen, die hohen Schulden abzubauen, und nun haben wir sogar ein kleines Vermögen.» Das sei nicht selbstverständlich, vor allem habe die Stadt ja nicht einfach alle Investitionen heruntergefahren, sondern zum Beispiel im Schulbereich viel investiert. Und die künftigen Investitionen seien eine grosse Herausforderung: «Deshalb war es mir wichtig, dass die Stadt nun von Null anfangen kann und nicht noch 20 Millionen Franken Schulden von früher mit sich tragen muss.»

«Das ist uns nicht gelungen»

Doch Möhl ist nicht nur stolz: «Wir haben Anläufe genommen, um der Altstadt ein noch attraktiveres Einkaufsangebot zu bringen, aber das ist uns nicht gelungen.» Ebenso ungelöst sei die Situation für den immer wichtiger werdenden Langsamverkehr: «Es gibt in der Stadt kaum Veloabstellplätze – geschweige denn überdachte.» Und auch der Aabach-Raum verschwende Potenzial; der Bach müsse zugänglicher sein, aber das sei alles eine Frage der Prioritäten.

Das alles ist jetzt nicht mehr Franziska Möhls Aufgabe. Sie macht sich trotzdem keine Sorgen, dass ihr nun langweilig wird, schliesslich habe sie nicht mehr Zeit: «Nur weniger fremdbestimmte Zeit.» Dafür hat sie schon das nächste Amt in Aussicht: Sie stellt sich zur Verfügung, Mitte Jahr das Präsidium der Trägerschaft des Alterszentrums Obere Mühle Lenzburg von Heidi Berner zu übernehmen. Ausserdem erhöht sie ihr Pensum beim Kanton; und für den Fall, dass es ihr doch langweilig werden könnte, hat sie beschlossen, einer Frauenfitnessgruppe beizutreten.

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