Coronavirus

Um eine Ansteckung zu verhindern: Hier müssen die Bücher in Quarantäne

Im Buch-Quarantäneraum (v.l.): Beatrice Altorfer, Lilo Moser (Leiterin Stadtbibliothek), Vanessa Brogli.

Im Buch-Quarantäneraum (v.l.): Beatrice Altorfer, Lilo Moser (Leiterin Stadtbibliothek), Vanessa Brogli.

Beim Lockdown waren bis zu 20'000 Medien der Stadtbibliothek ständig ausgeliehen. Um neue Ansteckungen zu verhindern, werden die Bücher, die jetzt zurückgebracht werden, drei Tage in einem extra Raum gelagert.

Wer die aktuelle Corona-Situation mit etwas Humor nimmt, der entdeckt in der Aarauer Stadtbibliothek gleich zwei neue Attraktionen: den sogenannten Corona-Rundlauf, wenn man ein Buch zurückbringen will, und den Raum, in dem die zurückgebrachten Medien drei Tage lang in Quarantäne gestellt werden. So versucht die Bibliothek, das Abstandhalten möglich zu machen. Ausleihen werden ausschliesslich an den Selbstbedienungsstationen im 1. und 2. Stock verbucht, bis Ende Sommerferien können bis zu 16 Medien gleichzeitig ausgeliehen werden, damit man nicht so oft in die Bibliothek muss. Für Rückgaben muss man ins Untergeschoss und dort jeweils nach links durch drei Räume hindurchlaufen. Dabei sieht man auch den Quarantäneraum. «Wir merken, dass unsere Kunden so mehr Vertrauen haben», sagt Bibliotheksleiterin Lilo Moser. Während der Corona-Zeit habe ihr Team so viele positive Rückmeldungen erhalten wie kaum zuvor. «Für uns sind diese sehr motivierend.»

Maximal 54 Personen dürfen sich heute zur selben Zeit in der Bibliothek aufhalten, 20 weniger, als der Bund vorgibt. Nach höchstens eineinhalb Stunden sollte man Bibliothek und Café wieder verlassen. Um die Mitarbeiterkosten zu senken, gilt nun auch dort Selbstbedienung. Als das Café im März vorübergehend ganz schliessen musste, engagierte sich Pächter Gregory Kilcullen im Bücher-Lieferdienst, brachte etwa die übers Internet ausgeliehenen Medien jeweils zu den verschiedenen Verteilzen­tren der Post. Bis zu 30 Bestellungen gingen jeden Tag ein. «Das hat uns ziemlich gefordert», sagt Lilo Moser. Während des Lockdowns seien rund 20'000 Medien gleichzeitig ausgeliehen gewesen, normalerweise sind es 15'000. Die grösste Steigerung betraf aber die E-Books: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 sind dieses Jahr Kinder- und Jugendbücher (in digitaler Form) um 140 Prozent mehr ausgeliehen worden, elektronische Bücher für Erwachsene um 30 Prozent. Im Schnitt werden in der Stadtbibliothek jeden Tag 1000 Medien ausgeliehen – digital und analog. Dank Corona hätten viele Kunden den Bibliothekskatalog im Internet besser oder gar erstmals kennen gelernt. Die Anzahl Bibliotheksabos blieb stabil.

Mehr nationale Reiseführer und Wanderkarten

Zu den 6500 Medien, die die Stadtbibliothek jedes Jahr neu anschafft, gehören stets auch aktuelle Reiseführer. Laut Kommunikationsleiterin Beatrice Altorfer wurde dieses Jahr speziell der Bestand an Schweizer Reise- und Wanderführer aufgestockt. «Diese werden nun sehr oft ausgeliehen», sagt sie, darunter auch Wander- oder Velokarten, trotz den heutigen Apps. Dass viele die Ferien hierzulande verbringen, merkt man auch an der Bibliothek im Freibad Schachen: 250 Bücher werden dort täglich ausgeliehen, die jeweils um 15 Uhr stattfindende «Gschichtezyt» für Kinder sei sehr beliebt.

Weitergeführt wird ein- bis zweimal im Monat auch das «Gigampfe, Värsli Stampfe» für Kleinkinder. Pro Session dürfen derzeit aber statt 30 nur 10 Erwachsene mit Kind dabei sein. Dafür werden die Anlässe häufiger durchgeführt. Als digitale Ergänzung werden die Verse teils gefilmt und ins Internet gestellt.

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