Veloverkäufe in der Region
«Die Verkäufe würden gut laufen – wenn wir nur Velos hätten»

Die Coronapandemie lässt die Nachfrage nach Velos steigen, doch der Liefernachschub verzögern sich stark. Selbst das Angebot an den Velobörsen sei knapp. Drei Händler aus Aarau, Reinach und Holderbank berichten darüber, wie es in ihrem Velogeschäft läuft.

Daniel Vizentini
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Viel Velovorrat hat er nicht mehr: Renato Kuhn von «L. Grassi Bikes» in der Aarauer Altstadt.

Viel Velovorrat hat er nicht mehr: Renato Kuhn von «L. Grassi Bikes» in der Aarauer Altstadt.

Flurina Dünki

Jedes Jahr beginnt im Frühling die grosse Velo-Verkaufssaison: je schöner das Wetter, desto höher die Nachfrage. Die Coronapandemie lässt das Interesse der Kunden noch weiter in die Höhe schellen, blockiert aber gleichzeitig viele Lieferungen an die Velohändler.

Renato Kuhn vom traditionellen Bike- und Vespaladen «L. Grassi» in der Aarauer Altstadt sagt denn auch: «Die Verkäufe würden gut laufen – wenn wir nur Velos hätten.» Vorrat gäbe es kaum noch, was geliefert wird, sei bald schon wieder vergriffen. «Und das querbeet durch alle Marken», sagt er. «Es gibt lange Wartefristen bei den Herstellern, und es gibt auch Modelle, die für diese Saison bereits komplett ausverkauft sind.»

Dies sei zwar schon in anderen Jahren vorgekommen – Gravel-Bikes etwa seien schon immer nur knapp verfügbar gewesen –, doch nun sei die Knappheit spürbar grösser. Wobei: «Letztes Jahr, beim ersten Lockdown, war die Nachfrage definitiv höher», sagt Renato Kuhn. Immerhin: Die Kunden hätten Geduld, auch in den letzten Monaten, als die Läden nicht öffnen durften und Beratungen nur per Telefon, E-Mail oder Videochat gemacht werden konnten.

Ähnlich läuft es auch im Reinacher Veloladen «District 12», das Mountain- und Downhillbikes, Citybikes, Elektro- oder Kindervelos anbietet. «Fast alles ausser Rennvelos», sagt Co-Geschäftsführer Jonny Bolliger. In normalen Jahren wäre der Laden gerade jetzt zu Frühlingsbeginn voller neuer Modelle, nicht so im aktuellen, zweiten Coronajahr: «Unser Shop ist momentan fast leer», sagt er. Die Lieferungen sind verzögert. «Es ist eine spezielle und nicht ganz einfache Situation.» Die Kunden hätten aber Verständnis und seien bereit, etwas länger zu warten als üblich. Für gewisse vergriffene Modelle hat «District 12» eine Warteliste kreiert.

Bis Ende April soll eine Ladung bestellter Velos im Reinacher Shop ankommen, die meisten Velos dürften bis Ende Mai eintreffen. «Es ist gerade recht harzig, doch wir dürfen auch froh sein, dass der Velohandel derart boomt», sagt Jonny Bolliger.

Die Situation etwas relativieren tut René Leder, der seit 29 Jahren seinen «René’s Veloshop» an der Hauptstrasse in Holderbank führt. Die Lieferengpässe seien stark abhängig von den Marken der Fahrräder, sagt er. «Grundsätzlich hat es Velos», für bestimmte Modelle brauche es aber einfach mehr Geduld. Oft seien Lieferketten schon bei den Herstellern unterbrochen: Es könne sein, dass ein Velo nur wegen eines bestimmten Teils nicht vollendet werden kann.

Ob diese Verzögerung nur an der Pandemie liegt oder etwa am unterbrochenen Suezkanal vergangene Woche, sei schwierig abzuschätzen. Die beschränktere Lieferverfügbarkeit sei jedenfalls ähnlich wie letztes Jahr.

Was René Leder klar sagen kann: Der nötige Vorlauf für Bestellungen ist heute viel länger als früher. Für ein spezielles Bike müsse man viel mehr Anrufe tätigen und Nachhaken.

René's Veloshop in Holderbank.

René's Veloshop in Holderbank.

AZ-Archiv (27.3.2017)

Selbst die Velobörsen sorgen sich um ein genug grosses Angebot

Auch die Velobörsen, die im Frühling stattfinden, bemühen sich dieses Jahr proaktiv um genügend Velos. «Wir haben mehr Händler angefragt als sonst, damit wir einen guten Grundstock haben», sagt Markus Wenger, Interimspräsident von Pro Velo Aarau.

Die Aarauer Velobörse findet wegen Corona nicht wie sonst in der Kaserne sondern erstmals in der Markthalle statt, wo frische Luft zirkuliert. Was die Kundennachfrage betrifft, «lassen wir uns gerne überraschen», sagt er. An der Velobörse 2020, die wegen der Pandemie vom Frühling in den Herbst verschoben worden war, wurden rund 180 Velos verkauft. «Sonst waren es weit über 200 oder 300.»

Velobörse in Aarau
Sa, 10. April, Markthalle am Färberplatz. Verkauf ab 11 Uhr für Mitglieder von Pro Velo Aarau und ab 12 bis 14 Uhr für alle.

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